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Hä? Und was ist jetzt Blockchain?

Foto: MichaelJBerlin / photocase.com

Mit dem Verständnis von Blockchain ist es wie mit einer Unterhaltung im Club am Freitagabend. Der süße Typ an der Bar hat dir schon fünf Mal gegen dröhnende Bässe ins Ohr geschrien. Und du bist dir trotzdem immer noch nicht sicher, ob er gerade gesagt hat, dass deine Ohrringe schön funkeln oder sich über die teuren Preise für den Gin Tonic beschwert. Irgendwann willst du einfach nicht mehr nachfragen. Das wäre zu peinlich. Also nickst du zustimmend und versuchst mit einem Lächeln deine Unwissenheit zu überspielen.

Und doch es gibt es einen nicht zu vernachlässigenden Unterschied zwischen Blockchain und dem Thekengespräch: Ohrringe oder Gin Tonic werden nicht massiv die Zukunft der Welt verändern. Blockchain hingegen soll unseren kompletten Werteaustausch revolutionieren.

Sebnem Rusitschka, Informatikerin und Gründungsmitglied des Blockchain Bundesverbands, ist so wie der Typ an der Bar. Wenn sie von „Cryptocommodities“ und „Token economy“ spricht, versteht außerhalb von informierten Kreisen erstmal keiner ein Wort.  Rusitschka selbst nennt das ihr „rabbit hole“. Sie weiß ganz genau, dass sie und die meisten ihrer Kollegen nicht besonders gut darin sind, die Blockchain in einfachen Worten zu erklären. „Ich denke, das Einzige, was hilft zu verstehen, ist eine Technologie nutzbar zu machen. Heute weiß jeder ganz genau, fast intuitiv, was die Nutzung von Internet ist. Und genau in diese Phase müssen wir auch mit der Blockchain kommen.“

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Sebnem Rusitschka ist Gründungsmitglied des Blockchain-Bundesverbandes.

BR-Zündfunk-Netzkongress

Was ist denn jetzt Blockchain?

Die Blockchain, wörtlich „eine Kette aus Blöcken“, beruht auf dem Prinzip einer dezentralen Datenbank. Also werden die Daten nicht mehr zentral auf Servern von großen Unternehmen, wie beispielsweise Banken oder sozialen Netzwerken wie Facebook, gespeichert. Stattdessen liegen sie auf sehr vielen verschiedenen Computern gleichzeitig. Und alle diese Computer haben eine identische Kopie der Datenbank.

Die bekannteste Anwendung der Blockchain-Technologie ist die digitale Währung Bitcoin. Bei Bitcoins funktioniert die Datenbank wie ein offenes Kassenbuch. In diesem Kassenbuch sind alle Transaktionen, also Überweisungen oder Bestellungen, genau dokumentiert.

Also zum Beispiel: Anna schickt Ben Geld in Form von einem Bitcoin. Dann wird das in das offene Kassenbuch eingetragen und alle Computer prüfen gleichzeitig, ob Anna überhaupt über den Bitcoin verfügt, den sie Ben schicken will. Natürlich steht dann da nicht „Anna“ und „Ben“, sondern verschlüsselte Kontonummern der beiden.

Ist die Transaktion zwischen Anna und Ben dann einmal in der Blockchain eingetragen, kann man sie nicht verändern. Denn wenn jemand eine Transaktion im Nachhinein verändern möchte, dann muss derjenige das ja auf allen Computern des dezentralen Netzwerkes machen. Die Blockchain gilt deshalb als fälschungssicher und transparent.

Was geht mich das an?

Mit genau diesem Prinzip könnte die Blockchain schon bald viele Zwischeninstanzen überflüssig machen und so auch vieles vereinfachen. Dann braucht es zum Beispiel keine Banken mehr, um eine vertrauensvolle Überweisung zu machen. Die Blockchain prüft automatisch, ob es mit rechten Dingen zugeht und hier kann niemand tricksen.

Mittlerweile gibt es auch schon ganz andere Anwendungsmöglichkeiten als Bitcoins und die Finanzwelt. Sebnem Rusitschka hat zum Beispiel das Unternehmen Freeelio gegründet, das mit Hilfe von Blockchain den Energieaustausch vereinfachen soll. Doch es gibt noch viel mehr. „Wenn ich über meinen Tellerrand schaue, dann sehe ich sofort tausende andere Anwendungsbereiche, in denen Blockchain nicht nur die Spielregeln ändern wird, sondern das komplette Spielfeld. Im Gesundheitssystem, in der Datensicherung, im öffentlichen Sektor.“

Klingt ja eigentlich super!

Doch wie die meisten Technologien hat auch die Blockchain Nachteile. Wenn Zwischeninstanzen wie Banken verloren gehen, dann gehen auch Jobs verloren. Das ist zwar nichts Neues im Zeitalter der Digitalisierung, aber die Blockchain macht es sehr greifbar. Außerdem braucht die Blockchain-Technologie durch die hohe Rechenleistung auch enorm viel Strom. Dessen ist sich auch Sebnem Rusitschka bewusst: „Das ist aktuell ein großer Nachteil, aber ich bin überzeugt davon, dass wir dafür eine gute Lösung finden werden. Es gibt sogar bereits Ansätze mit erneuerbaren Energien.“

Aktuell wird die Blockchain-Technologie fast ausschließlich im Umfeld der Tech-Branche genutzt. Wann aber wird die Technologie in der breiten Bevölkerung ankommen? Sebnem Rusitschka sagt: „Ich dachte eigentlich letztes Jahr schon, aber war dann nicht so.“ Wahrscheinlich wird es dann doch noch einige Jahre dauern. Es bleibt also noch ein bisschen Zeit, um einfach zu sagen: „Die Blockchain ist für uns alle Neuland.“ 

* Antonia Franz ist Schülerin der Deutschen Journalistenschule. Dieser Text ist entstanden im Rahmen des Zündfunk-Netzkongresses, dem Digital Kongress vom Bayerischen Rundfunk und der Süddeutschen Zeitung.

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