Airbnb will Gäste auf „Vertrauenswürdigkeit“ überprüfen

Bedeutet konkret: Lieber schnell die Facebook-Fotos vom Ballermann löschen.

Foto: REUTERS / Fotografin: Gabrielle Lurie

Wer zukünftig auf Airbnb als Gast abgelehnt wird, der findet den Grund vielleicht auf den eigenen Social-Media-Profilen: Wie der britische Evening Standard und The Telegraph berichten, hat das Unternehmen bereits vergangenes Jahr ein Patent für einen sogenannten „Trait Analyzer“ angemeldet. Die Software soll die Online-Profile von potenziellen Gästen auf Faktoren wie „Vertrauenswürdigkeit“, „Kompatibilität“ und „Offenheit“ bewerten und so eine Empfehlung abgeben, ob man an diese Person eine Wohnung vermieten kann. Es ist unklar, inwiefern die Software bereits genutzt wird.

Was schwammig klingt, bedeutet konkret, dass mit dem Programm unter anderem Facebook oder Instagram nach Schlagworten wie „Alkohol“, „Drogen“ oder „Verbrechen“ durchforstet werden können. Den Medienberichten zufolge sollen aber auch Menschen, die online in Verbindung mit Fake-Profilen, Hate-Speech oder Sexarbeit gebracht werden, eine schlechtere Bewertung bekommen. Dabei beschränke sich das Programm nicht nur auf Social-Media-Profile, auch Nachrichtenseiten, Blogs und die berufliche Biografie sollen ausgewertet werden. Am Ende solle so beurteilt werden, wie eine Person sich offline gegenüber anderen verhält – und inwiefern sie als Mieter*in infrage kommt. 

Bereits jetzt benutzt Airbnb eigenen Angaben zufolge maschinelles Lernen, um eine Risikobewertung vor jeder Buchung vorzunehmen. „Wir führen weltweit bei allen Gastgebern und Gästen einen Abgleich mit Behörden-, Terroristen- und Sanktionslisten durch – auch wenn natürlich kein Überwachungssystem perfekt ist“, schreibt das Unternehmen auf seiner deutschen Webseite. In den USA würden zudem bereits sogenannte „Background Checks“ vorgenommen werden – ein Vorgehen, das durch die neue Technologie noch ausgeweitet werden könnte. Expert*innen kritisieren deshalb gegenüber dem Evening Standard, dass Airbnb mit der neuen Software persönliche Daten zu fraglichen Zwecken ausnutzen und sich gleichzeitig stark auf Maschinen verlassen würde – was eben auch zu Fehlentscheidungen führen kann.  

Hintergrund der verschäften Überprüfung von Airbnb-Nutzer*innen sind wohl mehrere Vorfälle in London: So machte im Januar 2019 die Geschichte einer 60-Jährigen die Runde, deren Luxusanwesen anstatt für eine Baby-Shower für eine Drogenparty mit Hunderten Teilnehmer*innen missbraucht wurde. Ein weiterer Mann verklagt wiederum Airbnb derzeit auf mehrere Hunderttausend Pfund Schadensersatz, nachdem anstatt einer vierköpfigen Familie 500 Menschen in seiner Wohnung in Chelsea feierten – und dabei 445 000 Pfund (etwa 520 000 Euro) Schaden verursachten. Das Unternehmen will davon nur einen Bruchteil bezahlen.

chha

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