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Allison stellt Ärsche an Orten auf, an denen Frauen vergewaltigt wurden

Manche der Hintern sprechen sogar – mit den Stimmen der Opfer, zu denen die Ärsche gehören.
Interview von Lara Thiede
  • arschskulpturen cover
    Fotos: Allison Bouganim

Die 19-jährige Künstlerin Allison Bouganim aus den USA hat die interaktive Kunstserie „Wax That Ass“ erschaffen. Dabei modelliert sie Hintern von Frauen, die Opfer von Vergewaltigung geworden sind. Die „Ärsche“ aus Pappe und Wachs installiert sie dann zeitweise an Orten, an denen diese Frauen vergewaltigt wurden oder an denen sexuelle Belästigung und Gewalt besonders häufig vorkommt. Mit uns spricht sie darüber, was sie antreibt, warum sie Hausverbot in Einkaufszentren hat und wie unterschiedlich Frauen und Männer auf die Ärsche reagieren.

 

 

jetzt: Allison, du bist damit bekannt geworden, dass du Skulpturen weiblicher Ärsche an öffentlichen Orten aufstellst. Worum geht es bei deiner Kunstserie „Wax That Ass“ genau?

Allison Bouganim: Bei „wax that ass“ dreht sich alles um eine Reihe von interaktiven Arsch-Skulpturen aus Wachs und Pappe. Sie soll sexuelle Belästigung ironisch und provokativ kommentieren – und bekämpfen. Die Ärsche mögen auf manche Menschen nämlich wie ein Spaß wirken, gehören aber tatsächlich zu Vergewaltigungsopfern. Ich nehme für jede Skulptur einen Abdruck von der Betroffenen. Dann festige ich diesen mit Gips und überziehe das Ganze mit Wachs in der Farbe ihres Hauttons. Am Ende statte ich die Ärsche noch mit Knöpfen und Sensoren aus. Wenn man sie berührt, machen die Skulpturen Geräusche oder sagen bestimmte Sätze, die die Opfer eingesprochen haben. Die Ärsche stelle ich danach dort auf, wo die Frauen vergewaltigt wurden. Manchmal platziere ich die Skulpturen aber auch einfach an Orten, von denen bekannt ist, dass es dort häufig zu sexueller Belästigung und Übergriffen kommt.

 

Was glaubst du, damit erreichen zu können?

„Wax that ass“ ist nicht nur ein Kunstprojekt. Es ist vielmehr eine soziale Bewegung. Sie kann Frauen die Kraft geben, furchtlos zu sein und für sich selbst einzustehen. Denn das Ganze ist so provokativ aufbereitet, dass niemand die Aktion ignorieren kann: Die Geschichten der Frauen werden nicht nur erzählt, sondern tatsächlich auch gehört. Das macht einen großen Unterschied. Denn wenn eine Frau nur von sexueller Belästigung erzählt, wird ihr oft unterstellt, sie würde lügen. Ihr wird dann gesagt, sie solle nicht mehr darüber sprechen. „Wax that ass“ gibt diesen Frauen nun eine Plattform.

 

Wie stellst du Kontakt zu den Frauen her, die dir ihre Hintern für „wax that ass“ zur Verfügung stellen?

Als ich von Miami nach San Francisco zog, traf ich zufällig eine Frau, die eine Dokumentation über Vergewaltigung – auch über ihre eigene – und das Leben der Opfer danach drehte. Ich erzählte ihr von meiner Idee. Während ich ihr das Projekt erklärte, nahm sie meine Hand und bedankte sich. Sie wollte mir dabei helfen. Durch ihre Dokumentation kannte sie viele Vergewaltigungsopfer. Sie stellte mich den meisten meiner Modelle vor.

 

„Männer schleichen ängstlich um die Ärsche herum“

 

Du stellst die Skulpturen ohne Genehmigung auf. Hast du deshalb schon mal Ärger bekommen?

Ja. Ich habe schon mal ein paar Ärsche im Supermarkt in der Fleischabteilung aufgestellt und fotografiert. Ich wurde deshalb aus dem Laden geworfen und habe jetzt Hausverbot bei jedem Supermarkt dieser Kette in der Region. Wirklich Angst hatte ich einmal, als ich die Ärsche auf dem Dach eines Polizeiautos aufstellte. Als ich dann mit den Skulpturen im Gepäck wieder wegfuhr, folgte mir ein Polizeiwagen über eine Strecke von etwa drei Meilen. Am Ende gab es keinen Ärger, aber ich war schon sehr nervös.

 

 

Wie reagieren Menschen auf die Ärsche? Gibt es da unterschiedliche Reaktionen von Frauen und Männern?

Meine Lieblingsbeschäftigung ist tatsächlich, die Leute dabei zu beobachten, wie sie mit den Skulpturen interagieren. Frauen haben wenig Hemmungen, die Ärsche anzusehen oder anzufassen. Sie reagieren immer positiv auf die Serie. Belästigung ist für sie ein allgegenwärtiges Thema, jede von ihnen kann sich mit den Opfern irgendwie identifizieren. Männer sind dagegen fast schon ängstlich. Sie schleichen um die Ärsche herum, gucken ständig, ob ihnen jemand zusieht, wenn sie eine der Skulpturen berühren. Es wirkt, als wollten sie sich versichern, dass es okay ist, wo sie gerade hinfassen. Ich finde das urkomisch, weil das im echten Leben ja offensichtlich meist ganz anders ist.

 

Du hast neben der großen Serie „wax that ass“ auch eine kleinere Teilserie gemacht, die du „trumped“ genannt hast. Wie kamst du darauf und was willst du damit zeigen?

Donald Trump ist der wichtigste Mann unseres Landes und gleichzeitig einer, der Frauen immer wieder sexuell belästigt hat. Ich fand es deshalb wichtig, ihm eine eigene Serie zu widmen. Sie besteht aus orangenen Arsch-Skulpturen, aus denen blonde Schamhaare kommen. Die stehen natürlich repräsentativ für Trumps Toupet. Die Skulpturen haben Sensoren, die schreckliche Sätze aufsagen – die Trump eben tatsächlich schon über Frauen losgelassen hat. 

 

Hast du sexuelle Belästigung auch selbst schon erlebt? Sind deine eigenen Erfahrungen ein Grund dafür, dass du dieses Projekt angefangen hast?

Meine Erfahrungen mit sexueller Belästigung sind sogar der Grund dafür. Ich bin in Miami aufgewachsen, dort ist ganz normal, Frauenkörper auf ihre sexuellen Reize zu reduzieren. Blöde Sprüche abwehren zu müssen, gehört dort zur Tagesroutine. Ich glaube, dass auch diese Formen von sexueller Belästigung angesprochen und als ernsthaftes Problem anerkannt werden müssen. Je mehr wir darüber reden, desto früher wird es nicht mehr in Ordnung sein, sich so zu verhalten.

 

 

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