Mal gefragt, was deine Mutter arbeitet?

Vielleicht ist sie beim Geheimdienst. Wie in der Serie "The Americans". Eine Anleitung zum Binge-Watching.
Von Charlotte Haunhorst

Die Serie

Auf den ersten Blick sind Elizabeth und Philip Jennings  (Keri Russel und Matthew Rhys) ein ganz normales amerikanisches Vorstadtpaar. Zwei Kinder, Haus im Vorort von Washington D.C. und Klamotten, wie man sie eben in den Achtzigern, in denen die Serie spielt, trug. Wäre da nicht die Tatsache, dass sie nachts Perücken aufsetzen, Menschen töten und diese dann in Kofferräume verladen. Oder halt ihre Zweit- und Drittpartner besuchen. Denn eigentlich sind Elizabeth und Philip Jennings KGB-Spione namens Nadezhda und Misha, die sich seit 20 Jahren eine Identität als perfekte Amerikaner aufgebaut haben.

Bedeutet: Auch ihre Kinder Paige und Henry wissen nichts von ihrem Job und denken, Papa und Mama arbeiten im Reisebüro – ja, auch nachts. Das kann natürlich langfristig nicht gutgehen, insbesondere als im Nachbarhaus Stan Beeman, FBI-Mitarbeiter im Bereich der Spionageabwehr, einzieht. Erschwerend kommt hinzu, dass Philip das Leben in den USA immer besser gefällt und die Aussicht, irgendwann in die – in der Serie doch sehr auf grau gedrehte – Sowjetunion zurückzukehren, gar nicht mehr so sexy wirkt. Elizabeth sieht das allerdings völlig anders – sie macht das alles ja „für die Sache“.

Wo findest du die Serie?

Ursprünglich lief sie auf dem US-Pay-TV-Sender FX, in Deutschland bekommt man alle Staffeln kostenpflichtig bei Amazon, die erste auch auf Netflix.  Gute Sache: Die aktuelle vierte Staffel gibt es direkt am Tag der US-Ausstrahlung OmU auf Amazon.

Der Zeitaufwand

Aktuell gibt es drei Staffeln à 13 Folgen, wobei eine Folge 44 Minuten lang ist (nur der Pilot dauerte 69 Minuten). Von der vierten Staffel lief diese Woche Folge drei – macht also insgesamt 41 Stunden Serienerlebnis und diese Zahl wächst von Woche zu Woche. „The Americans“ ist damit mehr als ein Wochendprojekt.  

Wo du Zeit sparen kannst

Beim Vorspanngedudel, klar – das dauert allerdings auch nur 30 Sekunden. Ansonsten ist das Erzähltempo der Serie jetzt nicht gerade rasend, allerdings baut schon alles aufeinander auf. Wenn man also ganze Folgen überspringt, kann es passieren, dass man ausgerechnet den einen zentralen Mord verpasst und nix mehr checkt. Dann lieber beim Handlungsstrang mit Martha, Philips unwissender Zweitfrau, spulen.  Die nervt nämlich oft in ihrer Arglosigkeit.

Womit kannst du das vor deinem Gewissen rechtfertigen?

Mit historischer Bildung, ist doch klar! Tatsächlich schrammt „The Americans“ an jedem politischen Ereignis des kalten Krieges entlang und das oft aus US- und Sowjetperspektive. Wettrüsten, Reagan, Bürgerrechtsbewegung – alles Themen, die man irgendwann im Geschichtsunterricht mal hatte und die so wieder aufgefrischt werden. Außerdem macht es Spaß, die Klamotten von damals anzuschauen und zu merken, dass Mama wirklich recht hatte, als sie sagte: „Die Trends von früher kommen alle wieder.“ Oh, und eine Folge spielt sogar in Berlin. Und da sagt man ja immer gern „Da! Das kenn ich!“.

So fühlst du dich am Tag danach

Skeptisch, weil: Vielleicht sind die Menschen in deinem Leben gar nicht das, was sie vorgeben zu sein. Warum studiert dein einer Kumpel seit 20 Semestern? Ist er vielleicht insgeheim beim BND? Und wo war eigentlich deine Mutter letzte Woche? Im Urlaub?? Und warum hast du davon noch keine Bilder gesehen???

 

Und jetzt?

Gibt es zwei Varianten: Weiter auf dem Nostalgie-Trip bleiben, wofür sich natürlich eine liebevoll ausstaffierte Retroserie wie „Mad Men“ eignet – die spielt in einer Werbeagentur in den 60er-Jahren. Oder stärker auf Spionageserien schwenken. Da gäbe es zum Beispiel „Alias – die Agentin“ mit Jennifer Garner oder „Homeland“ mit Claire Danes als psychisch angeschlagene  CIA-Agentin. Wer nochmal beides, also Nostalgie und Spionage, kombinieren will: In „Deutschland 83“ spielt Jonas Nay einen Mitarbeiter des Auslandsgeheimdienstes HVA, der undercover in Westdeutschland ermitteln muss. Quasi „The Americans“ in klein.

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