Wie Joko und Klaas die Goldene Kamera bloßstellten

Und warum sie damit den Fernsehpreis jetzt offiziell zum Hampelmann-Preis machen.
Von Max Sprick
Foto: Jörg Carstensen / dpa

Die Show beginnt mit der Antwort auf die Frage, die sich ziemlich sicher ganz Fernseh-Deutschland seit der Verleihung der Goldenen Kamera gestellt hat: Wie und warum haben Joko und Klaas, die Moderatoren von Circus Halligalli, einen Doppelgänger von Hollywood-Star Ryan Gosling in die Preisverleihung eingeschleust?

Zunächst das "Warum?": Weil Joko und Klaas nichts können, nichts erreicht haben und keine Hollywood-Stars sind. Das alles behaupten sie übrigens selbst von sich in der ersten Folge ihrer Show nach dem #goslinggate. Aber: Nur wer was kann, was erreicht hat, oder Hollywood-Star ist, der bekommt überhaupt eine Goldene Kamera. Genau die wollten Joko und Klaas haben. Als sie sich vor etwa einem halben Jahr mit ihrer Redaktion zusammensetzten, sei die Frage aufgekommen, was sie vor dem Ende ihrer finalen Halligalli-Staffel noch erreichen wollten. „Das ärgerliche Missverständnis, dass wir noch keine Goldene Kamera bekommen haben, wollen wir auflösen“, habe Klaas dann gesagt, erzählt er nun. Ihm und Joko wurde aber schnell klar: „Auf die herkömmliche Weise würde das nicht mehr klappen.“ Blöd.

Also suchten sie jemanden, der was kann, was erreicht hat. Einen Hollywood-Star zum Beispiel. Und kamen recht schnell auf Ryan Gosling, der als „La La Land“-Hauptdarsteller ja gerade in aller Munde sei.

Soweit die Auflösung des „Warum“. Direkt im Anschluss widmen sich die beiden der nächsten drängenden Frage: Wie?

Und was dann folgt, macht das ganze #goslinggate noch schlimmer.

Schon recht direkt im Anschluss an die Preisverleihung hatte Pro Sieben ein paar Informationen preisgegeben, wie der falsche Ryan Gosling eingeschleust werden konnte. Joko und Klaas hatten eine Fake-Agentur gegründet, die der Funke-Mediengruppe Ryan Gosling anbot, hatten eigens eine Homepage designt und dann ihren Doppelgänger, abgedeckt durch eine Entourage von Mitarbeitern, unbemerkt in die Halle geschleust.  

 

Ryan Gosling (der echte) war nämlich gar nicht für die goldene Kamera nominiert gewesen. Nach ihrer Mail an die Redaktion der Goldenen Kamera, in der sie Gosling der Show anboten (unterzeichnet von Katharina Dolus, weil Dolus lateinisch ist und „Streich“ bedeutet, hihi) habe die Redaktion exakt 90 Sekunden später angerufen und das Angebot dankend angenommen. Aber: Das reichte Joko und Klaas ja wegen der fehlenden Nominierung nicht. Also ließen sie einen Mitarbeiter noch mal beim ZDF anrufen, der eine Auszeichnung für Gosling forderte. Sonst könne er nicht dafür sorgen, dass der große Star die Veranstaltung besucht. „Der kann ja nicht nach Deutschland kommen und ohne Preis nach Hause fahren!“

Klang für die Leute beim ZDF offensichtlich einleuchtend. Kurzerhand sei beschlossen worden, „La La Land“ auszuzeichnen. „Wer als Hollywood-Star gerade mal zufällig in der Stadt ist, bekommt halt ’nen deutschen Fernsehpreis“, schlussfolgert Joko.

Wie aber den falschen Gosling in die Halle bekommen, ohne dass er auffällt? „Wir haben den frechsten Anforderungskatalog an die ZDF-Redaktion geschickt, den wohl je ein Star in Deutschland gestellt hat“, sagt der lachende Klaas in die Halligalli-Kamera. „Wir konnten es selbst kaum glauben, die haben das alles akzeptiert.“

Gosling würde nicht über den roten Teppich laufen müssen, keine Interviews geben, nicht in der ersten Reihe des Saals während der Rest-Show sitzen müssen – er durfte nicht mal vom Moderator der Verleihung begrüßt oder gebrieft werden.

So konnte der Münchner Koch Ludwig Lehner als Ryan Gosling die Bühne betreten, ohne aufzufallen. Mit dicker Kapuze auf dem Kopf war er durch den Backstage-Bereich gekommen und genau so flüchtete er wieder nach draußen. Sofort nach seinem „In Hamburg sagt man tschüüüüß“ verschwand die Fake-Crew mit schwarzen VW-Bussen. Und der Goldenen Kamera. 

"Als wäre ich auf Drogen oder vollgesoffen gewesen"

 

Als Joko und Klaas  gestern bei Circus Halligalli nach all der Aufklärung den Besuch von Ludwig Lehner alias Ryan Gosling ankündigen, erhebt sich das Publikum und klatscht frenetisch. Dann kommt er, „der Mann der Stunde“, für Joko. „Der größte Held, den ich in meiner jungen Karriere kennenlernen durfte“, sagt Klaas. Und Ludwig Lehner? Der darf die Goldene Kamera präsentieren, sich feiern lassen und in ein paar Sätzen noch mal von der Aktion erzählen. Wie er sich gefühlt habe? „Als wäre ich auf Drogen oder vollgesoffen gewesen.“

 

„Er kann ihnen jeden internationalen Preis beschaffen“, steht auf seiner Bauchbinde. „Tja, wir haben einen neuen Weg gefunden, wie wir Auszeichnungen gewinnen können“, sagt Joko. Sein Mit-Moderator nimmt dann noch den gemeinsamen Kollegen Steven Gätjen in Schutz, der nicht eingeweiht worden, aber auf der Bühne der Goldenen Kamera cool geblieben war und seine Überraschung souverän runtermoderiert hatte. „Hinter dem kannste ein Haus in die Luft sprengen, der moderiert weiter.“

 

Chapeau, sagen Joko und Klaas zwar in Gätjens Richtung. Entschuldigen tun sie sich nicht. Sie sagen nur: „Das war für uns alle doch nur ein Witz.“ Für die Veranstalter der Goldenen Kamera dürfte das eher nicht gelten. Sie haben zwar eine Menge Publicity durch den Vorfall bekommen, stehen durch Joko und Klaas’ Auflösung der ganzen Sache aber noch mehr als leichtgläubige, naive Organisatoren da, die das Prinzip ihrer Show verraten, nur damit sie von einem Hollywood-Star besucht wird.

 

Bei aller moralischen Kritik an dem Prank der beiden, auf einen Gegner eingeschlagen zu haben, der eh schon seit Jahren am Boden liegt, müssen sich die Veranstalter sehr wohl auch Kritik gefallen lassen. Wenn sie ihre Goldene Kamera nicht komplett zu einem Hampelmann-Preis verkommen lassen wollen, müssen sie ihre Grundsätze bei der nächsten Verleihung überdenken. 

Mehr dazu: 

  • teilen
  • schließen