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Wie „Bullet Journals“ im stressigen Alltag helfen

Maria vermittelt in Workshops, wie man die Mischung aus Terminkalender, Notizblock und Tagebuch gestaltet – und dabei die Gedanken ordnet.
Von Julia Bergmann
maria hohenhausen

Alles im Blick: Maria Hohenhausen zeigt ihr Bullet Journal.

Foto: Stephan Rumpf

„Es ist nicht nur dein Kalender, es ist dein Ein-für-alles“, sagt Maria Hohenhausen. In ihrer Hand hält sie ein schwarzes Notizbuch, das vor ein paar Monaten noch leer war. Ein Buch, das mittlerweile nicht nur voller Termine ist, sondern auch voll mit Gedanken, Wünschen und Hoffnungen. Alles in einem, wie es bei einem Bullet Journal eben üblich ist. Bullet Journals sind Hybride aus Kalendern, Notiz- und Tagebüchern. Ein paar Seiten Papier, die alles bündeln, was deren Besitzer bewegt. Ein Heftchen, dem manche Menschen sogar nachsagen, dass es ein Leben verändern kann. Maria Hohenhausen sagt das auch. Mittlerweile bietet die 32-Jährige regelmäßig Bullet-Journal-Workshops an. Ursprünglich war der Kurs als einmalige Sache geplant.

Wer im Internet nach Bullet Journals sucht, findet Bilder von kleinen Kunstwerken, von Kalendereinträgen, die mit filigranen Zeichnungen verziert sind, von Mindmaps, die aussehen, als hätte jemand tagelang daran gearbeitet. „Viele lassen sich von solchen Bildern abschrecken, weil sie denken, man müsse künstlerisch begabt sein oder besonders schön schreiben können“, sagt Maria. Dabei sei die Idee hinter den Bullet Journals ganz simpel. „Alles, was man wirklich braucht, sind ein Heft und ein Stift.“

„Man erkennt Priotitäten“

Maria schlägt ihr Notizbuch auf, ein mithilfe einer Schablone gezeichnetes „KW 49“ steht oben links im Eck. Auf den beiden aufgeschlagenen Seiten hat sich die 32-Jährige ein Kalenderlayout mit Platz für jeden Tag der Woche eingerichtet. Simpel, schwarz-weiß, ein paar Linien, kein Schnick-schnack. Unter den einzelnen Tagen aufgelistet stehen Termine, Aufgaben und Ideen. Die Aufzählungspunkte davor, die Bullet Points, sind alle mit bestimmten Symbolen versehen. Aufgaben etwa sind mit einem kleinen Punkt gekennzeichnet, Termine mit einem Kreis und besonders wichtige Dinge markiert Maria mit einem Ausrufezeichen. Wenn Aufgaben erledigt wurden, hakt man sie ab, wenn nicht, zeichnet man daneben einen kleinen Pfeil. Das soll heißen, die Aufgabe wird auf den nächsten Tag verschoben. Punkt für Punkt wird noch einmal angesehen. „Das schöne daran ist, dass man echt sortiert ist im Kopf“, sagt sie. Weil jeder Punkt im Bullet Journal noch einmal bearbeitet wird, beginne man automatisch zu reflektieren.

„Man erkennt Prioritäten oder auch Gründe dafür, warum man bestimmte Dinge immer wieder aufschiebt“, sagt Maria. „Man lernt schnell, Unwichtiges zu streichen oder auch, dass man sich nicht alle Aufgaben auf einen Tag legen muss.“ Das Bullet Journal gebe Struktur und helfe zu entscheiden, was wichtig ist. „Man beginnt auch, mit Zeit anders umzugehen“, sagt Hohenhausen. Und weil es anders als in herkömmlichen Kalendern keine vorgegebenen Muster gibt, ist man in der Gestaltung seines Journals völlig frei.

Zwischen den einzelnen Kalendereinträgen gibt es immer wieder ganz spezielle Seiten. Sogenannte „Collections“. Maria zeigt in einem älteren Journal eine Seite mit einem Rückblick auf das Jahr 2018 und ihren Vorsätzen für 2019. Sie blättert ein paar Seiten weiter und entdeckt eine Wunschliste, noch ein paar Seiten weiter eine Tabelle, in der sie festgehalten hat, wie oft sie Sport gemacht hat. Damit man die Seiten zwischen den Kalendereinträgen später leichter wiederfindet, wird vorne im Notizbuch Platz für den Index freigelassen. Immer wenn eine neue Seite entsteht, kann das Inhaltsverzeichnis um eine Zeile erweitert werden.

Maria hält sich in weiten Teilen an die klassische Bullet-Jounal-Methode. Erfunden hat diese Ryder Carrol, der schon als Kind Schwierigkeiten damit hatte, sich zu fokussieren. Nachdem er die Diagnose Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom erhalten hatte, suchte er nach einer Möglichkeit, Termine, To-do-Listen und Gedanken in einem Buch zu bündeln, um sich besser zu organisieren. Seine Methode gewinnt immer mehr Anhänger. Das merkt auch Hohenhausen. „Die Nachfrage nach Workshops ist groß“, sagt sie. Auch Firmen, Pflegeeinrichtungen und ein Softwareunternehmen haben Kurse bei ihr gebucht. Die Idee dahinter: Die Mitarbeiter sollen im stressigen Berufsalltag einen Weg finden, Aufgaben und Bedürfnisse zu ordnen und zu priorisieren. Maria, die als Selbständige Gastronomie- und Hotelbetriebe berät, sagt, ihr gelinge das nun.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Text erschien zuerst in der Süddeutschen Zeitung vom 6.12.2019. Am 17.09.2020 wurde er auf jetzt erneut veröffentlicht und dafür aktualisiert.

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