Lauren Gores hat alles, was eine echte Influencerin braucht: lange, wehende Haare, ein hübsches Gesicht und einen Körper, dem enge Yoga-Leggins ausgezeichnet stehen. Außerdem natürlich einen gutaussehenden Partner und einen kleinen Sohn, an dem sich schicke Markenklamotten sehr gut platzieren lassen. Nur eine Sache scheint Lauren Gores nicht zu haben: eine Wohnung, die so richtig, richtig instagrammable ist.

Gott sei Dank hat eine Werbeagentur hier jetzt Abhilfe geschaffen: „Village Marketing“ betreibt seit kurzem im New Yorker Stadtteil Manhattan ein Penthouse, das Influencer begeistert: dunkler Holzboden, weiches Licht, hohe Decken, ein hellrosa Sofa, weiße Sessel und ein Bett aus goldfarbenen Metallstäben mit richtig vielen Kissen. Große Fenster, ein geräumiges Bad und ein paar dezent platzierte Pflanzen machen das Apartment perfekt. Alles ganz clean natürlich, bloß nicht zu überladen, angesagt und nichtssagend gleichzeitig. Der Witz: Niemand wohnt dort. Die Firma arbeitet mit Möbelausstattern zusammen und bietet die Wohnung Influencern an, um dort zu ihre Fotoshootings zu machen. Die nehmen das fleißig an. Klickt man sich durch den Instagramaccount der Werbeagentur, sieht man viele fröhliche Frauen - ja, es sind ausschließlich Frauen -, die in der Wohnung posieren.

Lauren Gores zum Beispiel posiert verträumt vor dem Fensterbrett und schreibt dazu paar philosophische Zeilen zum Leben im Allgemeinen. Andere, wie die Bloggerin Natalia, drapieren sich in Negligé und mit High-Heels (wie man daheim eben so rumläuft) neben ein paar Parfumflaschen auf dem Armaturenbrett im Bad – so, dass die luxuriöse Badewanne im Hintergrund gut sichtbar ist. Ein paar Bilder weiter trinkt sie Tee aus einer feinen Tasse auf dem schicken Sofa, und auch im Bett gefrühstückt hat sie schon – zumindest könnte das ein User meinen, der keine Ahnung vom Hintergrund des Apartments hat. Naheliegend ist wohl eher, dass alles hübsch drapiert und nach dem Foto auch gleich wieder eingepackt wurde.

„Village Marketing“-Gründerin Vickie Segar erzählte der New York Times, ihr sei die Idee zu dem Apartment gekommen, weil viele Blogger und Instagrammer in New York es so schwer hätten, die richtigen Orte für ihre Shootings zu finden. Denn große und luxuriöse Wohnungen sind dort auch für Top-Influencer nicht leicht zu bezahlen – das Apartment kostet immerhin 15.000 Dollar Miete im Monat.

Im Moment scheint das Geschäft ganz gut zu laufen. Bleibt die Frage, wann den Usern auffällt, dass immer mehr Influencer im gleichen Bett frühstücken oder in die gleiche Badewanne eintauchen. Denn dass das Penthouse nicht das eigene ist, schreiben natürlich die wenigsten unter ihre Fotos. Der nächste Schritt wäre konsequenterweise eigentlich nur noch, Männer oder kleine Kinder an Fashion-Blogerinnen zu verleihen, um perfekt-glückliche und immer gleiche Familienfotos zu produzieren. 

soas

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