Es gibt lustigere Themen als Kunstgeschichte. Und es gibt Witzigeres als Brotbeläge. Aber es gibt wenig, das so lustig ist, wie die Kombination aus beidem, die seit ein paar Tagen die deutschen Twitter-Trends bereichert. #KunstGeschichteAlsBrotBelag heißt der Hashtag, hinter dem sich alles andere als, höhö, brotlose Kunst verbirgt. Die virtuosen Toastschmierer stellen unter Einsatz von Wurst, Käse, Aufstrichen, Gemüse und allem, was man sonst irgendwie auf ein Brot legen oder streichen kann, berühmte Kunstwerke nach.

Begonnen hat die Twitter-Nutzerin Marie Sopie Hingst. Ihre Leinwand: ein Vollkornbrot. Ihre Farben: Käse, Tomaten und Heidelbeeren. Die geschmacklich vielleicht fragwürdige Kombination erinnert eindeutig an Piet Mondrians Primärfarben-Komposition, sie fotografierte ihr Werk und postete es auf Twitter. 

Aus dieser kleinen Alberei wurde ein Trend. Es scheint, als seien alle mit Humor ausgestatteten Kunstinteressierten Deutschlands gleichzeitig in die Supermärkte gerannt, um sich mit Materialien einzudecken, aus denen sich Kunst nachbauen lässt. 

Die erste Antwort war eine Paula Modersohn-Becker aus Pesto, Teewurst, Gouda, Tomatenmark, Schmelzkäse, Griebenschmalz und Brie. Es folgten Frida Kahlo und die Mona Lisa, Van Gogh, Paul Klee und Keith Haring. Martiros Saryans „Persische Frau“ bekam ein Kopftuch aus Pilzen, Warhols Marylin Monroe Locken aus Bananenscheiben.

Etwas freiere Interpretationen (und Kunsthistoriker-Witze) gab es auch: Dalis „Beständigkeit der Erinnerung“ wurde zur „Beständigkeit des Wurstbrots“ und die hängenden Kalbfleischwurstscheiben kommen Dalis zerrinnenden Uhren doch ziemlich nahe. Beim berühmten „Schrei“ von Munch fehlt strenggenommen leider der Belag, aber das Brot an sich hat tatsächlich täuschende Ähnlichkeit. Das in Butterbrotpapier gehüllte Pausenbrot geht natürlich zweifelsfrei als Christo durch, und, haha, klar, der leere Nihilismusteller musste natürlich auch irgendwann kommen.

Insgesamt ist alles, was unter diesem Hashtag passiert, mal wieder eine erstaunliche Demonstration von Schwarmkreativität. Und vielleicht eine Herangehensweise an Kunst, die sich Kunstlehrer mal genauer anschauen sollten, wenn sie gelangweilten Zehntklässlern versuchen, irgendeine Epoche näherzubringen.

che

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