Kampagne will Umgang mit dem Tod enttabuisieren

Mit knallbunten Särgen. Was steckt dahinter?

Ronja von Rönne spricht offen über ihre Depressionen. Und war von der Kampagne begeistert.

Foto: Delia Baum

Bunt gemustert, mit Figuren und Schriftzügen verziert, viel helles Rosa, abstrakte Symbole – die Rede ist hier nicht von Pop-Art-ähnlicher Kunst in einer hippen Galerie in Berlin-Mitte, sondern von Särgen. Auf dem Instagram-Account „mypersonalcoffin“, also „mein persönlicher Sarg“, sind derzeit Bilder von vier Särgen zu sehen, die auf den ersten Blick wenig mit dem zu tun haben, was wir sonst mit dem Tod verbinden: Trauer, gedeckte Farben, viel Schwarz.

Hinter der Kampagne steht der Bundesverband Deutscher Bestatter. Für „mypersonalcoffin“ haben vier Künstlerinnen und Künstler für vier Prominente, wie zum Beispiel Ronja von Rönne, einen ganz persönlichen Sarg gestaltet. „Mit allem beschäftigen wir uns intensiv und haben eine persönliche, dezidierte Meinung.
 Nur wenn es um den Tod geht, machen sich Angst und Ratlosigkeit breit. Zu tabuisiert ist der Tod in unserer Gesellschaft“, so die Verantwortlichen in einer Mitteilung. Das solle sich ändern.

Nicht jeder findet es gut, sich dem Thema Tod auf diese Weise zu nähern. Christian Streidt, Präsident des Bundesverbands Deutscher Bestatter, sagt: „Wir sind uns völlig im Klaren darüber, wie sehr das Thema Tod polarisiert und wie sehr weite Teile der Gesellschaft es verdrängen möchten.“ Dennoch sei es wichtig, in einen Dialog zu kommen.

Jeder der vier Prominenten hat schon einmal intensiv über den Tod nachgedacht: Ronja von Rönne spricht offen über ihre Depressionen, Jochen Schropp musste sich mit dem Tod seines Vaters auseinandersetzen. Tätowierer Philipp Eid war früher Polizist und hatte auf der Arbeit immer wieder mit dem Tod zu tun. Hennig Wehland hat sich seinem Podcast mit dem Tod seiner Mutter beschäftigt.

                                                                                                                                                         

Die Kampagne ist nicht nur Selbstzweck, sondern soll auch konkret helfen: Die Särge werden bald versteigert, das Geld kommt dem Wünschewagen des Arbeiter-Samariter-Bundes zugute. Wer sich wohl einen Sarg ersteigert? Ist das nicht für viele zu morbide? Die Macher hoffen auf Fans – und auf Galerien.

soas

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