Das ist: Moritz Krawinkel, dessen Onkel 100 000 Euro an die Thüringer AfD gespendet hat

Gemeinsam mit seiner Familie will er nun die gleiche Summe für antifaschistische Projekte aufbringen.
Von Charlotte Haunhorst

Moritz Krawinkel, 36, wohnt in Frankfurt. Zu seinem Onkel zweiten Grades, Christian Krawinkel hatte er noch nie Kontakt.

Foto: privat

Das ist ...

... Moritz Krawinkel, 36 Jahre alt, aus Frankfurt am Main, Mitarbeiter in der Öffentlichkeitsarbeit einer Menschenrechtsorganisation.

Der kann ...

... eigentlich nichts für seinen Nachnamen. Den teilt er nämlich mit dem Unternehmer Christian Krawinkel. Der hat wiederum im Februar 100 000 Euro an die Thüringer AfD gespendet – also jenen Landesverband, der unter Björn Höcke kurzzeitig Thomas Kemmerich von der FDP als Ministerpräsident ins Amt gehoben und damit Empörung ausgelöst hat. Christian Krawinkel ist Moritz’ Onkel zweiten Grades, die beiden haben sich allerdings noch nie persönlich getroffen

Der kommt ...

... wie auch der Rest seiner Familie eigentlich aus einer ganz anderen politischen Richtung: Moritz setzt sich gegen Faschismus und Rassismus ein, vor der Geburt seines zweiten Kindes war er nach eigenen Angaben bei der Antifa aktiv. Als Moritz’ Bruder in der gemeinsamen Familien-Whatsapp-Gruppe die Info teilte, dass besagter Onkel an die Höcke-AfD gespendet hat, habe die Familie vor allem „Abscheu“ empfunden, erzählt Moritz am Telefon gegenüber jetzt: „Die Spende wäre bei jedem Landesverband ein Riesenproblem gewesen. Aber dass das Geld so explizit an den Faschisten Höcke ging, machte es noch drastischer"“

Der geht ...

... gemeinsam mit seiner Familie jetzt einen eigenen Weg des Widerstands gegen rechts: Nachdem er sich am 11. Februar in einem Tweet von der Spende seines Onkels zweiten Grades distanzierte und darauf viele positive Reaktionen erhielt, entstand mit Freunden und Familie die Idee einer eigenen Spendenaktion: „Wir dachten: Wenn unser Name eh schon in den Medien ist, können wir den auch nutzen. Um tatsächlich das Gegenteil von dem zu unterstützen, was unser Onkel mit seiner Spende wollte.” Gemeinsam mit seiner Familie sammelt Moritz’ auf der Plattform Leetchi unter dem Titel „100.000 Euro gegen die AfD“ Geld für den Verein „Polylux e.V.“. Dieser unterstützt antifaschistische und antirassistische Initiativen und Projekte in Ostdeutschland. Innerhalb von 48 Stunden kamen auf der Plattform Leetchi bereits 42 000 Euro zusammen – auch weil Prominente wie Jan Böhmermann die Aktion auf Twitter teilten und selbst spendeten.

Daraus lernen wir ...

..., dass Geschichten wie die von Moritz trotz der Vielzahl an Online-Spendenkampagnen die Menschen bewegen. Er selbst sagt: „Am Anfang habe ich gedacht: Ja klar, 100 000 Euro, das ist machbar. Aber als es dann wirklich losging, wurde mir klar, wie viel Geld das eigentlich ist und dass so etwas lange dauern kann. Insofern ist es toll, dass sich bereits über 800 Leute beteiligt haben. Leute, die alle sagen: Wir möchten antifaschistische Strukturen im Osten unterstützen. Das ist doch großartig!"

Nur Google weiß ...

..., dass es auch Kritik daran gibt, dass Moritz und seine Familie ein Projekt ausgewählt haben, das sich auf Projekte in Ostdeutschland beschränkt. So schrieb beispielsweise Funk-Host und Ex-AfD-Mitglied Franziska Schreiber auf Twitter, rechte Hetze und rechte Netzwerke seien gesamtgesellschaftliche Probleme, die man nicht nur auf den Osten projizieren dürfe. Moritz sagt dazu „Es ist überhaupt nicht unser Anliegen zu sagen, das sei ein Ostproblem. Auch im Westen gibt es gefährliche Neonazi-Gruppen. Dadurch, dass besagte Spende an die AfD Thüringen, erschien uns Polylux mit seinem Fokus auf Projekte im Osten nur einfach passend wie die Faust aufs Auge."

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