Das Netz kämpft für MS Paint

Mit sehr vielen selbstgemalten Bildern, die unser Herz erwärmen.
Flügel und Hintergrund: designed by Freepik

In gewisser Weise ist es ein digitales Happy End: MS Paint wird weiterleben. Als Gratis-App im Windows Store. Nach dem Aufschrei im Netz darüber, dass Microsoft sein Uralt-Malprogramm begraben könnte, hat der Konzern das nun bekannt gegeben.

Könnte – das ist ein wichtiges Wort in diesem Zusammenhang, denn: Microsoft hat nie offiziell verkündet, dass es Paint abschaffen will. Stattdessen hat das Unternehmen eine Liste veröffentlicht, die erklärt, was das kommende „Windows 10 Fall Creators“-Update für einzelne Programme bedeutet. Dort steht zum einen die Kategorie „Removed“: Features, die darunter gelistet sind, wandern tatsächlich ins digitale Nirvana.

Dann ist da aber noch die Kategorie „Deprecated“, veraltet also. Unter die fällt Paint. Bedeutet laut Microsoft: An diesen Programmen wird derzeit nicht entwickelt und sie – Achtung, jetzt kommt’s – könnten mit zukünftigen Updates verschwinden. Könnten, nicht werden.

Doch allein, dass Paint eingestampft werden könnte, war Nachricht genug, um eine turmhohe Nostalgiewelle durch’s Netz auszulösen. Alle paar Klicks tauchten plötzlich Grabsteine für das Programm auf – hingekrakelt mit Paint, was sonst?

Kein Wunder. Schließlich gehört Paint für viele Menschen zum ewigen IT-Einmaleins. Seit 1985, seit 32 Jahren also, ist Paint auf jedem Windows-Rechner zuhause. Was das Seepferdchen im Freibad ist, ist Paint in der Bildbearbeitung: Ein Teil ihrer Kindheit, finden manche User. 

Für andere ist Paint bis heute der einfach zu bedienende Photoshop-Ersatz: 

Auch immer gut: Paint als Spaß- und Blödel-Tool. Zum Beispiel, um bekannte Pop-Cover nachzuzeichnen. Die lustigsten und gelungensten davon hat Marc Fisher aus Chicago auf einer Website gesammelt.

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Einen Berufsstand aber gibt es, der sich über ein Ende von Paint freuen würde: Grafikdesigner. Endlich keine Bildvorschläge mehr, die sich Kunden mit Paint zusammen dilettieren. Keine Telefonate mehr, die losgehen mit: „Ich hab mal grob entworfen, in welche Richtung es gehen könnte."

Von Grafikdesignern mal abgesehen: Mit so viel Paint-Liebe scheint Microsoft nicht gerechnet zu haben. In einem Blogeintrag schrieb das Unternehmen gestern Abend: „Wir haben heute eine unglaubliche Welle der Unterstützung und Nostalgie um MS Paint erlebt. Wenn wir daraus irgendwas gelernt haben, dann, dass MS Paint nach 32 Jahren viele Fans hat.“ Deswegen bleibt es also im Windows Store verfügbar. Na dann, frohes Krakeln.

 

jwh

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