In Melbourne heißen U-Bahn-Stationen vielleicht bald "Winterfell"

Die Bewohner können dort Namensvorschläge für neue Haltestellen einreichen. Die Favoriten: Orte aus "Game of Thrones".
Illustration: Daniela Rudolf

So langsam reicht’s aber auch. Die aktuelle Staffel von „Game of Thrones“ ist grad rum, alle reden drüber, schreiben drüber, twittern, snappen: klar. Dass keine Unikantine, keine Eckkneipe, kein Feierabendstammtisch ohne Exkurse nach Westeros auskommt: auch klar. Trotzdem schadet es nicht, ab und zu festzustellen, dass es auch eine echte Welt, eine ohne Drachen, White Walkers und Zauberinnen gibt.

In Melbourne scheinen das viele Menschen anders zu sehen. Dort hat das Melbourne Metro Rail Project, das den Bau eines Tunnels mit fünf neuen U-Bahn-Stationen verantwortet, dazu aufgerufen, Namensvorschläge für die Stationen zu schicken. Innerhalb der ersten 48 Stunden sind dort mehr als 10.000 Vorschläge eingegangen. Die meisten davon: Ortsnamen aus „Game of Thrones“.

Der beliebteste Vorschlag ist derzeit „Winterfell“, aber auch „King’s Landing“, „Highgarden“ oder „The Eyrie“ würden vielen Teilnehmern gefallen. Bis zum 22. Oktober 2017 ist es noch möglich, Vorschläge einzureichen.

Australien mal wieder. Erst vor ein paar Wochen wurde dort über die „Lannaster Road“ diskutiert, in der Stadt Great Geelong, 80 Kilometer südlich von Melbourne. Dort sind in einer neuen Wohnsiedlung auch Straßen nach Stannis Baratheon oder Theon Greyjoy benannt. „Lannaster Road“ haben die Behörden dem Bauunternehmer aber nicht durchgehen lassen – es könne schließlich öffentliches Ärgernis auslesen, dass die Lannister-Geschwister Cersei und Jaime eine inzestuöse Beziehung führen. Die Behörden haben auch nicht akzeptiert, dass der Bezug durch die abgewandelte Schreibweise etwas verwischt wurde.

Vielleicht sollte man den Herrschaften beim Melbourne Metro Rail Project außerdem stecken, dass es bei öffentlichen Abstimmungen zur Namensgebung gerne mal knirscht und scheppert. Vergangenes Jahr im US-Bundesstaat Massachusetts zum Beispiel. Dort hat die Polizei über Twitter nach Namensvorschlägen für ihren neuen Polizeihund gefragt. Schlussendlich heißt er jetzt Hunter – obwohl doppelt so viele User sich „Mr. Spaghetti“ gewünscht haben.

 

Noch so ein Beispiel: Das National Environment Research Council in Großbritannien hat abstimmen lassen, wie sie ihr neues, 200 Millionen Pfund teures Forschungsschiff nennen sollen. Der Favorit: „RSS Boaty McBoatface“. Hat den Verantwortlichen aber nicht gefallen. Man wolle lieber einen Namen, der dem Schiff angemessener ist. Das Schiff wird nun nach dem Tierfilmer David Attenborough benannt werden. Ein kleiner Trost: der Tauchroboter des Schiffes wird Boaty McBoatface heißen.

 

Wenn die Verantwortlichen des Melbourne Metro Rail Project nun zu Namensvorschlägen aufrufen, sollten sie sich darüber im Klaren sein, dass nicht unbedingt die Vorschläge kommen werden, die sie sich wünschen. Also, bis demnächst dann, im Café an der Ecke Winterfell.

 

jwh

Mehr aus Westeros: