Ein paar Gründe, nicht nach New York zu wollen

Gibt es in der Serie "2 Broke Girls", die zwar derb ist, aber auch als Gentrifizierungskritik gesehen werden kann. Eine Anleitung zum Binge-Watching.
Von Franziska Schwarz
cover binge watch two broke girls cbs

Die Serie

Die zwei Frauen Anfang Zwanzig, Max und Caroline, enden miteinander in einer Wohngemeinschaft, weil der Wohnraum in New York knapp und teuer ist. Genauer gesagt, sie enden miteinander in dieser ranzigen Wohnung in Brooklyn, weil Carolines Vater halb New York um sein Geld betrogen hat, deshalb jetzt im Knast sitzt und das gesamte Vermögen von Carolines Familie konfisziert wurde.

Caroline ist also von heute auf morgen von einer Milliardärs-Tochter zu einer Tochter geworden, die nichts mehr hat, außer dem einen Paar Louboutins und ihrem Reitpferd.

Man muss Carolines Vorgeschichte so ausführlich schildern, weil Max ganz anders ist: Sie hatte immer nur Gelegenheitsjobs und kannte bislang nichts als Sozialbauten. Sie nimmt Caroline in ihrer WG auf und verschafft ihr einen Job in dem ranzigen Diner, in dem sie arbeitet. Die beiden entschließen sich in der ersten Folge dazu, statt bis in alle Ewigkeit nur zu kellnern, gemeinsam eine Cupcake-Bäckerei aufzubauen.

Die beiden kämpfen meist mit Misslichkeiten: Wie kaufe ich mit Rabatt-Coupons ein? Wie schaffe ich es im Winter, dass das Pferd im Hinterhof in Brooklyn nicht erfriert? Und soll ich wegen meines Herpes auswandern oder mich nicht so anstellen? Und Folge für Folge: Wo kommt die Miete her?

 

An "2 Broke Girls" scheiden sich die Geister: All die Sex-Witze und Stereotypen ärgern viele Kritiker. Als Sidekicks fungieren nämlich so ziemlich alle Klischees über New York, die einem spontan einfallen: der ukrainische Diner-Koch, der nur an Sex denkt, der schwarze Kassierer, der 1970er-Jahre-Hemden aus Polyester trägt und alles über Jazz weiß, oder die polnische Putzfrau in Glitzer.

 

Allerdings: Die Klischee-Typen verhalten sich alle irgendwann so, wie man es von Klischee-Typen eben nicht erwarten würde. Deshalb ist "2 Broke Girls" progressiver, als man nach der ersten Folge denkt. Im Laufe der Serie bekommt jeder mal die Gelegenheit, sich entweder komplett verbohrt zu benehmen oder auch mal etwas Heldenhaftes zu tun.

 

Bemerkenswert an "2 Broke Girls" ist, dass Männer nur am Rande eine Rolle spielen und es hauptsächlich um die Freundschaft dieser zwei ungleichen Frauen geht. Caroline und Max wollen sich meist keinen Zentimeter von dem wegbewegen, was sie gewohnt sind – müssen sie aber, wenn sie in Brooklyn nicht untergehen wollen. Klassisches Sitcom-Motiv. Und Caroline, die vermeintliche Tussi, und Max, das street-wise Mädchen (Klischee!) werden von Beth Behrs und Kat Dennings ziemlich charmant gespielt.

 

Wo findest du die Serie?

Auf iTunes, Netflix, Amazon Video, Pro Sieben oder DVD.

 

Der Zeitaufwand:

Jede Folge dauert etwa 22 Minuten, bei bisher 116 Folgen seit 2011 (gerade läuft in den USA Staffel fünf) sind das etwa 42 Stunden reine Laufzeit. Wenn du zwischendrin mal schlafen willst, brauchst du also etwa dreieinhalb Tage. 

 

Wo du Zeit sparen kannst:

Nicht beim Vorspann, weil der immer eine Anekdote enthält. Vorspulen sollte man aber in Folge 53, in der sich jemand in die Hosen scheisst - dafür ist das Fernsehen vielleicht noch nicht bereit. Obwohl, kam ja auch schon in "Brautalarm" (2011) vor.

 

Womit kannst du das vor deinem Gewissen rechtfertigen?

"2 Broke Girls" ist im Grunde Gentrifzierungskritik, und macht sich über alle lustig, die sich aus den falschen Gründen in das als hip geltende Viertel von New York sehnen. Brooklyn sieht in der Serie deshalb eher so aus: Kakerlaken, Nachbarslärm und Obdachlose. Zwar laufen auch dauernd schöne Menschen durchs Bild, doch sie haben Probleme, von denen Kellnerinnen nur träumen können: Sie stehen Schlange für Dinge wie "Cronuts", erscheinen nicht zum Praktikum, weil der Wagen leider nicht ansprang und vermissen in dem angemieteten Zimmerchen die Klimaanlage. Vor allem zeigen sie oft wenig Entgegenkommen für das Personal, das ihnen gerade ihre Fritten serviert. Für Max und Caroline also.

 

Die Kellnerinnen wiederum schlagen sich mit Möchtegern-Comedians, Wahrsagerinnen und rücksichtslosen Straßenkünstlern herum, auch die leben in Brooklyn. Und auch deshalb sollte man wohl aufhören, jede Serie, die von Frauen in New York handelt, mit "Sex and the City" zu vergleichen. "2 Broke Girls" hat zwar den gleichen Produzenten (Michael Patrick King), ist aber ganz anders. 

 

So fühlst du dich am Tag danach:

Du findest sogar den Fön zu laut, weil "2 Broke Girls" eine Lachspur enthält und ausnahmslos jeder mit einer überakzentuierten Stimme spricht. Aber du freust dich, dass in deiner ranzigen, aber nicht gerade günstigen Wohnung - anders als in Brooklyn - zumindest die Dusche funktioniert.

 

Und jetzt?

Es gab schonmal eine Serie, in der sich zwei Frauen eine WG teilten, sie liegt aber schon eine Weile zurück. Von 1976 bis 1983 lief in den USA "Laverne & Shirley”" und die beiden Frauen waren ganz ähnlich gepolt wie Caroline und Max: die eine war eine Frohnatur, die andere nicht auf den Mund gefallen. Beide verdingten sich mit kleinen Jobs und waren ansonsten mit dem Üblichen beschäftigt: schusseligen Nachbarn, gierigen Vermietern, und der Angst, ungewollt schwanger zu werden.

 

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