manterrupting jetzt
Bild: Betc

Wer miterleben will, wie oft Frauen in einem Gespräch unterbrochen werden, muss sich gar nicht erst ein Trump-Clinton-Wahlkampfduell ansehen. Meist reicht schon der Abend in der Kneipe, die Konferenz am Morgen oder das Gespräch beim Mittagessen.

Das sogenannte "Manterrupting", also das mehr oder weniger bewusste Unterbrechen und Nicht-Ausredenlassen von Frauen, ist Teil unseres Alltags – wobei Studien gezeigt haben, dass sowohl Männer als auch Frauen unterbrechen. Die Unterbrochenen aber sind zu einem wesentlich höheren Anteil die Frauen.

Die neue App "Woman Interrupted" konzentriert sich deshalb auf die unterbrechenden Männer: Sie soll über das Smartphone-Mikrofon erkennen, wann ein Mann einer Frau ins Wort fällt und daraus eine Statistik errechnen.

In erster Linie ist die App damit für Frauen gedacht, die überprüfen wollen, wie oft sie in ihrem Alltag nicht ausreden können. Zunächst muss die Nutzerin ein Profil anlegen und einzelne Sätze ins Mikrofon sprechen, womit die App laut Hersteller die Stimmfärbung festhält und sie von den tieferen, männlichen Stimmen unterscheiden kann.

Will sie ein Gespräch auf die Häufigkeit von Unterbrechungen prüfen, muss sie den roten Rec-Knopf drücken. Bei jeder wahrgenommenen Unterbrechung taucht ein "x" auf dem Bildschirm auf. Eine Unterbrechung registriert die App laut den brasilianischen Entwicklern der Agentur BETC über die Überlagerung der hochfrequenten, weiblichen Stimme durch eine tiefere männliche. Ist das Gespräch beendet, kann die Nutzerin die Aufnahme (die übrigens nicht im Smartphone oder einem Server gespeichert wird) anhalten und sehen, wie oft und wann sie nicht ausreden konnte.

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Auch als Mann lässt sich ein Profil anlegen. Damit soll man herausfinden können, ob man selbst dazu neigt, andere zu unterbrechen. Allerdings dürften die daraus resultierenden Ergebnisse weit weniger aussagekräftig sein, da sich der Nutzer der eingeschalteten App bewusst ist und sein Verhalten höchstwahrscheinlich entsprechend anpassen wird.

Von drei Unterbrechungen in einer Frau-Mann-Konversation erkannte die App leider nur eine

In einem kleinen Test in unserer Redaktion fiel das Ganze noch sehr ungenau aus. Von drei absichtlich und mit möglichst bassig-bauchiger Stimme herausgegrunzten Unterbrechungen in einer Frau-Mann-Konversation erkannte die App leider nur eine. Bei einem zweiten Testlauf erkannte die App wiederum Männer, wo keine waren. Die registrierte weibliche Stimme hatte einfach nur einen Text vorgelesen, ganz ohne Unterbrechungen. Auch eine hochfrequentere Stimmlage half nicht bei der Unterscheidung – wobei eine feministisch motivierte App, die Frauen dazu bringt, fiepsiger zu reden, wohl ihren Zweck verfehlt hat.

Auf ihrere Website versprechen die Entwickler allerdings, ihre App in Zukunft noch wesentlich präziser zu machen. Aus den gesammelten Unterbrechungs-Statistiken wollen sie außerdem eine Weltkarten-Pinnwand mit den Orten erstellen, an denen am meisten unterbrochen wird.

 

Und auch wenn es an der Genauigkeit noch ziemlich hapert, hilft die App dem Nutzer oder der Nutzerin vielleicht wenigstens, genauer auf Unterbrechungen im Alltag zu achten und dabei zu merken: Sie sind verbreiteter als man denkt.

 

qli

 

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