Darf es ein Energydrink als Sarg sein?

Wenn in Ghana Menschen bestattet werden, ist das nicht nur eine traurige Angelegenheit.
Von Femi Akomolafe/journafrica.de

Beerdigungen sind in vielen Ländern Afrikas ein Riesengeschäft. Um sich von der Konkurrenz abzuheben haben sich Bestattungsunternehmen in Ghana etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Sie entwerfen Särge, die den Lebensweg der Toten nachzeichnen. Nähmaschinen (für Schneider), Rennwägen (für Taxifahrer), Bierflaschen (für Barbetreiber) und vieles mehr.

Modell "Föhn" Ghanaische Frauen legen sehr viel Wert auf ein gepflegtes Erscheinungsbild. Zu manchen Anlässen ist es völlig normal, Stunden oder sogar Tage damit zu verbringen, sich die Haare zu frisieren - ein gutes Geschäft für Schönheitssalons. Deren Besitzer entscheiden sich aus Marketinggründen immer wieder mal, in einem Sarg beerdigt zu werden, der aussieht wie eines ihrer Arbeitsgeräte.

Modell "Nähmaschine" Wenn es um Kleider geht, möchte in Ghana jeder aus der Masse herausstechen. Die Hülle und Fülle an Mode auf den Straßen ist selbst in den ärmeren Gegenden atemberaubend. Professionelle Schneider nähen auch aus einfachen Stoffen raffinierte Designs. Särge in Form einer Nähmaschine lassen erahnen, dass der Verstorbene ein anerkannter Schneider war.

Modell "Energydrink" Särge in Form eines Energydrinks deuten darauf hin, dass der Verstorbene zu Lebzeiten ein namhafter Sportler war. Es handelt sich um einen der neuesten Trends in der ghanaischen Sargbau-Szene, der auch bei Verkäufern von Energydrinks immer beliebter wird.

Modell "Kipplaster" Kipplasterfahrer sind in Ghana oft in Gewerkschaften organisiert. Wenn ein Mitglied stirbt, übernimmt die Gewerkschaft die Beerdigung. Der Leichenwagen wird in diesem Fall von zahlreichen Lastwagen flankiert, die mit roten Stoffstreifen und Fotos des Verstorbenen dekoriert sind. Auf dem Weg zum Friedhof wird dabei traditionell so viel Lärm wie möglich gemacht.

Modell "schwangere Frau" Hebammen gelten in Ghana als wichtige Stützen der Gesellschaft. Bevor sich die westliche Medizin in Afrika etablierte, halfen Hebammen nicht nur bei Geburten, sondern übernahmen oft auch die Rolle der Gynäkologin. Sie waren kompetente Kräuterkundlerinnen und kümmerten sich um die medizinischen Bedürfnisse von Mutter und Kind. Die Profession wurde von Generation zu Generation weitergegeben. Eine Hebamme zu sein ist also mit Stolz verbunden – auch über den Tod hinaus.

Foto: Femi Akomolafe

Modell  "Flugzeug" Es ist nicht ganz klar, ob Särge in Form eines Flugzeugs eher für Piloten oder für Vielflieger bestimmt sind – oder für all diejenigen, die immer mal mit einem Flugzeug fliegen wollten, es aber doch nie geschafft haben.

Modell "Fußballschuh" Fußball ist mit Abstand die beliebteste Sportart Ghanas. Für viele Ghanaer aus ländlichen Gegenden ist er mit dem Traum verbunden, eines Tages den Weg aus der Armut zu finden. Nicht ohne Grund: Manch einer, der es nie zu träumen gewagt hätte, ist durch Fußball unfassbar reich geworden. Mit einem Sarg, der die Form eines Fußballschuhs trägt, möchten sie jenem Sport huldigen, der sie das Leben in vollen Zügen genießen ließ.

Modell "Bierflasche" Viele Ghanaer amüsieren sich gerne in sogenannten Bierstuben. Ein Großteil des sozialen Lebens in Ghana spielt sich dort ab. Manche Bierstuben-Besitzer stellen dort einen Fernseher auf, damit die Gäste gemeinsam ihre Lieblingssendung - vor allem Fußball – ansehen können. Wenn sie sterben, werden sie hin und wieder in Särgen beerdigt, die wie Bierflaschen aussehen.

Modell "Feuerwehrauto" Ein solcher Sarg zeigt ganz deutlich, dass der Tote ein Feuerwehrmann war.

Modell "Tiger (in Arbeit)" Tiger (Leoparden) gelten als die Könige der Katzen. Nur sehr bedeutende Familien dürfen Tiger in ihrem Familienwappen verwenden.

Modell "Gockel" Viele Familien haben Vögel und andere Tiere als Teil ihres Familienwappens.

Modell "Kirche" Särge in Form von Kirchen werden für Priester und Kirchenbeamte hergestellt. Die Religion spielt in Afrika nach wie vor eine wichtige Rolle, und die „Männer Gottes” genießen ein hohes Ansehen in der Gesellschaft.

Foto: Femi Akomolafe

Die Werkstatt eines der beliebtesten Sargbauer des Landes liegt in Breku, etwa 40 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt Accra. Douglas ist einer der Angestellten dort. Erst vor wenigen Tagen hat er seine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen; nun hat er bereits acht Lehrlinge unter sich. 

Wie sieht die Ausbildung bei einem Sargbauer denn aus?

Douglas: Die Ausbildung dauert fünf Jahre. Danach sind wir eigentlich Meister in diesem Handwerk: Wir lernen alles, was mit Schreinerei zu tun hat, wir können Särge bauen und Designs entwerfen, wie kompliziert sie auch sein mögen.

Wie bist du zu der Ausbildung gekommen?

Eigentlich war das eher Zufall. Mein Vater ist Bauer in Bawjiase, ganz in der Nähe von hier. Er konnte es sich nicht leisten, mich auf eine weiterführende Schule zu schicken. Also habe ich nach Ausbildungsplätzen Ausschau gehalten – und bin hier gelandet. Von den anderen Lehrlingen sind eigentlich die meisten ebenfalls Schulabbrecher.

Wie genau läuft die Zusammenarbeit mit den Kunden ab?

Meistens bringen die Leute eigene Designvorschläge mit. Dann ist es an uns, ihre Ideen auch in die Tat umzusetzen. Meistens machen wir auch gar keine Skizzen im Vorfeld oder so, sondern bauen einfach drauf los.

Kann man damit Geld verdienen?

Die günstigsten Särge kosten bei uns circa 2000 Ghana Cedi (umgerechnet etwa 500 Euro). Es ist also schon ziemlich lukrativ. Aber ohne Startkapital kommst du nicht weit. Für Nachwuchskräfte wie mich ist das durchaus ein Problem, denn ein eigenes Unternehmen zu gründen ist schwer.

Wirst du es trotzdem versuchen?

Auf jeden Fall. Man braucht eben Geduld. Aber ich denke, dass ich mir nach ein paar Jahren Arbeit ein bisschen was werde ansparen können, um meinen eigenen Shop und meine eigene Werkstatt aufzumachen. Ich bin mir sicher, dass ich es schaffen kann.

Gibt es so etwas wie einen Gründerzuschuss für junge Leute wie dich?

Leider nicht. Selbst an einen Kredit zu kommen ist unheimlich schwer. Dabei ist die Nachfrage nach unseren Särgen wirklich groß. Wir bekommen regelmäßig Bestellungen aus dem Ausland, manchmal sogar aus Europa. Es klingt zwar komisch – aber in Särge zu investieren lohnt sich!

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