Wer Trump-Wähler verstehen will, muss „Eastbound and Down“ anschauen

Rednecks verstehen für Anfänger.
Von Christina Waechter

Die Serie:

Wer sind eigentlich diese Trump-Anhänger, die diesem orangefarbenen Typen folgen, auf seinen Wahlkampfveranstaltungen rassistische Parolen plärren, während sie sich literweise Billigbier in den Hals schütten? Und was haben die bitteschön an? Und woher kommt deren durch nichts zu erschütternde Selbstbewusstsein? 

Wer Donald Trumps Anhänger besser verstehen möchte, könnte mit Kenny „Fucking“ Powers einen Zugang zu diesen Bevölkerungs-Schichten finden. Denn Powers ist das vielleicht beste Denkmal, das die Popkultur den Power-Jet fahrenden Rednecks und Hillbillys gesetzt hat – die Serie versteht diese Menschen, die sich abgehängt fühlen und nicht verstehen, was dieser ganze Mist mit Frauenrechten, Minderheiten und politisch korrekter Sprache eigentlich soll. Und es sind genau solche Menschen, die sehr bald über die Zukunft Amerikas und der Welt entscheiden werden.  

Kenny Powers (Danny McBride) steckt in der fiesesten sportlichen Abwärtsspirale seit Lothar Matthäus’ Trainerkarriere.

Vor gar nicht allzu langer Zeit galt der Baseball-Profi als Hoffnung seines Sports, hatte millionenschwere Werbedeals, einen ebenso lukrativen Vertrag beim besten Verein und war berühmt für seine mörderisch schnelle Wurfhand. Aber all das ist jetzt vorbei, denn Kenny „Fuckin’“ Powers ist – man kann es nicht anders sagen – ein riesiger Riesenidiot, dem sein Ruhm erst in die Eier und dann zu Kopfe stieg. Statt zu trainieren, hing er lieber mit leichtbekleideten Groupies ab, nahm Drogen und versuchte seine mangelnde Fitness durch Steroide und andere „Performance enhancer“ auszugleichen. Was seine eh nicht besonders einnehmende Persönlichkeit noch durch ein massives Aggressions-Problem ergänzt. Und so – einige beschissene Jahre später – landet er wieder in der öden Kleinstadt Shelby in North Carolina, aus der es Jahre zuvor herausgeschafft hatte, und wird Sportlehrer an seiner alten High School.

Das Gute ist: An diesem Ort ist der Name Kenny Powers noch was wert und es gibt tatsächlich Menschen, die sich von seiner Anwesenheit geehrt fühlen. Sein ehemaliger Schulkamerad Stevie Janowski zum Beispiel, der sich freiwillig zu Powers Fußabtreter macht, solange der nur ein bisschen Zeit mit ihm verbringt. Auch sein ehemaliges High School-Sweethart April Buchanan hegt immer noch gewisse Gefühle für Kenny Powers, was dieser natürlich sofort schamlos ausnutzt.

Doch das eigentliche Ziel des Mannes ist die Rückkehr an die Spitze der Sportwelt. Darunter macht er es nämlich nicht, auch wenn ihm jeder vernünftige Mensch sagen würde, dass seine Pläne absolut unrealistisch sind.

Wo findest du die Serie?

 Auf Amazon Video und auf DVD.

Der Zeitaufwand:

Insgesamt hat die Serie über vier Staffeln nur 29 Folgen, die wiederum jeweils eine knappe halbe Stunde dauern. Du schaffst also alle vier Staffeln locker an einem Wochenende.

Wo du Zeit sparen kannst:

Wie fast jede noch so großartige Comedy-Serie hat auch „Eastbound and Down“ in Staffel zwei einen kleinen Durchhänger. Wenn du also unbedingt Zeit sparen musst, kannst du auf Kenny Powers Ausflug nach Mexiko am ehesten verzichten – obwohl du dann nie den furchterregendsten kleinwüchsigen Gangster aller Zeiten erleben würdest und auf Kennys unerträglichen „unabsichtlichen“ Rassismus verzichten müsstest. 

Wie kannst du das vor deinem Gewissen rechtfertigen?

"Eastbound and Down" ist bisweilen schwer zu ertragen, weil Kenny Powers so ein unfassbar selbstverliebter Volltrottel ist. Und auch der Rest des Serien-Personals besteht nicht aus ausgemachten Sympathie-Trägern. Und doch ist die Serie eine der lustigsten der vergangenen Jahre, was unter anderem die imposante Liste der Gast-Auftritte zeigt: Ken Marino (Party Down), Tim Heidecker (Tim and Eric), Matthew McConaughey, Don Johnson, Ike Barinholtz (MadTV), Adam Scott (Parks and Recreation) und Jason Sudeikis (SNL, 30 Rock) haben alle längere Auftritte in den einzelnen Staffeln. Will Ferrell, der die Serie auch produziert hat, hat die vielleicht eindrucksvollste Gastrolle als bizarrer Autohaus-Besitzer Ashley Schaeffer, berühmt für seine luxuriösen Gebrauchtwagen: 

Vor allem aber ist „Eastbound and Down“ eine Tour de Force für Hauptdarsteller, Autor und Regisseur Danny McBride. Der spielt diesen Kenny Powers so, dass man ständig Gefahr läuft, ihn mit diesem schrecklichen Typen zu identifizieren: Er ist laut, nervig, arrogant, idiotisch, anti-intellektuell, ein absoluter Anti-Held. 

 

Doch unter der teilweise geradezu unerträglich schrecklichen Oberfläche geht es in „Eastbound and Down“ vor allem ums Scheitern. Um Menschen, die das Richtige wollen, aber das Falsche tun. Und sogar dann scheitern, wenn sie das Falsche tun wollen.   

 

So fühlst du dich am Tag danach:

Du bist Kenny „Fucking“ Powers aka „The People’s Chamion“, aka „The Reverse Apache Master“, aka „The Man with the Golden Dick“, aka „Doctor Cock & Balls“, aka „The Bulletproof Tiger“, aka „La Flama Blanca“, aka „The Bulletproof Tiger“! (Du solltest ein bisschen auf dich aufpassen)

 

Und jetzt?

Besorgst du dir die neue Serie der "Eastbound and Down"-Macher: "Vice Principals".   

 

 

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