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Sind viele Selfies ein Zeichen für eine psychische Störung?

Ja, behauptet eine aktuelle Studie. Benutzt dafür aber einen Krankheits-Begriff, der umstritten ist: Selfitis.
Von Charlotte Bastam
selfitis cover
Foto: criene / photocase

Menschen, die viele Selfies von sich machen, könnten psychisch krank sein. Das haben die britischen Forscher Mark D. Griffiths und Janarthanan Balakrishna in einer nun erschienenen Studie angeblich herausgefunden. 

„Selfitis“ nennen sie die Krankheit. Der Begriff stammt aber nicht von den Forschern selbst. Erstmalig wurde er in einer Zeitungsmeldung von 2014 genannt, in der es hieß, die „American Psychiatric Association“ hätte Selfitis als echte Krankheit anerkannt – was sich aber ziemlich schnell als falsch herausstellte. Dennoch übernahmen die britischen Forscher nun den Begriff.

Die Studie führten die Forscher in zwei Phasen unter 400 indischen Studenten durch. In Indien leben die meisten Facebook-Nutzer und es ist gleichzeitig das Land, in dem die meisten Menschen sterben, während sie ein Selfie machen, weil sie sich dabei an besonders gefährlichen Orten aufhielten oder unachtsam waren.

In ihren Ergebnissen greifen die Forscher die drei Stadien der Selfitis auf, die ebenfalls in der Falschmeldung von 2014 genannt wurden:

1. Borderline: Trifft auf dich zu, wenn du mindestens drei Selfies von dir am Tag machst, aber diese nicht auf Social Media veröffentlichst.

2. Akut: Hier wird es schon kritischer. In dieser Gruppe bist du, wenn du mindestens drei Selfies machst und danach auch wirklich postest.

3. Chronisch: Unter der chronischen Selfitis, der höchsten Stufe, leidest du, wenn du mindestens sechs Selfies am Tag machst, diese dann auf Social Media postest und dabei die Kontrolle verloren hast, darüber zu entscheiden, ob du das überhaupt tun willst.

Besonders gefährdet sind laut der Studie Menschen, die wenig Selbstvertrauen besitzen oder Anschluss suchen.

 

Das klingt zwar alles plausibel – aber auch diese Kategorien, wurden bisher noch nicht offiziell anerkannt.

Ein Gutes hat die Studie aber doch: Wenn du dein eigenes Selfie-Verhalten überprüfen willst, kannst du den Fragebogen der Forscher mit 20 typischen Selfie-Verhalten ausfüllen. Dabei bewertest du die verschiedenen Aussagen mit 1 = trifft überhaupt nicht zu bis 5 = trifft vollkommen zu. Die Aussagen drehen sich zum Beispiel um Akzeptanz, Aufmerksamkeit und sozialen Wettbewerb. Je nach dem, wie hoch deine Punktzahl ausfällt, könntest du an einem Stadium der Selfitis leiden.

 

Als Antwort auf die Studie warnte ein Sprecher des Royal College of Psychiatrists in einem Artikel des Telegraph davor, das übermäßige Knipsen von Selfies vorschnell zu pathologisieren und betonte nochmals, dass es diese Krankheit nicht gebe und auch nicht geben sollte. Also keine Sorge: Auch bei einer hohen Punktzahl musst du dein Handy nicht sofort das Klo runterspülen.

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