Dortmunder nehmen Monaco-Fans auf

Unter #bedforawayfans zeigen die Menschen, was wirklich wichtig ist im Leben. Wir sprachen mit ein paar von ihnen.
Von Max Sprick
Foto: Renke Reichler

Kurz nachdem das Champions League Viertefinal-Spiel zwischen Borussia Dortmund und AS Monaco gestern Abend abgesagt wurde, trendete ein Hashtag in den sozialen Medien: #bedforawayfans. Spontan boten etliche Dortmunder an, gestrandete Fans aus Frankreich bei sich aufzunehmen:

Zouhir und seine Freunde nahmen eines dieser Angebote dankend an. Die fünf jungen Fans kommen aus Lille, aus dem Norden Frankreichs. Fünf Stunden sind sie mit dem Auto gefahren, um das Spiel zu sehen. "Wir sind um 20 Uhr am Stadion angekommen und haben uns gewundert, dass da so wenig los war", erzählt Zouhir am Tag danach am Telefon. Er und seine Freunde erlebten die besondere Stadion-Atmosphäre nicht, weil auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund mutmaßlich ein Anschlag verübt wurde.

"Das haben uns deutsche Fans ein paar Minuten nach unserer Ankunft erzählt, wir wussten bis dahin nichts von den Explosionen", sagt Zouhir. Um halb neun wurde das Spiel abgesagt. Der Franzose und seine Freunde beschlossen, über Nacht in Dortmund zu bleiben. "Wir haben Hostels gesucht, aber auf die Schnelle keine gefunden. Dann haben wir Twitter gecheckt, um uns die Zeit zu vertreiben und auf neue Infos zu warten." Dort entdeckte Zouhir dann den Tweet von Renke Reichler und seiner Ehefrau. Die beiden wohnen nicht weit vom Stadion entfernt und boten vier Schlafplätze bei sich an.

"Ist doch selbstverständlich, wenn wir irgendwo im Ausland gestrandet wären, hätten wir ja auch eine Übernachtungsmöglichkeit gesucht", sagt Reichler. 15 Minuten, nachdem sie ihren Tweet gepostet hatten, standen Zouhir und seine Kumpels vor der Tür. "Wir wollten ihnen klassisch ein Bier zur Begrüßung anbieten, aber sie sind Moslems und trinken nichts." Das Eis war dadurch trotzdem schnell gebrochen. Bis spät in die Nacht redeten die bis dato sich völlig unbekannten Menschen über alles mögliche - "nur irgendwie gar nicht über Fußball". Die fünf quetschten sich auf die vier Sofa-Plätze und schliefen aus. Nachdem sie ihre Chefs angerufen hatten. "Wir mussten uns ja für den heutigen Arbeitstag abmelden", sagt Zouhir. Die Chefs reagierten verständnisvoll, "sie sagten nur, dass wir auf uns aufpassen sollen." Zouhir und seine Kumpels haben das Dortmunder Ehepaar nun als Dankeschön zu sich nach Lille eingeladen.  

Wie Münchner nach einem Amoklauf reagieren:

  • teilen
  • schließen