Diese olympische Schwimmerin bricht mit ihrer Periode Tabus

Nach einem verpassten Mannschaftssieg spricht Fu Yuanhui über ihre Menstruation – und wird nun in ihrer Heimat China gefeiert.
Von Sina Pousset
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Foto: David Gray/Reuters

Das ist ...

... Fu Yuanhui, Mitglied der chinesischen Schwimmmannschaft bei den Olympischen Spielen und Publikumsliebling. Die 20-Jährige, die aus dem Südosten des Landes stammt und bereits 2012 in London dabei war, holte dieses Jahr bei 100 Meter Rücken Bronze für ihre Heimat. Den Wettkampf bereicherte Fu bislang nicht nur mit ihrer sportlichen Leistung, sondern auch mit witzigen Interviews inklusive Meme-würdiger Gesichtsausdrücke. 

Nun sorgte Fu erneut für Aufsehen, und zwar mit einem Kommentar zu ihrer Niederlage bei der 4x100 Meter-Staffel. Sie sagte: "Ich habe gestern meine Periode bekommen und fühlte mich sehr müde – aber das ist keine Entschuldigung, ich bin einfach nicht schnell genug geschwommen." Fu hat nicht nur Eierstöcke, sondern Eier. 

Die kann...

... so frisch und fröhlich in der Badekappe daherreden, dass man sie vom Beckenrand weg gleich mal auf ein Bier einladen will. Und wird nun dafür gefeiert, dass sie vor der Kamera über ein Thema sprach, das in der Sportwelt, besonders aber in ihrem Heimatland China immer noch ein Tabu ist. Das Internet hatte sich allerdings schon vor ihrem Statement zu Menstruationsbeschwerden in Fu verliebt – nämlich, nachdem sie sich für das Finale in 100 Meter Rücken qualifiziert hatte. "Wow!", rief Fu danach mit weit aufgerissenen Augen, "War ich wirklich so schnell?"

Ihre Erklärung für den Erfolg war ähnlich hinreißend wie ihr ungläubiger Gesichtsausdruck: "I used all my mystic energy!"

 

Über Nacht wurde die olympische Nachwuchsschwimmerin damit zur Internetsensation. Ihre Fans sind sich jetzt einiger denn je: Man muss die einfach liebhaben. Die Chinesische Volkszeitung schrieb, Fu verkörpere mit ihrer Art einen wichtigen sportlichen Grundsatz: "Im Sport geht es um den Kampf und um die Freude daran, vor allem aber dreht sich definitiv nicht alles darum, ob man Gold gewinnt." Einmal mehr hat Fu jetzt an ihr Recht auf Menschlichkeit im Wettkampf erinnert.

Die kommt ... 

... aus dem traditionellen China. Das in Sachen Menstruation noch ziemlich rückschrittlich ist. Das Land der Morgenröte hüllt sich bezüglich des weiblichen Zyklus’ immer noch in vornehmes Schweigen. Hygieneprodukte dürfen im Fernsehen nur zu bestimmten Zeiten beworben werden, laut einer Studie benutzen nur zwei Prozent der Chinesinnen Tampons. Mangelnde Aufklärung und fehlender Sexualkundeunterricht sind Gründe dafür, warum noch immer viele junge Chinesinnen fürchten, sich beim Benutzen eines Tampons versehentlich zu entjungfern.

Doch auch im internationalen Sport ist wird das Thema Menstruation oft totgeschwiegen. Fus "So What?!"-Haltung kommt deshalb einem Befreiungsschlag gleich, auf den viele gewartet zu haben scheinen. Chinesische Fans schreiben Fu, so berichtet der Guardian: "Wir sind stolz auf dich." und "Es ist ein normales physiologisches Phänomen – warum können wir nicht darüber sprechen?"

Die geht ...

... weiter ihren Weg – ohne Maulkorb. Fu wird auch in Zukunft machen und sagen, was sie will. Auch wenn es dabei nicht um den ganz großen gesellschaftlichen Wandel geht. In einem Streaming-Video für ihre Fans mampfte sie jüngst einen Cupcake nach dem anderen und rülpste danach zufrieden. So viel Authentizität wird belohnt: 10 Millionen User schauten ihr dabei zu.

Wir lernen daraus, ...

... was der Gleichberechtigungsdebatte im Sport bis jetzt fehlte: mystic energy!

Nur Google weiß, ...

... dass Fu nach ihrer Schwimmkarriere gerne auf einer Farm leben und Pferde züchten würde.

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