Wie das Lipödem Lauras Alltag beeinflusst

Die Radiomoderatorin über Schmerzen, teure OPs und ihre Entscheidung, öffentlich über ihre Krankheit zu sprechen.
Interview von Elena Bavandpoori

Laura Larsson ging wegen ihres Lipödems zum Arzt – und wurde erst mal überhaupt nicht ernstgenommen.

Foto: privat Bearbeitung: jetzt

Laura Larsson, Moderatorin  bei „Radio Fritz“ und dem Podcast „Herrengedeck“, leidet unter der Krankheit Lipödem. Lipödem ist eine Störung der Fettverteilung im Körper. Vor allem an Beinen, Hüfte und auch an den Armen vermehrt sich das Fett krankhaft und wird zu einer schmerzhaften Belastung. Die Krankheit bricht nur bei Frauen aus. Laura spricht auf Instagram offen über die Krankheit und hat sich mit uns über die Auswirkungen, anstehende OPs und die hohen Kosten unterhalten.

jetzt: Wann hast du gemerkt, dass sich dein Körper verändert?

Laura Larsson: Das kam schon in der Pubertät. Aber vergangenen Mai hatte ich ein echtes Schlüsselerlebnis. Ich habe mir morgens eine Jeans angezogen. Sie passte mir ganz normal, saß sogar eher etwas locker. Dann habe ich bei „Fritz“ die Sendung für fünf Stunden moderiert und als ich nach Hause bin, dachte ich: „Hä, spinn’ ich?“ Ich konnte meine Beine kaum noch bewegen. Jede Stufe beim S-Bahnhof fiel mir schwer, weil meine Beine so brannten und wehtaten. Ich merkte, die Hose war mir über den Tag hinweg zu klein geworden. Das wurde dann immer schlimmer.

Hast du dir dann ärztliche Beratung gesucht?

Ich habe erstmal das gemacht, was man nicht machen sollte. Ich habe im Internet recherchiert. Davor war ich schon bei einem Arzt, aber der meinte nur, dass ich mal weiter Beinübungen machen soll. Er hat das nicht ernst genommen. Mit der Zeit bin ich dann auf Videos und Foren gestoßen, die Lipödem thematisieren. Ich war echt geschockt, weil alle Symptome auf mich zutrafen. Danach hab ich mir einen Facharzt gesucht, der auf Lipödem spezialisiert ist. Es gibt nicht viele, die sich damit gut auskennen. Das kann man den Ärzten aber auch nicht vorwerfen, weil das nicht mal Bestandteil des Medizinstudiums ist. Als der Facharzt und noch zwei weitere Ärzte Lipödem bei mir diagnostiziert hatten, entschied ich: „So, ich nehme diese Krankheit jetzt an.“

„Mich kosten die OPs insgesamt 20 000 Euro“

Du hast beschlossen, Lipödem mit OPs zu behandeln. Da geht es dann nicht nur um eine OP, wo das Fett aus dem Körper genommen wird, sondern in deinem Fall um vier Eingriffe. Was bewegt dich jetzt zu diesem Schritt?

Ich hab meine Freunde im Sommer fragen müssen, ob wir einen See finden, wo ich meine Beine kühlen kann, weil ich nicht mehr lange spazieren konnte. Da habe ich keine Lust mehr drauf. Ich bin selbst eine Schisserin, ganz ehrlich. Aber die andere Möglichkeit wäre es, für immer Kompressionsstrümpfe zu tragen. Die sind unbequem, schmerzen und es dauert ewig, sie anzuziehen. Die Optik spielt da für mich eine untergeordnete Rolle. Es kam einfach der Punkt, wo es mich körperlich eingeschränkt hat.

Wie war das Feedback, als du öffentlich über die Krankheit gesprochen hast?

Das Feedback war generell positiv. Aber es kamen auch ein paar Kommentare auf Instagram wie ‚sei mal vegan, dann geht das schon weg’ oder, dass ich doch nur eine Fettabsaugung will. Es gab auch Frauen mit der Lipödem-Erkrankung, die wütend darüber waren, dass ich mich operieren lassen kann. Lipödem-OPs werden nicht von der Krankenkasse übernommen, schon gar nicht im mittleren Stadium wie bei mir. Anders als Adipositas gilt Lipödem nicht als Volkskrankheit. Mich kosten die OPs insgesamt 20 000 Euro, 5000 pro Eingriff. Es gibt Patientinnen mit noch schwereren Stadien der Krankheit, die sich das nicht leisten können. Da entsteht Verzweiflung. Diese Krankheit macht wütend, das verstehe ich.

„Die haben sich selbst die Schuld gegeben und sind in Essstörungen reingerutscht“

Bei Frauenkrankheiten scheint es ein Muster zu geben, dass den Betroffenen nicht geglaubt wird und sie fehldiagnostiziert werden. Wie siehst du das?

Klar, ich habe auch Endometriose und da wurde mir vom Arzt nur angeboten, die Pille oder andere Hormone zu nehmen. Da habe ich mich auch nicht ernst genommen gefühlt. Man leidet und dann wird man noch betitelt, als wäre man zu weinerlich. Das ist das Schlimmste. Das macht psychisch kaputt. Ich habe mit Mädels Kontakt, die bei der Lipödem-Krankheit nicht ernst genommen wurden. Die haben sich selbst die Schuld gegeben und sind in Essstörungen reingerutscht.

Rückt die Aufmerksamkeit auf deine beruflichen Projekte in den Hintergrund, weil du öffentlich über deine Krankheit sprichst?

Ich glaube nicht, dass das in den Hintergrund rückt. Ich rede gerne über Lipödem, weil es Leute gibt, die davon nichts wissen. Einige Mädels merken durch meine Posts, dass sie das auch haben. Vielleicht bringt es etwas, wenn man mehr darüber liest, schreibt und hört. Diese Krankheit senkt definitiv die Lebensqualität und genügend Frauen wissen noch nicht einmal, dass sie das haben.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat beschlossen, Patientinnen mit Lipödem im Stadium 3 das Absaugen von Körperfett durch die gesetzlichen Krankenkassen zu finanzieren. Die neue Kassenleistung wird voraussichtlich im Januar 2020 in Kraft treten und gilt zunächst befristet bis Ende 2024.

  • teilen
  • schließen