Warum Remakes wie „Batwoman“ höchstens pseudofeministisch sind

Spin-offs und Remakes mit Frauen sind eine coole Idee – wenn sie nur nicht so viele Klischees enthalten würden.
Von Tanja Koch

Illustration: jetzt

Ende Dezember veröffentlichte Amazon Prime die neue Serie „Batwoman“. Die Story beginnt drei Jahre nach dem Verschwinden von Batman. Klingt vielversprechend nach Female Empowerment, ist wie andere Remakes mit Frauen aber alles andere als feministisch. Die Rolle der Kate Kane (Ruby Rose) etwa besteht quasi nur aus Stereotypen. Sie ist lesbisch, trägt privat natürlich kurze Haare und lässig-rockige Kleidung. Im Batwoman-Kostüm kippt sie ins andere Extrem. Wallemähne, roter Lippenstift und die rote Fledermaus auf ihrem engen Superheldinnen-Outfit betont ihre Brüste. Klischeehaft sind auch die Beweggründe der Antagonistin Alice (Rachel Skarsten): Sie ist vom Vater enttäuscht und eifersüchtig auf die Stiefschwester. Eine Radio-Moderatorin, die ab und an aus dem Off zu hören ist, kritisiert, dass Batwoman so selten lächelt.

„Wir haben einen Geist gesehen, wir haben einen Geist gesehen!“

Theoretisch sind Spin-offs und Remakes mit weiblichen statt männlichen Hauptrollen eine gute Möglichkeit, mehr Schauspielerinnen auf die Bildschirme zu bringen. Nur etwa ein Drittel der erfolgreichsten Filme 2018 drehte sich um weibliche Hauptrollen, wie das „Center for the Study of Women in Television and Film“ herausfand. Inzwischen ist das Problem im Bewusstsein der Zuschauer*innen angekommen. Und Filme- und Serienmacher*innen wollen liefern. Doch leider trauen sie sich dabei viel zu wenig – und bleiben meist auf scheinbar massentauglichen Klischees hängen. Hauptsache, Frauen auf dem Filmplakat.

Dementsprechend schlecht kam beim Publikum auch das „Ghostbusters“-Remake von 2016 an. Der Film wirkt fast wie eine schlechte Parodie: In einer Szene hüpfen die Frauen (Kate McKinnon, Melissa McCarty, Leslie Jones und Kristen Wiig) auf und ab und rufen: „Wir haben einen Geist gesehen, wir haben einen Geist gesehen!“ Eine andere Szene dreht sich um das Vorstellungsgespräch für die Stelle des Sekretärs. Die seriöse Physikprofessorin Erin Gilbert (Kristen Wiig) mutiert beim Anblick des attraktiven Bewerbers (Chris Hemsworth) zu einem Dummchen. Trotz mangelnder Qualifikation stellen die Frauen ihn ein. Female Empowerment sieht anders aus.

Starker Cast, schwacher Inhalt

Der Film „Ocean’s 8“ steht schon besser da: großartiger Cast (unter anderem Sandra Bullock, Cate Blanchett, Rihanna), tolle Kostüme, aufwendiges Set. Aber auch dieses Spin-off hat die volle Bandbreite Klischees abbekommen: „Können wir nicht einfach so auf diese Gala gehen? Müssen wir etwas stehlen?“, jammert Familienmutter Tammy (Sarah Paulson). Daphne Kluger (Anne Hathaway) gibt sich als dümmliche Diva. Der Raub geht in High Heels über die Bühne, gestohlen wird eine Diamantkette. Natürlich, Frauen stehen nun mal auf Schmuck.

Weitere sogenannte Gender-Swaps sind in Planung. Demnächst etwa soll ein Remake von „Was Frauen wollen“ ins Kino kommen. Die weibliche Hauptfigur will ihre Fähigkeit, Gedanken zu lesen, dazu nutzen, in einer Männerdomäne Karriere zu machen. „The Hustle“ ist eine weibliche Version der Komödie „Zwei hinreißend verdorbene Schurken“ mit Anne Hathaway und Rebel Wilson in den Hauptrollen.

Gender-Swaps sind für Produzent*innen ein vermeintlich einfacher Weg, auf den feministischen Zeitgeist nach #metoo zu reagieren. Die Originale haben sich bewährt, da kann nicht viel schiefgehen – könnte man meinen. Zudem sparen sich die Macher die Suche nach einer Idee. Am Aufwand zu sparen und schlicht Männer- durch Frauen-Stereotype auszutauschen, ist aber nicht besonders klug. Nicht nur aus feministischer Perspektive – es macht Filme und Serien wie „Batwoman“ auch schlicht erwartbarer und eintöniger.

Bleibt zu hoffen, dass hinter den bereits geplanten Gender-Swaps keine so halbherzige Absicht steckt wie hinter „Batwoman“ und „Ghostbusters“. Und dass es in Zukunft mehr Produktionen gibt, die wirklich feministisch sind. Genügend Vorbilder gibt es: Jessica Jones etwa ist eine komplexe Figur jenseits aller Klischees und zudem witzig – ohne sich im „Ghostbusters“-Stil lächerlich zu machen. Selbst in spannenden Situationen bringt sie die Zuschauer*innen mit selbstironischem Humor zum Lachen, etwa als sie in einer Kampfszene fragt: „Herrgott, bin ich mittlerweile die einzige, die kein Karate kann?“ Captain Marvel, die Heldin einer Marvel-Produktion von 2019, funktioniert ohne viel Aufheben um ihr Geschlecht, sie trägt weder ein sexy Kostüm noch aufreizendes Make-up. Und in der Serie „Der Report der Magd“ („The Handmaid’s Tale“) stehen frauenverachtende Szenen niemals ohne Einordnung im Raum – sei es ein leidvoller Blick, der Empathie weckt, oder eine Figur, die sich für Gerechtigkeit einsetzt. Feministische Geschichten ohne Klischees gibt es genug. Die Produzent*innen müssen sich nur trauen, sie zu erzählen.

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