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Das ist... Ronya Othmann, neuer Literaturstar mit kurdisch-jesidischen Wurzeln

Sie fragt sich: Soll ich in die Heimat meines Vaters gehen und kämpfen?
Von Josa Mania-Schlegel
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    Foto: Paula Kittelmann

Das ist…

Ronya Othmann, Jahrgang 1993, Studentin am Leipziger Literaturinstitut und wahrscheinlich bald ein Literaturstar. Warum? Othmann räumt gerade so ziemlich jeden Literaturpreis ab: MDR-Literaturpreis, Caroline-Schlegel-Förderpreis, Open Mike. Und bald erscheinen ihre beiden ersten Bücher.

Die kommt…

aus der Oberpfalz und hat einen kurdisch-jesidischen Vater. Als sie noch zu Hause in Mintraching bei Regensburg wohnte, erzählte er ihr beim Abendessen oft von der kurdischen Heimat, von seiner Vertreibung, und von der Flucht nach Deutschland. Zum Beispiel, wie sich die bäuerliche Familie einmal mit Traktoren dem bewaffneten Militär entgegenstellte. Irgendwann fing Ronya Othmann an, die Geschichten ihres Vaters heimlich mitzuschneiden. Jetzt verarbeitet sie die Aufnahmen in ihrem Debütroman Leyla, der bald erscheint. Die gleichnamige Hauptfigur ist die Tochter eines Geflüchteten, die darüber nachdenkt, in ihre Heimat zurückzukehren, um dort für ihr Land zu kämpfen. „Seit einigen Jahren stelle ich mir selbst diese Frage“, sagt Othmann. „Eigentlich könnte ich auch Leyla sein.“

Die kann…

auch Gedichte schreiben. Neben Leyla arbeitet Othmann auch noch an ihrem ersten Gedichtband. Die Gedichte handeln aber von anderen Themen. Für ihren Auftritt auf der Digitalmesse Republica schrieb sie vor zwei Wochen beispielsweise einige queere Liebesgedichte.

Die geht…

jetzt zum Glück doch nicht nach Kurdistan, um zu kämpfen. Zum einen, weil sie sich als Deutsche damit strafbar machen könnte. Zum anderen, weil der Kurdenpräsident Barzani einmal sagte: „Soldaten habe ich genug, kämpft lieber mit dem Wort.“ Das macht Othmann nun. Auch, weil sie findet, dass der Krieg der Kurden in Deutschland zu wenig Aufmerksamkeit bekommt. „Ich glaube aber, dass diese Tragödien längst auch deutsche Geschichte sind“, sagt sie. „Immerhin fahren gerade deutsche Panzer durch Afrin.“

Daraus lernen wir… 

dass man der Forderung, man sollte besorgten Bürgern mehr zuhören (wie sie zur Zeit oft aus der Politik kommt) ergänzen müsste: Man sollte Migranten und deren Nachkommen mehr zuhören. „Wer aus einer Diktatur kommt, der bringt Geschichten mit“, sagt Othmann. Und, wer weiß, gehören diese Geschichten nicht auch zur deutschen Geschichte?

Nur Google weiß…

dass Ronya Othmann als @officialronny1 ziemlich gute Instagram-Storys abfeuert. Lyrik und Instagram, vielleicht ihre beiden Lieblingsdinge: weil es beides fremde Welten sind, mit eigenen Regeln. „Weil man dort Dinge sagen kann, die man sonst nicht so sagen würde“, meint Othmann. „Lyrik würde sich nicht in ein Gespräch übersetzen lassen, Instagram auch nicht.“

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