Stell dir vor, du hast Abifeier - und plötzlich hält der berühmteste Moderator des Landes eine Rede auf dich.

So geschehen am Wochenende, als die Absolventen der Marjory Stoneman Douglas High School in Parkland, Florida, ihren Abschluss feierten. Da trat plötzlich zur Überraschung aller Jimmy Fallon auf die Bühne und hielt auf diese Klasse eine Rede, in der einige Schüler sind, die fast ebenso bekannt sind wie Fallon selbst, weil sie Überlebende des Schulmassakers vom 14. Februar dieses Jahres sind, als ein ehemaliger Mitschüler 14 Schüler und drei Lehrer mit einem halbautomatischen Sturmgewehr erschossen und viele weitere verletzt hatte.

Vor allem ihre Reaktion auf diese Tragödie machte die Jugendlichen weltweit bekannt: Sie kämpfen seitdem für schärfere Waffengesetze, halten bewegende Reden, unter ihnen Emma Gonzalez und David Hogg, organisieren Protestaktionen, wie ein "Die-In" oder den "March for Our Lives" und nutzen die sozialen Medien, um mit dem Hashtag #NeverAgain gegen die Waffenlobby zu kämpfen. 

Die Klasse von Emma und David feierte nun am Wochenende nun das Ende ihrer Schulzeit. Und die Frage für die Organisatoren war: Wie kann man die Lebenden feiern und die Verstorbenen ehren? Und kann ein Außenstehender die Abschlussrede halten für eine Klasse, die so viel durchgemacht hat und so im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht? 

Jeffrey Foster ist einer der Lehrer der Schüler und er hat im Alleingang und sehr konspirativ organisiert, dass der Moderator der „Late Night Show“ Jimmy Fallon die Abschlussrede hielt. Fallon und Foster hatten sich bei der Demonstration „March for our Lives“ im März kennen gelernt und waren seitdem in Kontakt.

Fallon musste nun also eine Rede auf die Abschlussklasse halten, die durch ein schreckliches Ereignis und vor allem durch ihr Engagement danach weltberühmt geworden ist. Keine leichte Aufgabe, aber Jimmy Fallon blieb einfach er selbst: Die Rede wurde eher heiter und nur ein ganz klein bisschen politisch. So kokettierte er gleich zu Beginn mit seiner mangelnden Reife:

„Wenn man an Menschen denkt, die die Abschlussrede halten, denkt man an inspirierende, eloquente Menschen, die die Welt verändert haben. Denkt man an High-School-Kinder, denkt man an ziemlich unreife, leicht ungelenke Menschen, die immer noch lernen, was es ausmacht, erwachsen zu sein. Willkommen am Gegenteil-Tag.“

Seine Ratschläge für die jungen Absolventen sind divers und decken viele Lebensbereiche ab:

„Wenn sich etwas schwierig anfühlt, denkt daran: Es wird leichter. Entscheidet euch, weiterzugehen und nicht stehen zu bleiben. (...) Jede schlimme Erfahrung kann etwas Gutes hervorbringen. Manchmal können Erlebnisse, die sich wie ein Rückschlag anfühlen, unsere Leben in eine ganz andere Richtung führen, die wir nie für möglich gehalten hätten. So ein Erlebnis kann uns besser und stärker machen. Ihr habt das schon der ganzen Welt gezeigt.“

Die wichtigsten Ratschläge, die er aus seinem Leben ableitet, fasste er dann so zusammen:

„Friss nicht so viele Kohlehydrate. Außerdem: Höre anderen Menschen zu, es gibt so viele verschiedene Stimmen. Es gibt Gutes in allen Menschen. Wenn wir nur zuhören, dann finden wir es auch. Außerdem würde ich mir selbst sagen: Arbeite hart für alles. Ein Fuß vor den anderen setzen und weiter machen.(...) Pass gut auf dich selbst auf, mach hin und wieder dein Telefon aus und sei lieb, schreibe echte Briefe mit Briefmarken, sag „Hallo“ zu Menschen, sei nett zu Menschen und wenn du tanzt, dann tanze von innen heraus.

Der allerletzte Rat an die Absolventen ist dann sehr lebenspraktisch: „Wenn ich euch einen allerletzten Rat geben könnte, dann wäre der das: Bleibt im Handyvertrag eurer Eltern. Nutzt das so lange wie möglich aus, ihr habt nämlich keine Ahnung, wie teuer Mobilfunkverträge sind.

Doch am Ende fand Jimmy Fallon dann tatsächlich ernste und feierliche Worte für die Absolventen der Marjore Douglas Stoneman High School:

„Danke euch allen dafür, dass ihr uns gezeigt habt, wie Integrität und Mut und Tapferkeit aussehen, wenn man eine schreckliche Tragödie erlebt hat. Danke, dass ihr mir und der ganzen Welt gezeigt habt, dass es Hoffnung gibt. (...) Also macht so weiter. Danke sehr, dass ich bei euch sein durfte.“

Die Rede wurde von den anwesenden Schülern, Eltern und Lehrern gelobt, weil Fallon darin genau die richtige Mischung aus Leichtigkeit, Ernsthaftigkeit und Pathos gefunden habe.

Vor allem einige Medien kritisierten dagegen, dass Fallon wie immer viel zu unpolitisch gewesen sei und sich zu sehr auf seinen eigenen Charme verlassen habe. Diesen Vorwurf muss sich Fallon schon seit Beginn seiner Zeit bei der „Tonight Show“ gefallen lassen. Als deren Moderator hat er eigentlich den prestigeträchtigsten Job in der Late-Night-Welt der Amerikaner. Die „Tonight Show“ ist seit 1954 eine Institution im amerikanischen Fernsehen. Sie zu moderieren, gilt als die größte Ehre. Doch Jimmy Fallon, der in der Comedy-Sketch-Show „Saturday Night Live“ lernte, hat es nicht leicht, vor allem, seitdem Donald Trump Präsident ist. Trump war noch als Kandidat zu Gast in Fallons Show gewesen und der hatte den Mann nichts von Belang gefragt, sondern sich hauptsächlich für dessen Haare interessiert. Im Gegensatz zu so gut wie allen Late Night-Talkern blieb Fallon bei seiner unpolitischen Haltung und macht höchstens ein paar harmlose Witzchen über Trump. Das kommt allerdings bei den Zuschauern nicht so irre gut an. Anfang 2017 wurde die „Tonight Show“ erstmals von der „Late Night Show with Stephen Colbert“ in den Einschaltquoten überrundet – und zwar 16 Wochen in Folge. 

chwa

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