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Rapper Lil Nas X hat sich als schwul geoutet

Am 30. Juni performte Lil Nas X auf dem Glastonbury-Festival. Am gleichen Tag outete er sich als schwul.
Foto: Getty Images/Ian Gavan

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„Manche von euch wissen es schon, manchen von euch ist es egal, manche von euch werden sich jetzt von mir abwenden. Aber bevor dieser Monat vorbei ist, möchte ich, dass ihr euch alle c7osure nochmal ganz genau anhört“, twitterte der 20-jährige Rapper Lil Nas X am 30. Juni und fügte ein Regenbogen-Emoji an. Damit löste der Rapper, der vor Kurzem mit seinem Hit „Old Town Road“ weltweit berühmt wurde, eine ganze Flut an Reaktionen aus: über eine halbe Millionen Likes, 100 000 Retweets, fast 10 000 Kommentare.

Mit „dieser Monat“ meinte er den Pride Month Juni, bei dem weltweit die LGBTQ-Comunity gefeiert wird. Im Song „c7osure“ rappt Lil Nas X darüber, dass er sich endlich frei machen möchte, sich nicht mehr verstellen will und die Ängste, die ihn zurückhalten, vergessen. Der Song ist so das Coming-out eines jungen Musikers.

Eigentlich sollte es kein Grund zur Aufregung sein, wenn ein Musiker sich als schwul outet. In den Szenen des Raps und der Countrymusik (die zwei Musikrichtungen, die Lil Nas X verbindet) löst das aber immer noch Kontroversen aus. Das zeigen auch die homophoben Kommentare unter dem Tweet.

Viele Fans schrieben, die Sicht, die sie auf ihn und den Song hatten, habe sich nun komplett verändert. Lil Nas X rappt darin nämlich unter anderem darüber, dass er sein „Baby“ betrogen habe. Dass er damit wohl einen Mann gemeint hat, sprengt offenbar die Weltsicht einiger Hörer*innen. Außerdem wurde die Line „I'm gonna ride 'til I can't no more“ Gegenstand vieler homophober Witze.

Diese Kommentare sind allerdings deutlich in der Unterzahl. Die meisten feiern den 20-jährigen Rapper. Und der wischte die negativen Antworten mit humorvollen Tweets einfach bei Seite. Sein Verhalten zeigt so, dass der Wandel zu einer freien Gesellschaft selbst vor der Welt des Rap und der Countrymusik keinen Halt macht.

Lil Nas X zeigte schon einmal, allerdings ganz anders, wie wenig er von den Konventionen des Rapgames, der eingefahrenen Country-Kultur und der Musikbranche im Allgemeinen hält. Von seinem eigenen Computer aus produzierte er den Song „Old Town Road“, promotete ihn über Twitter, YouTube und TikTok und landete dabei auf Platz eins der Country-Charts, der Hiphop-Charts und schließlich der gesamten Billboard-Charts. Doch dabei beließ er es nicht. Dort, an der Spitze, steht er mittlerweile seit 13 Wochen, „Old Town Road“ ist inzwischen das erfolgreichsten Rap-Lied der Geschichte. All-Time-Classics wie „Lose yourself“ von Eminem, „I’ll be missing you“ von Puff Daddy und Ushers „Yeah“ ließ er dabei ebenfalls hinter sich.

Sollte der Song noch vier weitere Wochen an der Spitze stehen, stünde er dort sogar von allen Songs jemals am Längsten. Diesen Platz in den Musik-Geschichtsbüchern beanspruchen derzeit noch Mariah Carey und Boyz II Men mit „One Sweet Day“ und Luis Fonsi, Daddy Yankee und Justin Bieber mit der US-Version von „Despacito“. Sein größter Konkurrent könnte allerdings Lil Nas X selbst sein. Denn der Rapper hat gerade sein erstes Album „7“ gedroppt. Sein neuer Song „Rodeo“, der Cardi B. featured, hat nach einer Woche auf YouTube schon 21 Millionen Views – und das alles ohne echtes Video.

rawe

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