"Black Mirror" ist ein Mindfuck vom Feinsten

Eigentlich ist die Serie ja Satire - wäre darin nicht alles immer im Rahmen des Möglichen.
Von Charlotte Haunhorst
Black Mirror
Bild: Screenshot / Youtube

Die Serie:

Stell dir vor, du lebst in England. Stell dir vor, die Prinzessin des Königshauses wird entführt und nun sagt der Entführer auf Youtube: "Ihr kriegt sie nur lebend wieder, wenn euer Premierminister vor laufender Kamera ein Schwein fickt." Findest du das verwirrenderweise irgendwie vorstellbar, auch wenn es gleichzeitig sämtliche Gedankengänge verknotet? Sehr gut, denn dann ist dein Kopf im richtigen Stadium für Black Mirror

Die britische Serie spielt in Gesellschaften, die unserer sehr ähnlich sind, aber eben nicht ganz. Gesellschaften, in denen Leute sich auf Crosstrainern abstrampeln, um bei einer Casting-Show mitmachen zu dürfen. In denen Verstorbene dank künstlicher Intelligenz weiterhin auf Facebook mit dir kommunizieren und telefonieren können. In denen man mit einem Implantat alle Erinnerungen des eigenen Lebens speichern und beliebig abspielen kann. Alles Dinge, die nicht ganz unrealistisch sind. Jede Folge erzählt dabei eine in sich abgeschlossene Geschichte, wie bei einem guten Kurzgeschichtenbuch.

 

Wo findest du die Serie?

Ursprünglich wurde Black Mirror als Mini-Serie für den britischen Sender Channel 4 produziert, die erste Staffel 2011 hatte nur drei Folgen. Zwischendurch hat Netflix sich dann die Rechte gesichert, am 21. Oktober startet nun in Staffel drei – mit bereits sechs Folgen, wobei im Frühjahr direkt sechs weitere folgen, quasi eine Staffel vier. Alle Folgen findet man mittlerweile auf Netflix.  

 

Der Zeitaufwand:

Gering. Aktuell gibt es nur sechs Folgen à 45 Minuten plus eine 75-minütige Weihnachtsfolge, die sich fast wie ein richtiger Film anfühlt. In knapp sechs Stunden hat man alles gesehen. Es bleibt also noch genug Zeit zum Aufholen bis zum Staffelstart am Freitag – bei dem übrigens alle neuen Folgen gleichzeitig online gehen.

Wo du Zeit sparen kannst:

Muss man nicht, da Black Mirror sehr gut portionierbar ist. Hat man mal keine Lust mehr, schaut man eben was anderes und steigt später wieder ein. Jede Folge der Serie ist ja in sich abgeschlossen, also kann man auch jederzeit schlussmachen.

Wie kannst du das vor deinem Gewissen rechtfertigen?

Damit, dass du endlich mal wieder beim Serienschauen nachdenkst! Oft will man sich ja nur berieseln lassen, aber Black Mirror ist ein echter Mindfuck. Die Folgen bleiben einem noch tagelang im Kopf, man muss mit irgendjemandem darüber sprechen. Deshalb guter Tipp: Die Serie direkt mit jemandem gemeinsam ansehen, mit dem man sein Entsetzen danach teilen kann.

So fühlst du dich am Tag danach:

Verletzt. Black Mirror tut weh. Es stellt vieles, insbesondere unseren Umgang mit Technik, infrage. Klar, Überwachungsstaat und das alles haben wir schon mal gehört.  Aber unser aktuelles Verhalten wird sich auf unsere Zukunft auswirken und da müssen wir uns alle mal die Frage stellen: Wie wollen wir leben?

Und jetzt?

Gute Frage. Konsequent wäre: Alle Streamingdienste abbestellen. Mit den Menschen, die man liebt, in einen Leuchtturm ziehen oder in die Wildnis - irgendwohin, wo all diese schrecklichen Szenarien einen nicht finden können. 1984 von George Orwell oder Brave New World von Aldous Huxley mal wieder lesen. Aber, seien wir ehrlich: Danach schreibt man erst mal Freunden über Whatsapp, wie krass das eigentlich war und sucht sich eine neue Serie. Wer weiter bei Dystopien bleiben will, könnte es mit The man in the high castle versuchen, das in einer Welt spielt, in der Deutschland den zweiten Weltkrieg gewonnen hat. 

 

Mehr Mindfuck? 

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