Lukas eröffnet das erste Cannabis-Café Deutschlands

Eine vollständige Legalisierung von Gras wünscht er sich aber nicht.
Interview von Lara Thiede

Lukas (links) und Ivo (rechts), arbeiten zusammen mit Lukas' Frau an der Eröffnung des ersten Cannabis-Cafés Deutschlands, mit Namen „Cannameleon“.

Foto: privat

Lukas Schwarz (26) eröffnet am 26. Januar 2019 „Cannameleon“, das erste Cannabis-Café Deutschlands. Und das ausgerechnet im unterfränkischen Würzburg – in Bayern! Wie er damit an den Behörden vorbeigekommen ist, wen er in seinem Café erwartet und was er von einer Legalisierung von Cannabis hält, hat er uns am Telefon erzählt.

jetzt: Lukas, darf ich in deinem Café kiffen?

Lukas Schwarz: Wenn du Cannabis auf Rezept gekauft hast, darfst du es bei uns konsumieren, ja. Das unterscheidet uns auch von Hanfbars, die es in Deutschland bereits gibt: Dass wir einen abgetrennten Raum haben, in dem Schmerzpatienten ihre Medizin nehmen können. Die verschreibungspflichtigen Produkte können wir allerdings nicht selbst verkaufen, die müssen die Kunden dann mitbringen.

Warum ist dieser Raum wichtig?

Ich finde es einfach unmöglich, dass Schmerzpatienten oft schief angeschaut und verurteilt werden, wenn sie in der Öffentlichkeit ihr medizinisches Cannabis konsumieren. Man hört ja sogar immer noch von Leuten, die von der Polizei dafür abgeführt werden, dass sie gerade ihre Medizin nehmen. Das darf nicht sein! Ich finde daher wichtig, dass solche Menschen einen geschützten Raum (auch außerhalb ihrer Wohnungen) haben, in dem ihnen das sehr wohl möglich ist.

„Ich möchte mein Café nicht für den Missbrauch von Cannabis als Droge zur Verfügung stellen“

Medien schreiben, dass dein Mitarbeiter Ivo ebenfalls Cannabis auf Rezept bekommt. Weiht er den Raum also quasi ein?

Ja, das haben einige geschrieben. Es stimmt allerdings nicht. Ivo hat zwar chronische Rückenschmerzen, bekommt momentan aber noch kein Cannabis auf Rezept. Er hat lediglich viel Erfahrung mit CBD-Produkten, also mit Hanfprodukten, die in keiner Weise berauschend wirken und rezeptfrei erhältlich sind. Er will nun aber tatsächlich versuchen, medizinisches Cannabis verschrieben zu bekommen. Dabei unterstützen ich und meine Frau, die das Café mit mir betreibt, ihn auch.

Mal angenommen Gras würde demnächst legalisiert – dürfte ich dann auch als gesunder Mensch bei dir kiffen?

Nein, eher nicht. Ich mag die Pflanze für ihre medizinische Wirkung, nicht für ihre berauschende. Ich möchte mein Café also nicht für den Missbrauch von Cannabis als Droge, die ja durchaus schädlich wirken kann, zur Verfügung stellen. Es geht bei uns ausschließlich um die heilende Wirkung der Pflanze. Bei uns wird deshalb auch nur CBD, kein THC verkauft. Während THC nämlich berauschend wirkt, wirkt CBD heilend. Zum Beispiel in Form von CBD-Ölen und -Pasten, die Leuten mit Parkinson oder epileptischen Anfällen helfen können.

Bist du also gegen die Legalisierung von Cannabis?

Jein. Ich persönlich finde, dass es nur medizinisch verschrieben werden sollte. Also bin ich zumindest gegen eine vollkommene Legalisierung. Andererseits fände ich gut, wenn die Gesetze zu Cannabis gelockert würden. Denn so könnte man alles besser kontrollieren. Ich verurteile beispielsweise total diese hochgezüchteten Sorten, die man teilweise auch in der Apotheke bekommt, in denen über 20 Prozent THC drin sind. Gut wäre an einer Legalisierung auch, dass man Cannabis nicht mehr aus Kanada und den Niederlanden importieren müsste. Meiner Meinung nach sollte Cannabis aber immer nur in Fachgeschäften verkauft werden.

„Wir müssen darauf achten, keine Heilsversprechen zu machen“

Du bezeichnest dein Café ja auch als „Kaffee- und Gesundheitsshop“. Hört sich ein bisschen nach Apotheke an. Müsst ihr die Leute da nicht auch entsprechend beraten?

Es gibt einen wichtigen Unterschied zur Apotheke, den man sehen muss: Unsere Produkte sind nicht verschreibungspflichtig. Natürlich können wir die Kunden ein Stück weit beraten, wir – also meine Frau, Ivo und ich – kennen uns da jeweils schon ganz gut aus. Allerdings müssen wir darauf achten, keine Heilsversprechen zu machen. Das können wir nämlich nicht – es fließt schließlich viel zu wenig Geld in die Forschung, um sicher sagen zu können, was wem wie sehr hilft. In unserem Laden gibt es aber auch viele Bücher, mit denen die Kunden sich bei einem Kaffee oder veganem Essen tiefer einlesen können.

Ich stelle mir das nicht ganz einfach vor, für die Eröffnung eines Cannabis-Cafés an den Behörden „vorbeizukommen“.

Aber es war gar nicht mal so schwierig. Wir haben ja nichts hier, was in irgendeiner Form berauschend wirkt. Ich denke, die haben einfach relativ schnell verstanden, dass wir Cannabis nicht als Droge missbrauchen wollen, sondern uns auf die medizinische Wirkung konzentrieren. Deshalb gab es da keine Probleme, wir sind ja auch vom Gericht und der Apothekerkammer geprüft.

Was meinst du: Kann das Café in einer Stadt wie Würzburg Erfolg haben? Wer werden deine Gäste sein?

Ich bin mir relativ sicher, dass viele Leute ein solches Café wollen, eben auch außerhalb von Großstädten wie Berlin. Die Reaktionen sind hier bisher fast durchweg positiv. Nur ältere Menschen denken manchmal, wir würden hier drin böse Drogen verkaufen. Aber die lassen sich das dann auch erklären und sind danach besänftigt.

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