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„Ich könnte mir von meinen Bitcoins einen guten Mittelklassewagen leisten“

Als Adrian vor Jahren in die Kryptowährung investierte, belächelten seine Freunde ihn dafür.
Interview von Tami Holderried
  • bitcoin cover
    Fotos: privat; dpa

„Bitcoin“ hat in den letzten Tagen „Donald Trump“ als Google-Suchanfrage überholt – das zeigt anschaulich, wie viele Menschen sich gerade für die virtuelle Währung interessieren. Sie soll dezentral, demokratisch und vor allem sicher sein, denn: Mit Bitcoin sind Geldtransfers direkt von Nutzer zu Nutzer, ohne zwischengeschaltete Stellen, ohne staatliches Geldmonopol möglich. Doch die sogenannte Kryptowährung zieht zur Zeit auch viele Spekulanten an. Nun hat der Bitcoin-Kurs auf einigen Handelsplätzen Ende November erstmals die Marke von 10.000 Dollar geknackt und die Ereignisse überschlagen sich: Viele Anleger sehen ihre Chance auf schnellen Reichtum, die deutsche Bundesbank warnt vor riskanten Spekulationen mit der virtuellen Währung, gleichzeitig wollen auch große Banken wie Goldman Sachs nun in das Geschäft mit den Bitcoins einsteigen.

 

jetzt: Adrian, steigen wir gleich mal mit der brennendsten Frage ein: Wieviel Geld hast du mit Bitcoins verdient?

Adrian: Puh, genaue Beträge will ich nicht nennen. Aber sagen wir mal: Ich könnte mir von meinen Bitcoins einen guten Mittelklassewagen leisten. Als ich sie gekauft habe, war der Preis pro Bitcoin etwa 10 Euro, aktuell wird ein Bitcoin zwischen 9.500 und etwa 9.900 Euro gehandelt.

 

Daran merkt man: Bitcoins gehen gerade so richtig steil. Du hast aber schon vor etwa fünf Jahren investiert, als viele das Wort noch nicht mal kannten. Wie kam’s?

Ich würde ehrlich gesagt nicht mal von investieren sprechen. Damals habe ich mich viel auf irgendwelchen Techblogs rumgetrieben, irgendwann bin ich über das Thema Bitcoins gestolpert. Ich fand die Idee cool und vor allem naheliegend: Wir machen alles online, warum also nicht auch mit digitalem Geld bezahlen? Papiergeld ist für mich sowieso altertümlich. Mein Ansatz war also: Geld in Bitcoins wechseln, damit ich dann online damit bezahlen kann. Deshalb habe ich auch nur eine ziemlich kleine Summe, viel weniger als hundert Euro, umgetauscht.

 

 

Wie hat das genau funktioniert?

Das läuft wie eine virtuelle Tauschstube: Es gibt Handelsplattformen, da überweist man einen bestimmten Betrag in Euro und bekommt dafür Bitcoins. Der Einstieg ist ziemlich einfach.

 

Hattest du keine Angst vor den Risiken? Du hast schließlich Geld online überwiesen und eine virtuelle Währung dafür bekommen, die zunächst mal fast nichts wert war.

Weil ich nur einen kleinen Betrag in Bitcoins getauscht habe, war das Risiko relativ gering. Meine Freunde und auch meine Eltern haben mich trotzdem erstmal für verrückt erklärt. Und im Nachhinein betrachtet war ich schon etwas blauäugig: Ich wusste nicht viel über Bitcoins, nur das, was ein paar Blogger und Wissenschaftler darüber geschrieben haben. Aber ich wollte diese neue Technologie unterstützen. Das Geld, dass ich in Bitcoins umgetauscht habe, war deshalb auch von Anfang an Spielgeld für mich.

 

Die Bundesbank hat vor einigen Tagen gewarnt: Von einer echten Währung könne man bei Bitcoin nicht sprechen, schließlich würden Bitcoins nur selten dazu genutzt, Waren oder Dienstleistungen zu bezahlen. Was sagst du zu diesen Einwänden?

Das kommt darauf an, was man unter einer echten Währung versteht. Ich vergleiche Bitcoins eher mit Gold, etwas, mit dem man normalerweise nicht bezahlt, aber das man gegen eine reale Währung eintauschen kann. Und es gibt auch schon andere Kryptowährungen, die sich besser als Bitcoins zum täglichen Bezahlen eignen würden. Aber eine Anlage in Bitcoins birgt natürlich Risiken, derer man sich bewusst sein muss. Wie alles haben auch virtuelle Währungen nur solange Wert, wie ihnen von anderen Menschen Wert zugemessen wird. Und die Stimmung kann schnell kippen.

 

Der Wert von Bitcoins hat sich seit Jahresbeginn verzehnfacht. Hat dich der Hype in den vergangenen Monaten überrascht?

Nein, eigentlich nicht. In den letzten acht Jahren gab es alle ein bis zwei Jahre ein plötzliches Wertwachstum bei Bitcoins, vor allem Entwicklungen wie die Griechenland-Krise haben das befeuert. Anscheinend sehen immer mehr Menschen in virtuellen Währungen eine sicherere Alternative. Bitcoins haben jetzt eben den Massenmarkt erreicht. Das wundert mich nicht: Ich finde die Technologie super, man sieht zum Beispiel im Code von Bitcoin, dass die Währung relativ sicher und dezentral ist. Außerdem glaube ich, dass Kryptowährungen die Zukunft sind und Bargeld immer unwichtiger werden wird. Aber: Als ich die Summen gesehen habe, mit denen da im Moment gehandelt wird, musste ich schon schlucken.

 

Profitieren Anleger wie du vom aktuellen Medienrummel um Bitcoins?

Na klar – und ich freue mich natürlich, wenn der Wert weiter steigt!

 

Du sagst, du glaubst, dass Bitcoins „sicher“ sind. Gerade warnen aber viele Ökonomen und Finanzexperten vor einer Blase, die bald platzen wird. Würdest du heute noch in Bitcoins investieren?

Ich finde zumindest, dass jeder sich mit dem Thema Kryptowährungen auseinandersetzen sollte. Das kann man allerdings auch schon mit 20 Euro machen. Ich würde niemandem empfehlen, große Summen oder gar sein ganzes Vermögen in Bitcoins anzulegen. Ich sehe das Geld, dass meine Bitcoins heute wert sind, immer noch als Spielgeld an: Das versuche ich mir jeden Tag bewusst zu machen. Ich plane auch nicht mit diesem Geld. Mir ist klar, dass der Kurs jederzeit deutlich einbrechen kann.

 

Spielgeld? Du hast doch mittlerweile eine ziemlich ordentliche Summe angehäuft – würde es dich da nicht wahnsinnig ärgern, wenn das von heute auf morgen weg wäre?

Naja, ärgern würde es mich schon. Aber ich lebe sehr sparsam und habe sowieso nicht vor, mir von dem Geld, das ich mit Bitcoins verdient habe, irgendwas zu kaufen. Andere würde sich vielleicht ein Auto oder eine Weltreise leisten – für mich ist die Frage eher: Kann ich vielleicht ein paar Jahre früher in Rente gehen? Und wenn das nicht klappt, dann arbeite ich eben länger. Außerdem bin ich wirklich überzeugt von der Technologie und dem grundlegenden System – da wäre es ja heuchlerisch, wenn ich jetzt schon aussteigen würde.

 

 

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