Weil klarer Schnaps out ist, gibt es jetzt whiskybraunen Wodka

Die Hersteller wollen ihn damit aus der Komasauf-Ecke holen.
Foto: Nakhlah / photocase.com

So ziemlich jeder von uns hatte wohl mal eine Flasche Moskovskaya wie eine Trophäe im Regal stehen, hat sich in frühster Jugend seine Filmrisse mit ultrasüßem Smirnoff Ice verschafft oder ist dem Mythos verfallen, dass der gute, klare Wodka in Reinform keinen Kater hervorruft. Jahrzehntelang hat Väterchen Wodka uns zuverlässig ins Verderben gestürzt, war ein grundehrlicher Feierkamerad. 

Laut Quartz befinden sich die Umsätze der Wodka-Hersteller allerdings derzeit (zumindest in den USA) im freien Fall. Der Trend geht Richtung Whiskey: Der ist ja irgendwie rauer, reift jahrtausendelang in Fässern vor sich hin, schmeckt im Gegensatz zum verlässlichen Wodka immer individuell anders und – er ist braun! Und um ihren Schnaps doch noch an den Mann zu bringen, setzen die Wodka-Hersteller deswegen nun auf Folgendes: braunen Wodka, Codewort "barrel-aged".

Eine brandneue Erfindung ist der braune Wodka nicht: Der Starka, ein in Polen und Litauen verbreiteter Kornwodka, wird 5 bis 50 Jahre mit Linden- oder Apfelblättern gereift, erhält dabei die braune Färbung und einen Geschmack, der ihn vom Wodka-Ideal der Fast-Geschmacklosigkeit (was hier keineswegs abwertend gemeint sein soll) abhebt. Angeblich geht dessen Erfindung auf das Ritual zurück, bei der Geburt eines Kindes ein Fass Wodka zu vergraben und dieses dann bei dessen Hochzeit zu trinken. 

Die Produktion des letzten Original-Starka des polnischen Herstellers  Polmos Szczecin wurde allerdings 2010 eingestellt, der Wodka ist traditionell eben eher wegen seiner Klarheit und Reinheit (Stichwort: Kein-Kater-Mythos) geschätzt und nicht wegen seines individuellen Geschmacks.

Obwohl man natürlich auch zugeben muss: besonders edel war Wodka nie. Und Alkohol ist natürlich immer potentiell hinrschädigend. Aber in den Bars dieser Welt hat erst die Einführung zahlloser Erdbeer-, Banane-, Vanillevarianten ihm endgültig den Ruf eines billigen Koma-Garanten für Teenager verschafft. Und dass nun gerade Absolut, Hauptverantwortlicher dieser Geschmacksverbrechen, nun mit seinem "Absolut Oak" den Ruf des Wodka retten und ihn durch das Lagern in Fässern in Richtung des urban-distinguierten Whiskey-Liebhabers rücken will, ist schon eine Ironie der Geschichte.

Sympathischer als jede superexquisite Eichenfass-Lindenblatt-Edition bleibt für uns dann doch der gute, klare Ur-Wodka. Schließlich heißt "Wodka" immer noch "Wässerchen" und nicht "Süppchen". Und einen fiesen Kater bekommt man vom braunen Wodka garantiert, da sind wir uns sicher.

qli

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