yogamatten cover
Illustration: Daniela Rudolf

Einatmen. Ausatmen. Den Körper spüren, bewusst werden, am besten in der freien Natur. Yoga ist Nachhaltigkeit für Körper und Seele, das Fair Trade unter den Ertüchtigungen. Ob man dafür nach Indien reist oder nur ins Studio um die Ecke – man tut es auf einer Matte. Und ausgerechnet diese Yogamatten werden oft unter miesen Bedingungen mit giftigen Chemikalien hergestellt, belasten die Umwelt und die Menschen, die sie produzieren müssen.

Ein Münchner Start-up will jetzt eine ökologisch unbedenkliche, nachhaltig gefertigte Yogamatte namens „hejhej-mat“ anbieten. Aber warum gibt es die nicht schon längst? Wieso dehnen sich ausgerechnet die Yogis auf ethisch bedenklichen Produkten? Was bringt uns das über die Schlechtigkeit des Kapitalismus bei? Die Antwort in fünf Punkten:

  • Der Turbokapitalismus ist uns immer einen Schritt voraus
  • Die Politik hinkt hinterher
  • Wir Konsumenten hinken aus Bequemlichkeit noch weiter hinterher
  • Nachhaltigkeit ist schön, aber auch ganz schön schwierig
  • Es gibt doch noch Hoffnung

Der Turbokapitalismus ist uns immer einen Schritt voraus, ...

... denn man kann einfach viel Geld mit hastig hingeschusterten Produkten verdienen, wenn man sich nicht darum kümmert, ob diese Produkte irgendetwas außer hastig hingeschustert sind. Egal ob Kinderspielzeug (Weichmacher), Gesichtspeelings (Mikroplastik) oder Funktionskleidung (wasserabweisende Chemikalien): Was sie der Umwelt und den Menschen antun, fragen sich viele Unternehmen und die Menschen, die bei ihnen fürs Geldverdienen bezahlt werden, erst später.

Das ist teilweise okay so, sonst gäbe es nur langsameren Fortschritt und seltener neue schöne Dinge. Zum Beispiel super rutschfeste Yogamatten, die nicht riechen. Aber in der inneren Logik eines Unternehmens zählt immer der Profit mehr als die Verantwortung, denn, so argumentieren die Turbokapitalisten, der Profit ist gleich die Verantwortung vor den Aktionären. Der beste Beleg dafür: Wie sehr Unternehmen seit ein paar Jahren ihre gesellschaftliche Verantwortung betonen. Als ob die nicht eigentlich selbstverständlich sein müsste.

Die Politik hinkt hinterher, ...

... weil sie nunmal sehr träge ist, sich immer erst schlau machen muss, was gerade kritisch ist, und als „wirtschaftsfreundlich“ gelten will. Denn jedes Mal, wenn ein Bürokrat, der dafür bezahlt wird, genau hinzuschauen, genauer hinschauen will, sagt ein Unternehmer: Oh-oh, das kostet Arbeitsplätze. Egal ob massenhafte mafiöse Umweltverschmutzung (aka „Diesel-Skandal“) oder massenhafte andere Umweltverschmutzung („Kohlekraftwerke“) oder Mikroplastik oder Fipronil-Eier oder eben bedenkliche Yogamatten – macht die Wirtschaft einen Schritt in die  Scheiße, muss die Politik erst einmal klären, welche Scheiße genau das ist, ob es illegale Scheiße ist, ob man sie verbieten sollte und wie sehr sie den Leuten stinkt, weil wenn sie niemandem stinkt, macht die Politik nichts. Was uns zum dritten Punkt führt:

Wir Konsumenten hinken aus Bequemlichkeit noch weiter hinterher, ...

... weil wir die Scheiße ja kaufen. Sogar die superbewussten Yogis, die eigentlich mit der Umwelt in Einklang leben wollen. Sogar die den Ozean liebenden Surfer, die alarmierende Berichte über Plastik an Stränden teilen, deren Bretter aber aus Polyurethan und Polyester bestehen. Ja, ich auch. So einfach ist das.

Nachhaltigkeit klingt gut, ist aber ganz schön schwierig.

Und damit zurück zur Yogamatte. Die wirklich überprüfbar nachhaltig zu produzieren ist selbst in unserer globalisierten, hochtechnisierten Welt ein ganzes Stück Arbeit. Die Macherinnen der nachhaltigen Yoga-Matte mussten lange suchen, bis sie eine Möglichkeit fanden, die Matten nicht nur in Deutschland, sondern auch wirklich maximal nachhaltig zu herzustellen: aus Schnittresten anderer Produktionen.

Keine neuen Rohstoffe werden dafür genutzt, wenig Energie verbraucht. Wo die meisten anderen Hersteller Natur-Kautschuk nutzen – der aus Asien importiert wird und für den Regenwald abgeholzt wird – recyceln sie komplett. Diesen Weg haben sie per Crowdfunding finanziert. Bezahlt von Menschen, die Bewusstheit nicht nur üben, sondern auch leben wollen. Deshalb bleibt festzustellen:

 

Es gibt doch noch Hoffnung.

Viele Bereiche unseres Konsums werden langsam nachhaltiger, umweltfreundlicher oder manchmal einfach nur weniger verschwenderisch. Es gibt nachhaltig produzierte Zahnpasta, Zelte, Zitronen. Mühsam dabei ist, dass jede einzelne Branche für sich mit einer nachhaltigen Alternative versorgt werden muss. Und die Konsumenten, also wir, müssen immer wieder dafür sensibilisiert werden. Selbst die Yogis, fanden die Matten-Macherinnen heraus, hatten bisher wenig darüber nachgedacht, auf was genau sie ihre Asanas machten. Bei einer Umfrage gaben jedoch 90 Prozent an, an einer nachhaltigen Matte interessiert zu sein. Und jetzt alle: Einatmen. Ausatmen. 

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