„Frauen wollen das Wahlrecht gar nicht haben“

Das Netz feiert hundert Jahre #Frauenwahlrecht - inklusive kritischem Blick zurück.

Am 19. Januar 1919, also vor hundert Jahren, durften Frauen in Deutschland das erste Mal wählen. Was heute eine Selbstverständlichkeit ist (wenn auch nicht in allen Ländern der Welt), wurde damals nur nach langem Kampf möglich: Seit Deutschlands erster Wahl einer verfassungsgebenden Nationalversammlung 1848 in der Frankfurter wiesen Frauenrechtlerinnen immer wieder darauf hin, dass echte Freiheit nur erreicht werden könne, wenn auch Frauen politisch repräsentiert werden. Bis das dann aber auch wirklich umgesetzt wurde, vergingen noch einmal schlappe 60 Jahre. Grund genug, dass nicht nur auf offiziellen Festveranstaltungen von der Politik dem Jahrestag gedacht wurde. Auch im Netz trendete #Frauenwahlrecht. Dafür musste man allerdings erst einmal ein paar gruselige Blicke zurückwerfen:

Gleichzeitig wurde aber natürlich auch den Frauen und Parteien gedacht, die das Frauenwahlrecht maßgeblich vorangetrieben haben:

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#GRLPWR Boost! 🎊 Am Samstag ist es so weit: vor 100 Jahren, am 19. Januar 1919 konnten Frauen in Deutschland zum ersten Mal wählen und gewählt werden. 300 Frauen kandidierten und 37 weibliche Abgeordnete zogen ins Parlament ein. Über 80 % der wahlberechtigten Frauen gaben ihre Stimme ab. Unsere (unvollständige) Liste derjenigen Frauen, die das #Wahlrecht erstritten und erkämpft haben, soll auch daran erinnern, dass die #Gleichstellung von Frauen und Männern (politisches) Engagement braucht – auch und gerade heute noch. 1. Emma Ihrer Die Gewerkschafterin Emma Ihrer setzte sich für die Erwerbstätigkeit von Frauen ein und gründete bereits 1885 den „Verein zur Vertretung der Interessen der Arbeiterinnen“, der schon bald verboten wurde. Zudem wurde sie 1890 als erste Frau in die Generalkommission der Gewerkschaften gewählt. Gemeinsam mit Clara Zetkin forderte Emma Ihrer auf Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz 1910 das allgemeine Wahlrecht für Frauen. Die Einführung des Frauenwahlrechts erlebte sie jedoch nicht mehr: Emma Ihrer starb 1911. 2. Anita Augspurg Die Frauenrechtlerin und erste promovierte Juristin Deutschlands, Anita Augspurg, gründete 1902 gemeinsam mit ihrer Lebensgefährtin Lida Gustava Heymann den ersten Deutschen Verein für Frauenstimmrecht. Zu diesem Zeitpunkt forderten lediglich die sozialdemokratische Partei und nicht einmal die bestehenden Frauenrechtsorganisationen das #Frauenwahlrecht – umso radikaler war die Gründung des Vereins durch Augspurg und Heymann, die später auch feministische Zeitschriften herausgaben wie z.B. „Die Frau im Staat“ ab 1919. 3. Marie Juchacz Die Sozialdemokratin Marie Juchacz, die später die AWO gründete, war eine der ersten 37 Frauen, die 1919 ins Parlament einzogen. Vor allem war sie am 19. Februar 1919 die allererste Frau in Deutschland, die vor einem demokratisch gewählten Parlament das Wort ergriff. Sie leitete ihren Redebeitrag mit den Worten „Meine Herren und Damen! Es ist das erste Mal, dass in Deutschland die Frau als freie und gleiche im Parlament zum Volke sprechen darf“ ein und erhielt dafür Beifall aus den eigenen Reihen, wurde aber auch für ihre „Lebhaftigkeit“ getadelt.

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100 Jahre Frauenwahlrecht, ein Grund zu feiern, aber auch um innezuhalten und zu schauen, wohin wir uns heute bewegen. Die Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten können auf eine lange Tradition zurückblicken wenn es um den Kampf für die Rechte von Frauen geht. Bereits 1891 nimmt die SPD auf ihrem Parteitag in Erfurt die Forderung nach einem Wahl-und Stimmrecht für Frauen in das Parteiprogramm auf. Dabei gilt meine Anerkennung den Frauen, die entgegen aller bestehenden Widerstände vor 100 Jahren für sich und für uns Frauen die Teilhabe an politischen Prozessen erkämpft haben. Als erste Frau in einem deutschen Parlament spricht die Sozialdemokratin Marie Juchacz: „Ich möchte hier feststellen ..., daß wir deutschen Frauen dieser Regierung nicht etwa in dem althergebrachten Sinne Dank schuldig sind. Was diese Regierung getan hat, das war eine Selbstverständlichkeit: sie hat den Frauen gegeben, was ihnen bis dahin zu Unrecht vorenthalten worden ist.“ Wir sind es Kämpferinnen wie ihr schuldig, dass wir uns mit dem erreichten nicht zufriedengeben. 100 Jahre später mag viel erreicht sein, aber es macht mich wütend zu sehen, dass nur so wenig Frauen in den Parlamenten vertreten sind. Dass nach 100 Jahren Frauenwahlrecht noch immer nicht die Hälfte der Sitze an Frauen geht, kann nur bedeuten, dass das Wahlrecht überarbeitet werden muss. Wir müssen den Frauen ihre ihnen zustehenden Plätze garantieren. Lass uns heute feiern, aber auch innehalten und die Kämpfe die wir noch führen müssen nicht aus den Augen verlieren. 💕💪🏽 #100jahrefrauenwahlrecht #Frauenwahlrecht #jetztparität #mehrfrauenindiepolitik

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Aber ist nun, 100 Jahre später, die Gleichberechtigung vollbracht? Keineswegs:

Insbesondere Deutschland hat da noch einiges nachzuholen:

Wie gut, dass zeitgleich zum deutschen Jubiläum weltweit Frauen beim Women's March für Gleichberechtigung auf die Straße gingen (ihre kreativesten Plakate siehst du hier). Das macht Hoffnung, dass in wenigen Jahren nicht nur Gleichberechtigung beim Wählen, sondern auch in den Parlamenten herrscht. 

chha

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