In Vilnius gibt es jetzt einen Gehweg nur für Smartphone-Nutzer.

In Vilnius gibt es jetzt einen Gehweg nur für Smartphone-Nutzer.

Foto: dpa

Nachrichten beantworten, eine Instagram-Story checken, nur ganz kurz was googeln. Und zack, schon ist man fast gegen den Laternenpfahl gelaufen, die Treppe hochgefallen, über den Bordstein gestolpert, gegen einen Mitmenschen gestoßen. So passieren ganz real immer mehr Unfälle, zwischen zwei (oder mehr) Fußgängern, aber auch zwischen Fußgängern und Autos, Radlern, Straßenbahnen. Das ist gefährlich und ziemlich unnötig.

Dass sich unsere Städte diesem Problem anpassen, war nur eine Frage der Zeit. In China gibt es schon seit 2014 Fußwege nur für Smartphone-Starrer, die auch „Smombies“ genannt werden. Jetzt schwappt die Idee nach Europa. Im belgischen Antwerpen gibt es ebenfalls einen Gehweg nur für Handynutzer und seit kurzem auch in Litauens Hauptstadt Vilnius.

Auf der Extra-Spur weisen auf den Boden gemalte Pfeile und eine sehr auffällige pinke Linie dem Smombie den Weg. Jetzt müssen sich die Menschen, die den Weg nutzen, nur noch auf eine gemeinsame Laufgeschwindigkeit einigen, sonst könnte sich ein schmerzhafter Domino-Effekt einstellen. Und Vilnius meint es wohl wirklich ernst: Um Unfälle im Straßenverkehr zu vermeiden, hat Bürgermeister Remigijus Simasius kürzlich verboten, beim überqueren von Straßen das Handy zu benutzen.

Wie schlecht es wirklich um uns steht und wie sehr uns die ständige Anwesenheit von Bildschirmen, auch im öffentlichen Raum, beeinflussen und auch beeinträchtigen kann, zeigt auch eine Kickstarter-Kampagne von zwei jungen Männern aus Kalifornien. Sie haben eine Brille entwickelt, die Bildschirme blockt. Der Träger sieht zwar noch die Umrisse eines Fernsehers, aber nicht, was darauf gerade gezeigt wird: Der Bildschirm sieht für sie schwarz aus. Die Brillen funktionieren vorerst nicht für Smartphones, aber für Fernseher und auch viele Computerbildschirme. Gründer Ivan Cash geht es darum, dass wir die Technik kontrollieren sollen und nicht umgekehrt. Dass es ein Bedürfnis danach gibt, zeigt sich deutlich: Die Kampagne läuft noch 22 Tage – doch schon jetzt ist das Ziel von 21.715 Euro weit übertroffen.

soas

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