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Diese Mexikaner haben ein Taxiunternehmen nur für Frauen gegründet

Denn in Mexiko wird im Schnitt alle drei Stunden eine Frau umgebracht.
Interview von Liza Marie Niesmak
  • Die Gründer von Laudrive setzen auf rosa Taxis und weibliche Fahrer
    Foto: Laudrive

Laudrive ist ein mexikanisches Start-up, das in Deutschland vermutlich floppen würde. Denn der Markt für das Taxi-Unternehmen basiert darauf, dass Frauen in Mexiko gefährlich leben. 

Im September 2017 ging der Fall einer Studentin um die Welt, die von ihrem Taxifahrer verschleppt, vergewaltigt und ermordet wurde. Laut einer UNO-Studie wird in Mexiko im Durchschnitt alle drei Stunden eine Frau umgebracht. Deswegen bietet Laudrive in der Hauptstadt Mexiko City seit rund einem Jahr Taxis nur für Frauen an und stellt nur weibliche Fahrerinnen ein, 1.300 sind es bislang. Allein die drei Laudrive-Gründer und Geschäftsführer sind männlich.

Kürzlich wurden sie von Forbes Mexiko unter die „Top 30 der vielversprechendsten Gründer“ gewählt. Ihre noble Idee bringt ihnen nicht nur Renommee, sie lohnt sich für Luis Fernando Montes de Oca (29), Gerardo Álvarez (31) und Jorge de la Hoz (26) auch wirtschaftlich: mit der Laudrive App, die bisher rund 100.000 Mal runtergeladen wurde, haben sie 2017 laut Forbes-Schätzung etwa eine halbe Millionen Euro Umsatz gemacht.

jetzt:Eure Grundidee ist nicht neu: Bereits in den Neunzigern gab es die Firma „Los taxis rosas“, die Taxis nur für Frauen mit weiblichen Fahrerinnen anbot. Sie waren pink angestrichen. Warum gibt es das Unternehmen heute nicht mehr? 

Luiz Fernando Montes de Oca: Das Problem von „Los taxis rosas“ war, dass die Frauen schlichtweg nicht wussten, wo sie die pinken Taxis finden konnten. Es gab zu wenige davon und es war umständlich, sie zu bestellen. Der Vorteil von Laudrive ist unsere App, mit der man innerhalb von drei Klicks ein Taxi ordern kann.

Eure Taxis sind bis zu 20 Prozent teurer als gewöhnliche Taxis. Frauen zahlen also einen höheren Preis für ihre Sicherheit. Fair? 

Die Fahrer anderer Taxi-App-Unternehmen haben uns gesagt, dass sie nicht ausreichend bezahlt werden. Sie müssen mehr als zwölf Stunden pro Tag arbeiten, um vernünftiges Geld zu verdienen. Deswegen haben wir uns dazu entschieden, unsere Fahrpreise um 15 bis 20 Prozent anzuheben, sodass unsere Fahrerinnen davon profitieren. Wir glauben, dass das auch für die Kundinnen in Ordnung ist.

Wie fühlt es sich an, Geld damit zu verdienen, dass es für Frauen in Mexiko vergleichsweise gefährlich, im schlimmsten Fall lebensgefährlich, ist, in ein Taxi zu steigen?

Unser Fokus ist es nicht, Geld zu verdienen, sondern Firmen zu gründen, die sich positiv auf das Leben von möglichst vielen Menschen auswirken. In diesem Fall Frauen, denen wir außerdem die Chance geben, einen Job auszuüben, den sie sonst nicht unbedingt machen würden – eben weil er leider zu gefährlich für sie ist.

Wäre es nicht besser, sich dafür einzusetzen, die Gewalt gegen Frauen generell in den Griff zu bekommen?

Das Problem mit der Sicherheit von Frauen ist tatsächlich ein viel zu großes in Mexiko. Ich denke aber, dass wir ein Zusammenspiel aus privaten Institutionen und Regierungsinstitutionen brauchen, um dieses Problem zu lösen. Wir alleine können das nicht schaffen.

Die App beinhaltet auch einen Notfall-Button, sowohl für die Nutzerin als auch für die Fahrerin. Wie oft wurde der schon betätigt?

Bisher gab es dazu zum Glück noch keinen Anlass dafür. 

Woher kommt eigentlich der Name Laudrive?  

Laudrive ist einer Kombination der Wörter „Laúd” und „drive“. Die Laúd (dt. Laute, vom arabischen al oud) ist ein arabisches Instrument, dass ikonografisch für Harmonie steht. Wir wollen damit ausdrücken, dass man in unseren Taxis in Harmonie durch die Stadt fährt. 

Hat es noch andere Vorteile, mit weiblichen Fahrerinnen zu arbeiten?

Unsere Erfahrung zeigt, dass Frauen verantwortungsvoller sind. Sie fahren umsichtiger und halten ihr Auto besser in Schuss als männliche Fahrer. Außerdem verstehen sie sich gut mit den Kundinnen. Am Ende wollen wir, dass eine Gemeinschaft unter den Fahrerinnen entsteht. Daher laden wir sie einmal monatlich zu einem Treffen ein, wo sie sich über Gesundheit, Ernährung und persönliche Finanzen informieren können. 

Was hat deine Mutter gesagt, als du ihr von eurer Geschäftsidee erzählt hast?

Sie sagte, dass Frauen in Mexiko in vielen Bereichen vernachlässigt würden und dass es gut sei, dass wir etwas für Frauen tun

Gibt es Pläne, Laudrive auch in anderen Städten oder Ländern anzubieten?

Ja, wir wollen in diesem Jahr noch innerhalb Mexikos nach Puebla, Guadalajara, Monterrey und Querétaro expandieren. Und in 2019 dann auch ins Ausland, unter anderem nach Brasilien, Kolumbien und Spanien. 

Du hast vier Monate in Köln gelebt. Welche Erinnerungen hast Du an Taxifahrten hier?

Dass ich dort gelebt habe, ist nun schon sechs Jahre her. Ich habe ein paar Mal ein Taxi genommen, aber ich hatte niemals eine weibliche Fahrerin. Damals hatte ich natürlich noch keine Ahnung, dass ich einmal eine Taxi-App für Frauen machen würde.

Werdet ihr eines Tages von Autos, die von Frauen gesteuert werden, auf selbstfahrende Autos umsteigen? 

Als Start-up müssen wir schnell und innovativ sein, denn das Umfeld ist extrem kompetitiv. Selbstfahrende Autos sind eine gute Innovation und wir sollten uns regelmäßig erneuern und dabei verschiedene Wege ausprobieren. Gleichzeitig ist es für uns am wichtigsten, dass unsere Kundinnen und Fahrerinnen zufrieden sind.

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