davidbiene offstage jan delay ger
Foto: David Biene

David Biene zeigt Musiker und Bands in dem Moment, in dem sie für ihn am schönsten sind: direkt nach ihrem Auftritt. Wenn sie nassgeschwitzt nach ihrer Zugabe von der Bühne kommen, drückt der Berliner Fotograf ab. So entstehen seine beeidruckend ehrlichen, ungestellten Fotos.

jetzt: Ein verschwitzter, erschöpfter Musiker, der direkt nach seinem Auftritt von der Bühne kommt und für den man nur einen Augenblick hat, um ihn zu fotografieren. Gibt sicher angenehmere Fotomotive, oder?

David Biene: Ehrlich gesagt: Nein. Ich bin der erste Mensch, den die Künstler nach der Show sehen. In diesem Moment ein anständiges Foto zu schießen erfordert Vorbereitung, Erfahrung und Konzentration. Vor allem hinter der Kamera, einer klassischen Mittelformatkamera, einer Hasselblad, mit der ich  analog auf Diafilm fotografiere. Ich mache kein DriveBy-Shooting, sondern halte den Moment fest, in dem der Künstler seine maximale Authentizität zeigt. Im Durchschnitt in nur 5-6 Belichtungen.

Ohne Regie-Anweisungen?

Komplett ohne! Das ist der Rahmen meiner Arbeit. Sie ist der Versuch, die KünstlerInnen in maximaler Echtheit abzubilden. Ohne Bearbeitungen, Verstärkungen und ohne Montagen.

Wiz Khalifa

Wiz Khalifa

Foto: David Biene
Die Mannequin

Die Mannequin

Foto: David Biene
Annett Louisan

Annett Louisan

Foto: David Biene
Marteria

Marteria

Foto: David Biene
Biffy Clyro

Biffy Clyro

Foto: David Biene
Jan Delay

Jan Delay

Foto: David Biene
Charles Bradley

Charles Bradley

Foto: David Biene
Guitarwolf

Guitarwolf

Foto: David Biene
Kadavar

Kadavar

Foto: David Biene
Imelda May

Imelda May

Foto: David Biene
Queens Of The Stone Age

Queens Of The Stone Age

Foto: David Biene

Wie kamst du da drauf?

Ursprünglich habe ich Musiker für Magazine und Plattenfirmen fotografiert. Auch wenn man sich da bemüht, eine authentische Atmosphäre beim Shooting zu schaffen – sie ist doch immer irgendwie künstlich und gestellt. Ich habe mich dann gefragt: Wo ist der Musiker am ehrlichsten? Wo ist er genau so, wie er ist? Dazu kommt auch noch meine Begeisterung für Livemusik und die Energie eines guten Konzerts.

Und die Antwort versteckte sich hinter der Backstage-Tür.

Genau. Nach einem Konzert sprüht der Künstler nur so vor Adrenalin, vor Energie und Leidenschaft. Da denkt kaum einer drüber nach, wie er jetzt gucken, stehen oder aussehen muss. Er ist für die ersten Momente wirklich einfach nur er oder sie selbst.

Seit wann machst du das?

Ich habe 2005 angefangen, aber die Serie zwischendurch immer mal wegen anderen Projekten wie meinem ersten Bildband 'Hopped-Up' unterbrochen. Die erste Band, die ich so für OFFstage fotografiert habe, war die Punk-Band „Agnostic Front“. Inzwischen müssten es 122 Bands und Künstler sein.

Welcher war der coolste?

Definitiv der Soulsänger Charles Bradley. Er kam erst hinter die Bühne, nachdem er jeden einzelnen Zuschauer seiner Show umarmt hatte. Dann war er total aufgewühlt und ergriffen. Oder die Band Bonaparte. Mein Foto war quasi stellvertretend für deren Show: Die geben auf der Bühne alles – und ich glaube, das hat mein Bild ganz gut rübergebracht.

Dürfen wir es sehen?

Sorry, aber das Bild gibt es ausschließlich in meiner Ausstellung mit einigen anderen aus der Arbeit zu sehen. Ab 6. Oktober für zwei Wochen hier in der Galerie „Sevenstar Gallery“ in Berlin-Mitte.

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