Trotz des Gehates im Vorfeld:"Ghostbusters" macht krass viel Spaß

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Typen gibt’s, die melden sich sogar bei Youtube an, um einem Filmtrailer schlechte Noten zu geben, weil sie vor 30 Jahren mal jung waren. Und der Meinung sind, dass durch genau diesen Filmtrailer ihre 30 Jahre zurückliegende Kindheit plötzlich versaut sein soll. Man mag es einfach nicht glauben, aber genau so geschah es tatsächlich - im Frühjahr 2016.

Als der Trailer für den Film „Ghostbusters“ im März auf Youtube online gestellt wurde, hatte er binnen kürzester Zeit einen Negativrekord geknackt: Es war der am schlechtesten bewertete Filmtrailer aller Zeiten. Und warum? Weil Regisseur und Drehbuchautor Paul Feig es gewagt hatte, die vier Hauptrollen seines Remakes mit Frauen zu besetzen. Und nicht mit Männern! Der absolute Horror für viele Männer, deren Selbstwertgefühl offenbar auf so wackeligen Beinen steht, dass ein Kinderfilm es zum Einstürzen bringen kann.

Dabei ist der neue „Ghostbusters“-Film eines bestimmt nicht: ein Angriff oder eine Absage auf das Original oder auf Männer. Es ist im Gegenteil  ein extrem lustiger und unterhaltsamer Film, dessen Zielgruppe gut 30 Jahre jünger ist als all die alten Säcke, die sich im Internet versammelt haben, um an einer virtuellen Gruppentherapie in den Youtube-Kommentarspalten teilzunehmen. Aber das war vermutlich kaum abzusehen bei einer Handlung, die sich ungefähr so zusammen fassen lässt:

Abby Yates (Melissa McCarthy) und Erin Gilbert (Kristen Wiig) waren in der High School beste Nerd-Freundinnen, die sich mit Übersinnlichem beschäftigten und sogar ein Buch zum Geisterthema schrieben. Nach der Schule merkte Erin jedoch schnell, dass sie mit diesen Ansichten kaum aus der Nerd-Ecke herauskommen würde und begann, ernsthaft Physik zu studieren. Jetzt ist sie kurz davor, nach vielen Jahren eine Professur an der renommierten Columbia-University zu bekommen, als sie entdeckt, dass ihre frühere Freundin Abby das gemeinsame Buch aggressiv im Internet bewirbt – ein Mann, in dessen Haus es spukt, sucht sie mit eben jenem Buch an der Uni auf und bittet sie um Hilfe.

Ein Über-Technik-Nerd, die aus einer Bratpfanne und zwei Ess-Stäbchen eine Protonen schleudernde Waffe basteln könnte 

Weil das ihren Ruf als ernsthafte Wissenschaftlerin und ihre Zukunft an der Uni gefährdet, sucht Erin Abby auf und fordert sie auf, das Buch sofort aus dem Netz zu nehmen. Abby hat mittlerweile in Jillian Holtzmann (Kate McKinnon) eine neue Kollegin gefunden, mit der sie an der Erforschung des Übersinnlichen arbeitet. Holtzmann ist ein Über-Technik-Nerd, die auch aus einer Bratpfanne und zwei Ess-Stäbchen eine Protonen schleudernde Waffe basteln könnte und deren Umgangsformen sich mit „gewöhnungsbedürftig“ zusammenfassen lassen.

Die drei machen sich auf, den Spuk-Phänomen des besorgten Mannes auf den Grund zu gehen – und werden prompt von einem Geisterwesen mit grünem Schleim übergossen. Erin wird dabei von ihren Partnerinnen gefilmt und gegen ihren Protest werden die Aufnahmen sofort auf Youtube gestellt – als Beweis für die Existenz übersinnlicher Wesen.

Natürlich wird Erin im Netz zum Gespött der (Männer-)Welt und in Folge dessen in hohem Bogen aus der Uni geschmissen. Die drei gründen daraufhin eine Agentur zur Erforschung paranormaler Phänomene. Bald schließt sich ihnen Patty Tolan (Leslie Jones) an, die bei der New Yorker U-Bahn beschäftigt ist und in einem U-Bahn-Tunnel selbst eine Begegnung mit einem Geist hatte.

Als Sekretär stellen sie den ebenso attraktiven wie trotteligen Kevin (Chris Hemsworth) ein, der es nicht mal auf die Reihe bringt, ein Telefon zu bedienen, aber da er so schön ist und zudem der einzige Bewerber für die Stelle, wird er trotzdem eingestellt. Und dann werden Geister gejagt. Und jede Menge gönnerhafte Männer abgewehrt, auf Youtube-Kommentare reagiert und sehr, sehr viel Schleim verspritzt.

Bis in die kleinste Nebenrolle hochkarätig besetzt

Wie in den beiden ersten Teilen von 1984 und 1989 eben auch. Nur in einer anderen Besetzung, die aber mindestens genauso brilliant gecastet ist, wie damals: Drei der vier Hauptdarstellerinnen kommen aus der „Saturday Night Live“-Schule: Leslie Jones ist seit zwei Jahren Teil des Ensembles, Kate McKinnon seit 2012. Kristen Wiig war von 2005 bis 2012 Teil des Ensembles und hat seitdem eine beachtliche Filmkarriere hingelegt.  

 

„Saturday Night Live“ ist eine Comedy-Livesendung, die seit 1975 jeden Samstagabend auf NBC ausgestrahlt wird. Fast alle legendären amerikanischen Comedians - und darunter auch zwei Ghostbusters-Darsteller der ersten beiden Filme  -  haben irgendwann mal dort angefangen: Von Chevy Chase, Billy Murray, Dan Aykroyd über Eddie Murphy bis Chris Rock, Will Ferrell, Tina Fey und Amy Poehler. SNL gilt als die vielleicht härteste Comedy-Schule. Rein kommen da nur die Allerbesten. 

 

Aber auch der Rest der neuen Ghostbusters-Besetzung ist bis in die kleinste Nebenrolle hochkarätig: Melissa McCarthy ist spätestens seit ihrer Rolle der Köchin Sookie St.James in „Gilmore Girls“ eine feste Größe in der amerikanischen Comedy-Welt. Andy Garcia spielt den eitlen Bürgermeister New Yorks, Cecily Strong (ebenfalls SNL-Mitglied) seine Assistentin. Die noch lebenden Original-Ghostbusters haben ebenfalls Kurzauftritte: Bill Murray spielt den herablassenden Skeptiker Dr. Martin Heiss, Dan Aykroyd einen Taxifahrer.  Sigourney Weaver hat einen kleinen Auftritt als Jillian Holtzmanns Mentorin,  Ernie Hudson spielt Patty Tolans Onkel.

 

Originelle und liebevolle Hommage 

 

Regie und Drehbuch stammen von Paul Feig, der seit einigen Jahren fast nur noch Filme mit weiblicher Besetzung dreht. Von ihm stammte „Brautalarm“, „Spy“, und „Taffe Mädels“. Er hatte seinen Durchbruch mit der herzzereißenden (und viel zu kurzen) Fernsehserie „Freaks and Geeks", die von Judd Apatow produziert wurde. Produziert wurde der Film von Ivan Reitman, der beim ersten Film 1984 Regie geführt hatte, und von Dan Aykroyd, der das Original für sich und seinen SNL-Kumpel Jon Belushi geschrieben hatte, der jedoch vor Beginn der Dreharbeiten starb.

 

Das Ergebnis ist eine sehr originelle, liebevolle Hommage an das Original von 1984. 3D-Effekte wechseln sich mit klassischen Schleim-Ergüssen ab. Der analogen Schrott-Technikverliebtheit der beiden ersten "Ghostbusters" wird gefrönt und gleichzeitig die Auswirkungen der sozialen Medien (und insbesondere selbstgerechter Youtube-Kommentatoren) ziemlich klug kommentiert. Genauso wie bei Murray, Aykroyd und Ramis wechseln sich "physical comedy" mit albernen Momenten ab. Und genauso wie bei den Ursprungs-Ghostbustern ist das Team zusammen unschlagbar und unschlagbar komisch.

 

Aber selbst die Tatsache, dass sämtliche Original-Ghostbusters in irgendeiner Form an dem aktuellen Film beteiligt sind, wird all die bösen Youtube-Kommentatoren nicht davon abhalten, einen Film scheiße zu finden, der weder für sie gemacht wurde, noch in irgendeiner Form ihre Kritik verdient hat. Im Gegenteil: Zuletzt musste sich Leslie Jones von Twitter abmelden, nachdem sie von einem rassistischen und sexistischen Mob mit übelsten Beleidigungen überzogen worden war. Der Grund? Ihre Rolle in „Ghostbusters“, einem Film, der ab 12 Jahren freigegeben ist und der als Ferien-Spaß für die ganze Familie vermarktet wird.

Man mag in manchen Männer-Hirnen wirklich nicht drin stecken.

 

 

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