„Da werden Drogen konsumiert, egal ob wir das wollen, oder nicht“

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Schon länger hat die neue rot-rot-grüne Koalition im Berliner Senat angekündigt, die Null-Toleranz-Politik ihrer Vorgänger zu beenden und einen liberaleren Umgang mit dem Thema Drogen anzugehen. Und dass dabei der Konsum mit Drogen in den Clubs eine besondere Rolle spielt, sollte sich eigentlich jeder denken können, der schon mal ein Wochenende in Berlin verbracht hat.

Überraschenderweise gibt es aber gerade zu diesem Thema bisher keinerlei gesicherte Erkenntnisse. Für die Berliner Politik scheinen die Partygewohnheiten ihrer Feier-Touristen bisher ein Buch mit sieben Siegeln, genährt von Halbwahrheiten und Pauschalisierungen.

Das soll sich nun ändern – und zwar mithilfe einer wissenschaftlichen Studie. Werden nun also bald Menschen in Laborkitteln durch die Clubs tigern und ahnungslose Druffies mit allerlei Instrumenten ausforschen? Wir haben bei Christoph Lang nachgefragt, dem Sprecher der Berliner Gesundheitsverwaltung.

jetzt: Herr Lang, wie muss man sich die Umsetzung einer Studie zum Drogenkonsum im Berliner Nachtleben vorstellen?

Christoph Lang: Ganz genau wissen wir noch nicht, wie die Studie ablaufen wird. Wir haben eine Ausschreibung gestartet, an der mehrere Fachinstitute teilnehmen können. Und die wissen, wie man so etwas durchführt. Natürlich wird da niemand über die Tanzfläche laufen und den Leuten auf die Schulter klopfen.

 

Ist es überhaupt möglich, Vertrauen zu den Feiernden aufzubauen? So weit, dass sie der Gesundheitsverwaltung lang und breit erklären, was sie heute so eingeworfen haben?

Man könnte zum Beispiel Fragebögen am Eingang auslegen, oder an der Garderobe. Das ist eine gängige Methode, die anderorts bereits erfolgreich angewendet wurde. Deshalb suchen wir ja nach einem fachlich anerkannten Forschungsinstitut, das Erfahrung auf dem Gebiet hat.

 

Wie stehen denn die Clubs selbst dazu?

Wir freuen uns, dass uns die Berliner Club Comission unterstützt, ein Zusammenschluss von Berliner Clubbetreibern und Partyveranstaltern. Aber wir haben auch nicht vor, nur in die Clubs zu gehen. Sicher werden wir auch Experten von Suchtstellen, Rettungsärzte oder Polizisten befragen.

 

Ist die Studie tatsächlich die erste ihrer Art?

Eine aktuelle empirisch-wissenschaftliche Studie zum Konsum vom Partydrogen fehlt uns in Berlin bisher. Und das bedeutet für uns erstmal: Grundlagenforschung. Berlin hat eine reiche Clubkultur, ein aktives Nachtleben. Da werden Drogen konsumiert, egal ob wir das wollen, oder nicht. Also zum Beispiel Cannabis, Amphetamine, Methamphetamine, Kokain und neue psychoaktive Substanzen, sogenannte „legal highs“.

 

Was ist das Ziel der Studie?

Unser Ziel ist es, die passenden Präventionsmaßnahmen zu entwickeln, um die Menschen vor dem Konsum und dessen Risiken zu warnen. Gefährlich ist zum Beispiel der Multi-Substanz-Gebrauch – und der ist gerade in Partykreisen verbreitet. Da nimmt man etwas um sich aufzuputschen, dann etwas, um diese Energie zu halten und dann noch etwas, um wieder runter zukommen.

 

„Unser Standpunkt ist, dass es weder hilft, den Drogenkonsum zu dämonisieren, noch, ihn zu bagatellisieren“

 

In den Medien liest man, dass ihre Behörde im Zuge der Studie auch ein sogenanntes Drug-Checking geplant hat. Dabei können Clubbesucher gratis ihre Drogen auf deren Zusammensetzung überprüfen lassen. Ist das tatsächlich Teil der Pläne?

In der Tat steht in der Koalitionsvereinbarung von SPD, Linkspartei und Grünen in Berlin, dass man prüfen will, ob Drug-Checking helfen kann, riskantem Drogenkonsum vorzubeugen. Aber so weit sind wir noch nicht. Die aktuelle Studie soll uns Hinweise geben, wie man Konsumenten von Partydrogen besser erreichen kann. Das wurde in der Öffentlichkeit oft direkt mit Drug-Checking gleichgesetzt, hat damit aber erst mal nichts zu tun.

 

Und langfristig? Wie steht Ihre Behörde zum Drug-Checking?

Wie gesagt, es ist in der Diskussion. Aber wir müssen erst einmal herausfinden, ob das Sinn macht. Da gibt es kontroverse Meinungen: Die einen sagen, dass man per Drug-Checking an die Zielgruppe herankommt. Die Gegenmeinung ist, dass Drug-Checking den riskanten Drogenkonsum anregt, da man über den Check ja sozusagen ein "Gütesiegel" für die Qualität seiner Droge bekommt. Nicht zu vergessen die rechtlichen Hürden: Nach deutschem Recht ist das nicht erlaubt und als Land Berlin können wir diese Gesetze nicht einfach ändern.

 

In Österreich wird das Drug-Checking ja darüber legitimiert, dass man es als wissenschaftliches Projekt deklariert und somit eine Ausnahmegenehmigung erreicht. Wäre das in Deutschland auch denkbar?

Einen rechtlich sicheren Weg für Drug-Checking müsste man in Deutschland erst noch finden.

 

Was erwidern Sie Menschen, die jede Form von Check für eine Animation zum Konsum halten?

Unser Standpunkt ist, dass es weder hilft, den Drogenkonsum zu dämonisieren, noch, ihn zu bagatellisieren. In Berliner Clubs werden Drogen genommen – das ist die Realität. Trotzdem ist das nach wie vor verboten, und das auch aus guten Gründen. Wenn man aber den Konsum schon nicht verhindern kann, muss man die Risiken bewusst machen. Unser oberstes Ziel ist Prävention.

 

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