Das ist: Chris Ares, nationalistischer Rapper und friedliebender Patriot

Der anscheinend gerne mal zuschlägt.
Aus der jetzt-Redaktion
Foto: Screenshot aus Video

Das ist... 

... Chris Ares, Rapper mit Verbindungen zu rechten Gruppierungen, der sich der Öffentlichkeit als friedliebender Patriot präsentiert. Außer, wenn er gerade andere bedroht, beleidigt oder attackiert. Ares ist einer der wichtigeren Vertreter einer immer einflussreicheren Subkultur: Deutschrap mit nationalistischem Habitus und Inhalt. Bisher sind vor allem Rockbands wie Frei.Wild für nationalistische Texte bekannt. Zuletzt erregte aber auch der selbst ernannte "NS-Rapper" Makss Damage mit Zeilen wie "Ich leite Giftgas lyrisch in Siedlungen, die jüdisch sind" größere Aufmerksamkeit. Chris Ares ist nun auch deshalb ein auffälliger Vertreter dieser Szene, die sich seit den 2000ern entwickelt, weil er im Gegensatz zu vielen anderen tatsächlich das hat, was man "Skills" nennen würde. Er kann also tatsächlich ziemlich manierlich rappen. Was ihn (für junge Menschen) eben so reizvoll macht.

Eine Vorreiterrolle der Bewegung nahm Fler ein, der sich über sein Image als "der Deutsche" gerne als Außenseiter in der Rap-Landschaft inszenierte und sein Album „Neue Deutsche Welle“ 2005 mit dem abgewandelten Hitler-Zitat „Am 1. Mai wird zurückgeschossen“ bewarb. Spätestens seitdem existiert deutsch-patriotischer Rap als Grauzone, weil die Texte – anders als bei Makss Damage – meist vieldeutig bleiben, also nicht explizit rechtsextremen Tendenzen zugerechnet werden können. Emotional sind sie zwar eindeutig, aber dabei eben fast nie justiziabel.

Neben Chris Ares gibt es zum Beispiel Dissziplin, der sich selbst einen Patrioten nennt, Nazivorwürfe aber bestreitet. Auch er arbeitet viel mit fragwürdigen politischen Subtexten in völkische Zeilen wie "Das ist Schwarz-Rot-Gold, das ist mein Blut, mein Stolz, mein Volk". Auch, weil Dissziplin von den rechten Aktivisten der "Identitären Bewegung" gepusht wird und Verbindungen zu dem vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften ehemaligen Kickboxer Markus Walzuck haben soll, der bereits wegen Volksverhetzung verurteilt wurde. Chris Ares hat ebenfalls Verbindungen zu rechten Gruppierungen.

Auch Chris Ares formuliert bewusst uneindeutig, macht sich nie angreifbar mit seinen – emotional so eindeutigen – Textzeilen wie "Schmeiß den Ami aus der Heimat und den Weltkriegsdomizilen" oder "Wir kämpfen für die Ahnen hier im Land". Und er hat Erfolg damit: Mehr als 100.000 Views hat sein Video zu "Deutscher Patriot" auf Youtube.

Der kann...

... sich eindeutig uneindeutig politisch positionieren. Ares nennt sich selbst weder rechts noch links, wie es in der Beschreibung eines seiner Youtube-Videos heißt. Er wolle „den Patriotismus wieder legitimieren“ und „sein Volk und sein Land lieben“ – das sei „weder verwerflich noch fremdenfeindlich“. Auch auf Facebook wehrt er sich gegen Nazi-Vorwürfe, postet ein Foto mit der Aufschrift: „Der Patriotismus besteht nicht im Hasse gegen andere Völker, sondern in der Liebe zum eigenen.“

In seinem Rap „Niklas P. (†17)“ klingt die nicht vorhandene Fremdenfeindlichkeit dann so: „Bereicherung wird propagiert von ganz oben / Ich kann das nicht nachvollziehen, was sie gewissenlos in unser Land holen“. Wen genau er mit „was“ meint, sagt Ares nicht. Auch auf Facebook bleibt Ares bewusst vage: "Früher wurden Völker und Länder von Grenzen geschützt – in Zukunft müssen wir es selbst tun", postete er beispielsweise am 24. August. Unausgesprochen bleibt, wovor er  sie eigentlich schützen will. 

Etwas eindeutiger agierte der Patriot, der auf Facebook gerne „für Frieden“ wirbt, am vergangenen Wochenende am Rande einer Wahlparty der AfD in München. Dort soll er auf einen Fotografen losgegangen sein, bedrohte ihn und trat nach ihm. Fotos auf Twitter zeigen den Übergriff. In einer Stellungnahme auf Youtube erklärt Ares nun, er habe aus Notwehr gehandelt, da vermummte Antifa-Demonstranten – zu denen auch der Fotograf gehört habe – zuvor ein AfD-Mitglied angegriffen hätten. Nachdem ihm der Fotograf ein Pfefferspray ins Gesicht gehalten habe, sah er sich "in der Pflicht (...) die Demokratie zu verteidigen". Mit Tritten. Die, so Ares, aber nur auf das Pfefferspray gezielt hätten.

Der kommt...

... trotz all der kunstvoll inszenierten Uneindeutigkeit doch nachweisbar aus der rechten Szene. Chris Ares ist Teil des „Bündnis deutscher Patrioten“, einer nationalistischen Gruppierung. Auch die positioniert sich nicht offen rechts, wollen weder radikal noch extremistisch sein, sondern für direkte Demokratie werben. Dabei beherrschen sie die Kunst, sich maximal nebulös und dennoch – gefühlt – eindeutig auszudrücken, ebenso gut wie Ares: "Heimat, Kultur, Tradition. Unser Land kriegt ihr nicht" ist der Facebook-Slogan der Gruppierung. Wer das ominöse "ihr" sein soll, das das Land an sich reißen will, bleibt offen.

Lieber setzt sich das "Bündnis deutscher Patrioten" gekonnt in den sozialen Netzwerken in Szene, malern in einem Kinderhospiz oder helfen bei Aufräumarbeiten im vom Hochwasser betroffenen Simbach. "Frei von Hetze und Propaganda" will das BDP sein und für "Fakten und sachliche Argumentation stehen". So halten sich auch die Aktivisten, die die Facebook-Seite "BDP - Bündnis Deutscher Patrioten" betreiben, in ihrer Wortwahl vergleichsweise zurück. Der Satz "Und wieder haben importierte Kinderschänder aus dem Morgenland zugeschlagen", mit dem das BPD einen Artikel der WAZ über die Verhaftung mehrerer Asylbewerber aufgrund des Verdachts des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger kommentiert, gehört zu den eindeutigeren Aussagen. 

Den Rest übernehmen ohnehin die Anhänger des BDP. Deren Kommentare sind - im Gegensatz zu denen der Seiteninhaber -vermutlich auch justiziabel:

Screenshot auf Facebook

Laut Bayerischem Rundfunk soll auf der Facebook-Seite auch bereits diskutiert worden sein, "wie man Migranten in Münchner Freibädern umbringen könnte – mit Strom im Becken oder mit Zyklon B, der Chemikalie, mit der die Nationalsozialisten Juden in Auschwitz ermordeten." Distanziert haben sich die Seiteninhaber von derartigen Kommentaren nicht – im Gegenteil: "Wer sich uns zugehörig fühlt, ist bereits Teil der Bewegung", heißt es unter dem Musikvideo "Wir sind BDP" von Chris Ares auf Youtube.

Ares beschreibt die Aktivisten vom "Bündnis deutscher Patrioten" in einem Facebook-Post als "aufrichtige, ehrenvolle, ehrliche und selbstlose Menschen", nennt sie seine "Brüder und Schwestern". Das BDP wiederum fühlt sich geschwisterlich mit der "Identitären Bewegung" verbunden, eine Gruppe rechter Aktivisten, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Sie seien "in den Farben getrennt, in der Sache vereint", heißt es auf der Facebook-Seite des BDP. Zur "Identitären Bewegung" sollen auch Neonazis wie der Dortmunder Lukas Bals gehören (die Gruppe selbst bestreitet seine Mitgliedschaft), der bereits Flugblätter für die "Identitäre Bewegung" verteilte,  deren Inhalte auf seinem Twitter-Profil teilt und wie Chris Ares an dem Übergriff auf Journalisten in München beteiligt war. 

Denn auch Ares pflegt Verbindungen zur „Identitären Bewegung“. Auf seiner Facebook-Seite verlinkt er deren Aktionen, im Musikvideo zu "Deutscher Patriot" taucht das Logo der Bewegung, der griechische Buchstabe Lambda auf gelbem Grund, mehrfach auf.  Im Gegenzug macht die „Identitäre Bewegung“ auf Facebook Werbung für den Rapper, nennt ihn „patriotisch“ und lobt die Entwicklung der Rap-Szene vom „schmuddeligen migrantisch geprägten Ghettorap“ zu einem „Milieu, welches es sich zur Aufgabe gemacht hat, die wichtigen Fragen um unsere ethnokulturelle Identität in den Fokus zu rücken.“ 

Mit den Rechten teilt sich Ares auch das Familienbild: „Ich weiß auch, dass durch Gender und familienunfreundliche Politik ein Bild zerstört wird, wie ich es als normal empfinde (der Mann darf Mann, und die Frau Frau bleiben). Durch (...) Karriere Trieb und Emanzipations Wahn, wird unser Volk Stück für Stück zerstört“, schreibt er in einem Facebook-Post vom 16. August.

Der geht... 

... auch bei anderen AfD-Veranstaltungen ein und aus. Am liebsten im Hoodie mit goldenem Bundesadler drauf. Im Mai kam Ares zu einer Rede von Frauke Petry ins Münchner Hofbräuhaus. Ebenfalls anwesend: Ein verurteilter Neonazi und ein NPD-Mitglied. Im vergangenen Jahr rappte er seine Texte bei einer Demo mit Björn Höcke in Thüringen. Für einen Auftritt auf einer AfD-Kundgebung in Bayern soll er 200 Euro bekommen haben. Eine Gage, die so niedrig ist, dass man sie als Musiker eher nur akzeptiert, wenn man sich mit einer Veranstaltung identifiziert – oder sich einen Promo-Effekt erwartet.

Auch bei Pegida-Aufmärschen in München trat der Rapper mit den zwei Gesichtern in Erscheinung: Er war Teil einer Kundgebung im Januar, bei der auch das Musikvideo zu „Deutscher Patriot“ gezeigt wurde. Darin rappt er über Heimatliebe und wehrt sich gegen Verurteilungen von Links. („Ein gebücktes Volk seit 70 Jahren / Und du darfst nicht sagen, dass du stolz bist, deutsch zu sein / Ohne Gefahr zu laufen, in einem rechten Eck zu landen“). Bei einem Pegida-Aufmarsch im vergangenen Oktober soll er einem Journalisten gedroht haben, er werde ihn und seine Familie finden und umbringen.

Wir lernen daraus... 

... dass keine Subkultur davor sicher ist, von der Neuen Rechten annektiert zu werden. Auch nicht der ursprünglich schwarze Rap. Und, dass früher oder später rauskommt, wie einer wirklich drauf ist. 

Nur Google weiß... 

... dass Ares den Auftritt bei der AfD-Kundgebung im bayerischen Geretsried nur bekommen hat, weil die ursprünglich gebuchten Musiker von der „Deininger Tanzlmusi“ kurzfristig absagten. Ihnen wurde der Auftritt „zu politisch“. 

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