Ein US-Countrysänger prellt in München die Zeche

Und schreibt später aus Amerika eine Entschuldigung - mit großem Trinkgeld im Umschlag.
bildschirmfoto 2016 05 19 um 18 42 15
Foto: Screenshot lukasmotejzik/Instagram

Sitzt ein Country-Sänger aus Nashville in einer Bar in München. Bestellt „2 Gin Getränke“ und „6 Schüsse“. Bemerkt, dass er kein Bargeld hat. Rennt zum Bargeldautomaten, der in solchen Fällen nie funktioniert, gerät in Panik und läuft davon. Zurück in Nashville, lässt Charlie, so heißt der gute Mann, sein schlechtes Gewissen keine Ruhe. Er verfasst also (im besten Google Translator-Deutsch) ein Schuldeingeständnis auf einer Postkarte und steckt diese zusammen mit einem Batzen Geld, der sowohl die Rechnung deckt, als auch ein großzügiges Trinkgeld beinhaltet, in einen Umschlag. 

Einige Wochen später erreicht der Umschlag die Bar in München. Ein junger Mann namens Lukas, der dort seit sechs Jahren arbeitet (und uns mal einen sehr köstlichen Spezi-Cocktail erfunden hat), empfängt den Umschlag und ist gerührt. Seine Rührung drückt er in einem Instagram-Post aus. Der reumütige Country-Sänger aus Nashville, der seine Zeche geprellt hat, wird unser Held und Moralvorbild des Tages. 

Was ein bisschen seltsam ist. Weil wir ja niemals die ganzen braven Bürger, die von vornherein ihre Rechnung bezahlen, so feiern würden, wie den reumütigen Country-Sänger für seine Aktion, oder? Kein Zechpreller zu sein, ist eben auch keine Leistung. Ein geläuteter Zechpreller zu sein hingegen schon. Die Freude über das Gute im Menschen ist größer, wenn man weiß, dass es gegen das Arschloch im Menschen gewonnen hat.

Das Prinzip lernt man bereits in der Kindheit. Wer es sich verkneift Süßigkeiten aus der Dose auf dem Wohnzimmerschrank zu stehlen, erfährt dafür niemals ein Lob. Wer jedoch drei Cola-Lollis stiehlt und danach (ohne Aufforderung!) zu Mama läuft und es ihr beichtet, erwärmt mit so viel Aufrichtigkeit Mama's Herz  – und bekommt dafür im besten Falle gleich noch einen Belohnungs-Lolli in die Hand gedrückt.

Abgesehen davon, dass auch wir die Aktion von Charlie aus Nashville ziemlich cool finden, möchten wir heute also mal ein Lob aussprechen: An alle, die auch nach sechs "Schüssen" noch ihre Rechnung bezahlen. Einfach so. 

lmn

Mehr Bar-Geschichten: 

  • teilen
  • schließen