Das ist: Noah, der ein Corona-Hilfsportal programmiert hat

Der 15-Jährige will mit „Coronaport.net“ so effizient wie möglich helfen.
Von Selma Badawi

Noah Adler, 15, wohnt in Berlin und hat Coronaport.de programmiert.

Foto: privat

Das ist ...

... der 15-jährige Noah Adler, der das Webportal Coronaport.net programmiert hat. Damit können Menschen in seiner Heimatstadt Berlin in der Corona-Krise Hilfe anbieten oder annehmen. Wer jung und gesund ist, bietet also beispielsweise an, für andere einzukaufen, Hunde auszuführen oder Post wegzubringen. Und wer unter Quarantäne steht oder zur Risiko-Gruppe gehört, kann die Helfer*innen dann kontaktieren. Bis jetzt haben schon mehr als 1500 Berliner*innen ihre ehrenamtliche Unterstützung angeboten.

Der kommt ...

… von der Schule nach Hause und setzt sich erst mal vor den PC. Denn Noah liebt es, mit Programmierfeldern und Tastencodes zu arbeiten. Als der 15-Jährige vergangenen Freitag in der Schule von der geplanten Schließung erfuhr, habe er sich gedacht: Geil! Jetzt habe ich Zeit. Aber was tun damit? Heute sagt er am Telefon gegenüber jetzt: „Ich wollte meine Zeit nutzen, um zu helfen. Ich habe nachgedacht, wie das am besten geht und dann versucht, meine Idee technisch umzusetzen.“  Noah erkannte, dass es eine Koordinierungsstelle brauchte, zu der jede*r Zugriff haben kann. Im Laufe eines Tages baute er dann die virtuelle Hilfsbörse. „Ich glaube, dass ich mehr Leuten helfen kann, wenn ich versuche, so ein Netzwerk zum Vermitteln aufzubauen, als wenn ich Vollzeit selbst anpacken würde“, sagt Noah. „In Zukunft werde ich natürlich auch selbst mithelfen und andere Menschen direkt unterstützen.“ Konkrete Pläne hat er aber momentan nicht, weil er sich auf die Website konzentriert.

Der geht ...

... vermutlich überall als gutes Vorbild durch. Noah steht noch vor dem Abitur, hat aber schon eine ganze Reihe an Hilfsaktionen hinter sich. Er ist Mitglied bei der DLRG, beim Katastrophenschutz und übernimmt auch sonst oft Sanitätsdienste. Er habe das Bedürfnis, seine Zeit sinnvoll nutzen, erklärt Noah. „Ich habe einfach das Glück, dass es mir Spaß macht zu helfen.“ Später will er Medizin studieren. Er folgt damit der Tradition in der Familie: Seine Eltern sind Ärzte – auch sie sorgen sich aktuell wegen des Virus. Noah dagegen bleibt recht entspannt. Panikmache finde er nicht gut.

Der kann ...

... Websites bauen, seit er 13 Jahre alt ist. Damals programmierte der Berliner seine erste Homepage für eine wohltätige Stiftung. Mit der Maus in der Hand und der Tastatur vor sich fühlt er sich wohl. Wobei er mit Blick auf Coronaport zugibt: „Jetzt stoße ich langsam an die Grenzen meiner technischen Kenntnisse. Zum Glück bekomme ich mittlerweile viele Tipps von IT-Experten und ich lerne dabei sehr viel.“  Er entwickelt die Website gerade weiter, sodass Hilfesuchende den Coronaport bald deutschlandweit nutzen können. Damit sich bald Menschen aus ganz Deutschland beteiligen können, braucht er allerdings Freiwillige, die bereit sind, die Hilfsinserate in anderen Städten zu beaufsichtigen. Bis er die findet, will er bereits bestehende Hilfsprojekte in den jeweiligen Orten verlinken. Noah ist nämlich nicht der einzige mit einer gemeinnützigen Idee. Menschen in anderen Teilen Deutschlands haben bereits einige Aktionen ins Leben gerufen. In Frankfurt gibt es zum Beispiel eine Corona-Hotline, wie Noah herausgefunden hat. Solche Initiativen stimmen ihn positiv – und auch sonst lässt sich Noah einen gewissen Optimismus nicht nehmen: „Dieses Virus ist sehr, sehr schlimm für alle. Aber ich glaube, dass es gerade wie eine Ohrfeige wirkt. Das Leben wird radikal entschleunigt und die Leute können wieder zu sich kommen. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass Corona auch auf lange Sicht einen großen Einfluss auf das, was wir tun, haben wird.“

Daraus lernen wir ...

... dass die oft verteufelte Digitalisierung ein wichtiges Mittel ist, um diese Krise durchzustehen. Während man sonst hört, Digitalisierung führe zur Vereinsamung, zeigt sich die Netzwelt nun als sozialer Rettungsanker. Und das nicht nur an Coronaport: Auch in sozialen Netzwerken wie Twitter oder Instagram bieten Menschen sich gegenseitig Hilfe an. Andere Websites wie „Staythefuckhome.com“ rufen währenddessen zur solidarischen Selbst-Quarantäne auf.

Nur Google weiß ...

... wohl sicher, wer die Menschen vor den Rechnern sind, die gerade nach Coronaport suchen. Aber Noah schätzt, dass es momentan noch viel mehr junge Menschen als alte sind. Denn während es immer mehr Hilfsinserate auf Coronaport gibt, nehmen deutlich weniger Leute diese Hilfe auch an. Noah freut das einerseits, weil es für die Solidarität der Berliner*innen spreche. „Allerdings zeigt das wieder mal, dass Online-Angebote wie meins wichtige Zielgruppen noch nicht erreichen. Viele ältere Menschen bekommen davon leider nichts mit.“ Aber auch dafür, sagt Noah, will er irgendwann eine Lösung finden.

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