„AKK konnte die Partei nicht zusammenhalten“

Was Mitglieder der Jungen Union über Annegret Kramp-Karrenbauers angekündigten Rücktritt denken.
Protokolle von Sophie Aschenbrenner und Niko Kappel
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Foto: privat, Nicola Gehringer; Bearbeitung: jetzt

Annegret Kramp-Karrenbauer hat am Montagmorgen angekündigt, als CDU-Parteivorsitzende zurücktreten zu wollen, ebenso schließe sie eine Kandidatur fürs Amt der Kanzlerin aus. Für viele, auch für Parteimitglieder, kam das überraschend. Einige erklären sich die Entscheidung allerdings durch das politische Fiasko in Thüringens Landtag vergangene Woche. Dort hatten CDU-Mitglieder entgegen AKKs Empfehlung den FDPler Thomas Kemmerich zum Ministerpräsidenten gewählt – genau wie die AfD. 24 Stunden später trat er zurück. War AKKs Entscheidung nun wirklich nötig? Oder ein Fehler? Wie soll es nun weitergehen mit der CDU? Über all diese Fragen haben wir mit Mitgliedern der Jungen Union gesprochen.

„AKK hat ständig unnötig Konflikte aufgerissen“

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Foto: privat

Marcel Eder, 25, Vorstand Junge Union Reutlingen 

„Ich war sehr überrascht von AKKs Rücktritt. Nach der dubiosen Wahl Kemmerichs in Thüringen dachte ich, dass der Parteivorstand sich jetzt erst mal darum kümmert, dass die Partei wieder eine geschlossene Meinung vertritt. Aber jetzt haben wir schon wieder Personalprobleme, die man erst lösen muss. Ich war nie harter Gegner von Annegret Kramp-Karrenbauer, obwohl ich bei der Abstimmung zum Vorsitzenden Friedrich Merz unterstützt hätte. Sie wurde demokratisch gewählt und deshalb war ich der Meinung, wir sollten ihr eine Chance geben. Nun hat sich aber gezeigt, dass sie die Partei nicht einen kann. 

Sie ist echt in jedes Fettnäpfchen reingetreten. AKK hat ständig unnötig Konflikte aufgerissen, wie beispielsweise durch ihren Wechsel ins Kabinett als Verteidigungsministerin. Sie sagte ja zuvor, sie werde nicht in die Regierung gehen. Ihr Auftreten nach dem Rezo-Video war auch falsch. Sie sagte damals, man müsse über eine Zensur von Youtube nachdenken. So was geht gar nicht.

Deshalb finde ich richtig, dass sie zurückgetreten ist. Ihr Rückzug ist sehr mutig und selbstlos. Denn wir hätten mit AKK niemals stark in die Bundestagswahl gehen können. Wir müssen jetzt als Partei schauen, dass wir ein starkes Zugpferd kriegen. Mir wäre Friedrich Merz immer noch am liebsten. Ich bin mir sicher, dass er die Werte der CDU besser transportieren kann als Kramp-Karrenbauer. Sie verdient aber trotzdem meinen Respekt. Denn so selbstlose Entscheidungen sind für Politiker heute nicht normal.“

„Wie soll sie so eine Kanzlerkandidatur führen?”

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Ann-Cathrin Simon, 23, Vorstand Junge Union Rems-Murr

„In allen Whatsapp-Gruppen, in denen ich wegen der CDU bin, wurde der Rücktritt heute morgen schon heiß diskutiert, es gibt viele unterschiedliche Meinungen dazu. Daran sieht man, wie umstritten AKK auch bei uns in der Partei ist. Ich habe nicht mit dem Rücktritt gerechnet, finde ihn aber mutig und gut. In den letzten Monaten ist zu viel passiert, sie hätte nicht einfach so weitermachen können. 

Ich will nicht, dass es bei uns jetzt monatelang um Personalfragen geht, so wie bei der SPD. Unser Problem in der CDU hängt nicht mit einzelnen Personen zusammen, sondern damit, dass wir uns nicht auf Inhalte einigen können. AKK konnte die Partei nicht zusammenhalten. Dass es nach Thüringen erst ein Statement der Kanzlerin aus Afrika gebraucht hat, um die Landtagsfraktion dort umzustimmen, zeigt doch, dass sie die Partei nicht im Griff hatte. Wie soll sie so eine Kanzlerkandidatur führen? 

Vor allem junge Leute konnte AKK nicht erreichen. Wir als CDU müssen für Leute in meinem Alter wieder attraktiv werden. Ich muss mich bei meinen Freunden immer dafür verteidigen, dass ich als junge Frau in der CDU bin. Das zeigt doch, dass einiges falsch läuft, oder? Ich glaube nämlich, dass wir sehr wohl gute, werteorientierte Politik machen können, die auch für junge Leute attraktiv ist. Es braucht aber auch eine Parteiführung, die das vermitteln kann.“

„Für die CDU ist es jetzt wichtig, dass wir nicht monatelang durchhängen“

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Foto: Nicola Gehringer

 Christian Doleschal, 31, Landesvorsitzender der JU Bayern

„Ich war sehr überrascht heute früh, aber ich nehme die Entscheidung von Annegret Kramp-Karrenbauer mit Respekt an. Ich bin sehr gespannt, was in den kommenden Tagen passieren wird. Mir ist wichtig, dass es jetzt zügig Entscheidungen gibt, gleichzeitig aber nichts überstürzt wird. Die CDU steckt insgesamt gerade in einem großen Dilemma, das hat man auch in der vergangenen Woche in Thüringen gemerkt. Wir werden niemals mit der AfD zusammenarbeiten, wollen aber auch nicht mit der Linken koalieren. In Thüringen bringt das die CDU gerade in eine sehr schwierige Position. 

Ich finde es richtig, dass Kemmerich nach der Wahl zum Ministerpräsidenten wieder zurückgetreten ist. Meiner Meinung nach hätte er die Wahl gar nicht annehmen dürfen. Für die CDU ist es jetzt wichtig, dass wir nicht monatelang durchhängen und uns mit Personalfragen beschäftigen. Wir brauchen schnell Klarheit. Ich wünsche mir, dass das eine Teamleistung wird und dass viele frische, junge Köpfe kommen, sodass sich vielleicht auch im Kabinett etwas ändert. Wir brauchen einen Aufbruch. Und dann müssen wir uns wieder darauf konzentrieren, auf Bundesebene gemeinsam mit der SPD zu regieren. Wir sind eine Partei der Vernunft.“

„Am Ende müssen wir die Konsequenzen tragen“

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Foto: privat

Philipp Heißner, 31, ist Landesvorsitzender der JU Hamburg

„Ich denke, dass es für die Partei grundsätzlich gut ist, wenn Parteivorsitz und Kanzlerkandidatur in einer Hand liegen. Das hat sich bewährt, ist aber auch kein Muss. Was den Bundesvorsitz betrifft, finde ich, dass Jens Spahn ein guter Kandidat wäre. Auch Friedrich Merz wäre dafür gut geeignet, zumal er in Umfragen sehr beliebt ist. Wenn die AfD jetzt mit Häme feiert, dass AKK ihren Rückzug angekündigt hat, ist das meiner Meinung nach nur ein weiterer Akt im demokratieverachtenden Schauspiel, das diese Partei derzeit aufführt. Wir dürfen deren Spiel nicht mitspielen.

Deshalb wäre es wirklich dumm, parteiinterne Entscheidungen in der CDU, wie den Rücktritt der Bundesvorsitzenden, von der Reaktion der AfD abhängig zu machen. Ich persönlich habe tiefen Respekt vor jemandem, der in so einem wichtigen Amt ist und entscheidet, zurückzutreten, weil das für die Partei das beste ist. Was in Thüringen passiert ist und die Reaktionen darauf waren für uns im Wahlkampf ein Schock. Wir haben in Hamburg Ende Februar Bürgerschaftswahl und gerade wir von der Jungen Union haben natürlich auch mitbekommen, wie die Menschen darauf reagiert haben.

Am Ende müssen möglicherweise wir in Hamburg die Konsequenzen für das Chaos in der CDU in den letzten Tagen tragen. Ich denke aber, dass die meisten Wähler schon klug genug sind, zu verstehen, dass die Dinge in Thüringen und Berlin mit uns in Hamburg letztlich sehr wenig zu tun haben.“

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