Ein Jahr lang durften die Schweden fast alles twittern, was sie wollten.

Ein Jahr lang durften die Schweden fast alles twittern, was sie wollten.

Collage: jetzt.de / Bilder: freepik

Dem offiziellen Twitter-Account des Landes Schweden  stehen neue Zeiten bevor – langweiligere vielleicht, oder zumindest weniger absurde. In den vergangenen sieben Jahren hat jede Woche ein anderer schwedischer User den Account bespielt. Damit ist es Ende September vorbei. Das Land sollte durch die Augen der eigenen Bürger so gezeigt werden, wie es wirklich ist, schreiben die Initiatoren auf der Website des Projekts. Der aktuelle „Kurator“ kann twittern was und wie viel er oder sie möchte, solange die Inhalte nicht gegen das Gesetz verstoßen oder kommerziell sind. Jeder aktive Twitternutzer mit Wohnsitz in Schweden konnte sich bewerben. Am Ende des Projekts werden 356 verschiedene Kuratoren um die 200.000 Tweets versandt haben.

„Jedes Projekt hat irgendwann ein Ende. Es ist für uns Zeit, uns weiterzuentwickeln“, schreiben die Initiatoren auf der Website des Schwedischen Instituts. Einen konkreten Grund nennen sie nicht. Das Internet habe sich sehr verändert in den vergangenen sieben Jahren, sagen sie. Klar ist: Zu Beginn des Projekts gab es noch nicht so viele Hasskommentare und Trolle wie heute. Immer wieder habe es Probleme gegeben, so die Initiatoren, zum Beispiel mit rassistischen und sexistischen Kommentaren.

Jetzt ist es also bald vorbei. Zeit, noch einmal zurückzublicken auf ein paar besondere Momente.

Der allererste Kurator fing sich direkt den Spitznamen des "masturbierenden Schweden" ein: Nach seinen Freizeitaktivitäten gefragt, twitterte er: „Ich trinke jede Menge Kaffee, starre auf meinen Laptop und treffe Freunde. Ach und, weißt du, Selbstbefriedigung.“

Oder damals, im Februar 2017, als Donald Trump einfach einen Terroranschlag in Schweden erfand, woraufhin der Hashtag #lastnightinsweden durch die Decke ging und eine Debatte über Einwanderer in Schweden losgetreten wurde.  Auch der Schweden-Account, zu dieser Zeit in der Hand des 22-jährigen Max Karlsson, reagierte darauf.  „Eine Menge ist letzte Nacht in Schweden passiert. Es passieren ständig Dinge. Aber nicht die Art von Dingen, die Donald Trump verbreitet“, schrieb Karlsson. Später richtete er sich direkt an Trump: „Echt nett, dass Sie sich so kümmern. Fakt ist: Uns geht es gut.“

Im September 2017 machte die aktuelle Account-Inhaberin den anderen Twitter-Nutzern einmal klar, was Schweden wirklich ausmacht: „Wir glauben nicht an Gott. Wir vertrauen dem Staat mehr als der Familie. Und wir essen Marmelade zusammen mit Fleisch.“ Was angeblich bei einigen Schweden zur Aufarbeiterung tiefsitzender Identitätskrisen geführt hat.

Andere nutzten den Account vor allem, um Musik zu teilen oder aus ihrem Alltag zu berichten. Die Regierung wollte mit der Aktion bezwecken, dass Schweden im Ausland als offen und freundlich wahrgenommen wird. Auch darum bemühen sich diejenigen, die gerade die Hoheit über den Zugang haben, zeigt dieser Tweet:

Doch es gab auch Probleme: 2012 twitterte eine 27-jährige Nutzerin vom Account: „Was ist los mit Juden?“ und fing sich einen Shitstorm ein. Der Tweet ist heute nicht mehr verfügbar. Sie entschuldigte sich aber später und schrieb, sie habe nichts gegen Juden.

soas

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