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Diese Bilder sollen Nacktheit entsexualisieren

Sophia Vogel fotografiert gegen Schönheitsideale an.
Von Josef Wirnshofer
  • Normale Aktivitäten nur in nackt - cover
    Foto: Sophia Vogel; Bearbeitung: jetzt

Schon mal nackt im Büro gesessen? Nackt am Tresen gestanden und Bier ausgeschenkt oder nackt im Wald spazieren gegangen? Nein? Stimmt schon, eigentlich sind das Dinge, die wir angezogen machen. Weil wir draußen vor der Tür daran gewöhnt sind, Anzüge, Jeans, Shirts, jedenfalls irgendwas aus Stoff zu tragen. Weil wir uns viel zu sehr schämen würden, komplett unbekleidet in die U-Bahn zu steigen. Nacktsein, das gehört unter die Dusche, in die Sauna, ins Bett.

Auf den Fotos von Sophia Vogel machen die Menschen aber genau das: Alltäglichkeiten erledigen, ohne Klamotten. Mit ihrem Fotoprojekt „With and without“ möchte die junge Berliner Fotografin dazu beitragen, das Nacktsein zu entsexualisieren. Möchte es loslösen von sexuellen Klischees, pornösen Werbungen und den makellosen Körpern, die uns auf unseren Bildschirmen entgegenflimmern. Sophia Vogel sagt: „Durch die modernen Medien wird man mehr denn je mit Schönheitsidealen überschüttet. So bewertet man sich selbst und andere Menschen nach anderen Kriterien. Dabei steht weniger zur Debatte, ob man sich in seiner Haut auch wohl fühlt.“

„With and without“, das heißt: Sophia Vogel fotografiert ihre Models zweimal, immer im gleichen Setting. Einmal sind sie angezogen, einmal nicht. Dazu trifft sie die Menschen in ihren Wohnungen, in der Bar, in der sie arbeiten oder in dem Park, in dem sie ihre Slackline aufspannen. Seit April 2016 macht sie das, inzwischen hat sie über 70 Menschen fotografiert.

Die meisten Teilnehmer, die Sophia für ihr Projekt getroffen hat, haben sich selbst bei ihr gemeldet. Über ihre Homepage oder über Instagram. „Wenn ich Termine in WGs habe, kommt es auch oft vor, dass die Mitbewohner spontan mitmachen“, sagt sie.

In der Regel dauern die Shootings eine halbe Stunde. Sophia telefoniert vorab mit den Teilnehmern, fragt sie nach ihren Hobbys, nach Dingen, die ihnen wichtig sind. Damit fotografiert sie sie dann. Wie die Menschen reagieren, wenn sie zum ersten Mal vor ihrer Kamera stehen? „Manche haben schon mehr Erfahrung damit, vor anderen Menschen nackt zu sein, sogar auch vor Fotografen. Andere aber überwinden sich, um ein Zeichen für sich zu setzen.“

Wenn Sophia Vogel ihr Projekt abgeschlossen hat, möchte sie „With and without“ als Fotobuch veröffentlichen. Über eine Startnext-Kampagne sammelt sie gerade Geld dafür. Das Buch soll 50 Fotografien ihres Projektes beinhalten und zeigen, „dass jeder schön ist, so wie er ist.“ 

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      Foto: Sophia Vogel
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      Foto: Sophia Vogel
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      Foto: Sophia Vogel
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      Foto: Sophia Vogel
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      Foto: Sophia Vogel

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