Zu jung – Zu alt: Jens (27)

"Man ist nie zu alt für Gangsta-Rap!"
Protokoll: Teresa Fries
Foto: Lucas Bergmüller

Illustration: Julia Schubert

. . . um damit aufzuhören, Gangsta-Rap-Zitate zu benutzen. Das Thema kam neulich bei meinem besten Kumpel auf. Ich weiß nicht mehr genau, worüber wir gesprochen haben, aber ich glaube, es ging um irgendwas von Lil Wayne. Und mein Kumpel fragte mich, ob ich nicht langsam zu alt für Gangsta-Rap bin. Die Antwort ist: Man ist nie zu alt für Gangsta-Rap! Man kann durchaus auch als Nicht-mehr-Teenager einen guten Musikgeschmack haben und trotzdem manchmal Haftbefehl hören. Und ich werde auch sicher mit 50 oder 60 noch aus seinen Texten zitieren, wenn die Situation danach verlangt. Schlimm sind ja die, die so tun, als würden sie nur noch Chilly Gonzales oder Feist hören, wenn sie Ende 20 sind, dann aber trotzdem Hafti oder Sido feiern – und ihr Spotify-Profil dabei auf „privat“ stellen. Ich habe schon gearbeitet, als viele meiner Freunde noch mitten im Studium waren, dadurch kommt wohl der Irrglaube, ich sei zu erwachsen dafür. Manche glauben wohl, irgendwann ist man auch zu schlau für Hip-Hop. Aber: Hip-Hop ist immer ein bisschen schlauer als du.  

Illustration: Julia Schubert
. . . für Grundsatzdiskussionen oder absolute Meinungen. „Wäre es nicht besser, im Sozialismus zu leben?“ So was haben wir als 16-Jährige ewig diskutiert. Immer mit dem Ergebnis: Es wäre besser. Aber so einfach ist es nun mal nicht. Das hat nichts mit politischer Verdrossenheit zu tun, sondern damit, dass man reflektierter wird und erkennt, dass es bei den meisten Themen verschiedene Seiten gibt – und dann kommen einem absolute Meinungen schwachsinnig vor. Das betrifft nicht nur Diskussionen über Politik. Ich kenne Leute, deren Musikgeschmack sich auf ein Genre beschränkt und die Sachen sagen wie: „Die Musik kann man doch nicht hören.“ Doch, kann man wohl! In die gleiche Kategorie gehören Captain-Obvious-Aussagen wie: „Ey, es ist so krass, wie immer alles auf der Welt nur ums Geld geht.“ Ach was! Genauso geht es mir, wenn Leute sagen, dass man doch eigentlich was machen müsste: „Man müsste doch eigentlich was für die Flüchtlinge machen!“, „Man müsste beruflich was Eigenes aufziehen!“ Früher hab ich sicher auch so geredet. Heute denke ich: „Quatsch nicht, mach einfach!“ 
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