Unsere seltsamen Obsessionen

Es gibt Dinge, die wir lieben, obwohl sie für Außenstehende null Sinn ergeben.
Aus der jetzt-Redaktion
Illustration: Daniela Rudolf

Das ideale Zupfen von Brusthaaren, die besten Ölmalerei-Videos auf youtube, die Vielfalt von Rindenmulch – nichts ist seelisch so befriedigend wie ein abseitiges Interesse.

Es gibt den Job, der dir die Kohle zum Leben verschafft, es gibt die Arbeit, mit der du etwas bewirken willst, es gibt die Liebe, die dich trägt und die Familie die dich auffängt.

Und dann gibt es temporäre Obsessionen, die nichts mit alldem zu tun haben. Und vielleicht retten sie genau deshalb manchmal dein Leben. Sich für etwas interessieren, nur weil es einen interessiert und nicht, weil man danach damit angeben kann oder es für irgendetwas direkt braucht, ist wie eine Ferienwohnung im Geist, in die man sich jederzeit zurückziehen kann.

Eine temporäre Obsession ist das selbstloseste und harmloseste, was es gibt. Man schuldet niemandem Rechenschaft. Man muss damit kein Geld verdienen, man will nicht dafür geliebt werden, man muss nicht mal was zu Ende bringen. Man kann sich eine neue suchen und ist damit genauso glücklich. Keiner fragt danach, sie gehört nur einem selbst.

 

Sich in irgendein Thema oder Handwerk ausschließlich für sich selbst reinzunerden, und sei es nur für sechs Wochen abends vorm Schlafengehen, hat etwas sehr Sinnstiftendes. Warum? Selbst das ist egal, so lange das Gefühl stimmt. Vielleicht eröffnen abseitige Interessen uns die Illusion, es sei doch noch irgendwie möglich, mehr als ein Leben zu leben. Vielleicht lenken sie uns einfach nur von unangenehmen Erwachsenen-Gedanken ab, die mit Versicherungen und Familiengründung zu tun haben. In jedem Fall fachen sie glücklich und gesund, jedenfalls so lang keine Zwangsstörung daraus folgt oder man in die Verschwörungstheoretikerkreise gerät.

 

Damit das alles keine Behauptung bleibt, verraten uns hier sieben Autoren ihre ganz private temporäre Obsession.

 

Rindenmulch

 

Es begann mit einem Garten. Den hatte ich zu meiner kleinen Wohnung während des Studiums in Freiburg dazubekommen und mir fest vorgenommen, meinen Daumen von nun an ein bisschen grüner sein zu lassen. Getrieben von akuter Gartenwut klapperte ich die Baumärkte der Region nach noch mehr Gärtner-Gimmicks ab. Die fand ich auch. Die eigentliche Sensation dieser Märkte entdeckte ich aber eher nebenbei, zwischen Superharken und Hardcore-Dünger. Da lag er, unscheinbar neben dem Rollrasen, eine majestätische Ruhe ausstrahlend und ich wusste sofort, ich muss das für meinen Garten haben: Rindenmulch.

 

Kleine, harte Rindenstückchen, versetzt mit sehr weicher Erde, die einem beim tiefen Inhalieren das Gefühl geben, gleichzeitig im Wald und unter der Erde zu sein. Man kennt dieses Material aus Blumentöpfen in Einkaufshallen oder unter den Klettergerüsten auf Kinderspielplätzen. Aber dass dieses Zeug einen Namen hat und dass es sich so unfassbar gut anfühlt, wusste ich bis dahin  nicht. Wie lange ich da im Baumarkt stand, die Arme bis zu den Ellenbogen in den lauwarmen Haufen versenkt, weiß ich nicht. Am Ende fuhr ich ohne Gartengeräte, dafür mit zwanzig Liter Rindenmulch auf der Rückbank nach Hause.

 

Dass es sich bei meiner spontanen Begeisterung für dieses unfassbar tolle Material um eine sehr persönliche Obsession handelt, merkte ich schnell. Meine Mitbewohnerin zuckte nur kurz mit den Schultern und würdigte den Mulch keines Blickes. Dass ich damit den Teil des Gartens pflastern wollte, den sie eigentlich als Gemüsebeet vorgesehen hatte, führte zum ersten WG-Streit. Am Ende stand es 1:0 für die Rindenmulch-Lobby. Und beim Ausbreiten der bröckeligen Masse über unserem Garten musste sie zugeben, dass das Zeug wirklich sehr gut riecht.

 

Okay, ich gebe zu, es piekst ein bisschen, wenn man barfuß durch den knöcheltiefen Mulch watet während nebenan die Nachbarn auf ihrem frischen Rollrasen liegen. Ja, auch das Fegen auf dem Gartenweg, der beim kleinsten Windstoß mit Rindenstückchen gepflastert wird, nervt. Nein, pflanzen kann man da jetzt nichts mehr. Ja, das Zeug ist auch ein bisschen teuer als reine Dekoration.

 

Das Problem ist nur: Mit der Zeit verliert der Mulch seine luftige Konsistenz, die mich am Anfang so faszinierte. Wenn man einmal damit angefangen hat, alles mit Rindenmulch auszulegen, gibt es kein Zurück mehr. Der Mulch tritt sich immer tiefer in die Erde, wo vorher Gemüse und Beeren wuchsen. Die feinen Rindenstückchen aus der Erde zu pulen, wäre eine Lebensaufgabe. Den ganzen Garten abtragen zu lassen, unbezahlbar. Deshalb gibt es nur eine Option: noch mehr Rindenmulch.    

 

Nachdem die Besuche bei Obi und Co regelmäßiger wurden, mein Erspartes aber immer weiter schrumpfte, fand meine Obsession einen traurigen Höhepunkt und ein plötzliches Ende. Ich erinnere mich an eine laue Freiburger Sommernacht, der Spielplatz um die Ecke wurde gerade neu bestückt. Gemeinsam mit meiner Mitbewohnerin, die meine Obsession zwar nicht teilte, aber mittlerweile unterstützte, kniete ich unter der Kletterkrake, in der einen Hand eine Schaufel, in der anderen einen stabilen Müllsack, bereits halbvoll mit frischem Mulch. Mit einer Mischung aus Scham und Aufregung schaufelten wir, als ginge es um unser Leben. Im Rausch hörten wir die Schritte nicht, die sich leise über den verbleibenden Mulch näherten. Dann der Schock: Eine erzürnte Rentnerin, die uns aus Badisch beschimpft, als hätten wir eine Bank ausgeraubt. Wir, die uns anschauen und gemeinsam diesen kurzen Aha-Moment durchleben: Es reicht. Genug Rindenmulch, genug Geld ausgegeben, genug Obsession. Den halbvollen Sack haben wir liegen gelassen und sind lachend nach Hause gerannt. Ich habe dann erst mal eine Weile weniger Zeit im Garten verbracht, aber auch sehr viel weniger Zeit im Baumarkt.        

          

Eva Hoffmann

Brusthaare zupfen

 

Früher haben mich Brusthaare nicht interessiert. Was sicher auch daran lag, dass ich kaum welche besitze. Manchen Männern wachsen Regenwälder auf dem Oberkörper. Mir wachsen, hochgerechnet, 20 Haare. Ein Freund sagt, das deute auf einen niedrigen Testosteronspiegel hin. Ich denke, er hat keine Ahnung.   

 

Leider fallen Haare, die vereinzelt in der Gegend herumstehen, umso mehr auf. Also besorgte ich mir eines Tages eine Pinzette. Rein aus ästhetischen Gründen. Ich hätte die Finger davonlassen sollen.

 

Das Herausziehen eines Brusthaares verursacht ein kurzes Ziepen - und zumindest bei mir das Gefühl, etwas geleistet zu haben. Es ist ganz simpel: vorher Haar, hinterher kein Haar. Ein kleines Erfolgserlebnis, das sich mit geringem Aufwand erzeugen lässt. Wer sich heute ein Brusthaar zupft, kann das Bauchmuskel-Workout getrost auf morgen verschieben.

 

Außenstehende mag das verstören, aber: Jedes gezupfte Brusthaar bedeutet einen Glücksmoment. Blöderweise tritt gleichzeitig ein negativer Effekt ein, und hier beginnt der Schlamassel. Nachwachsende Brusthaare nehme ich mittlerweile als Fremdkörper wahr. Als unerträgliche Borsten, die schnellstmöglich entfernt gehören. Am schlimmsten sind diejenigen, die sich ankündigen, aber noch unter der Haut liegen. Man spürt sie, wenn man mit den Fingern über die Brust tastet. Und wer einmal fürs Thema sensibilisiert wurde, tut das häufig.

 

Zweites Horrorszenario: Auf Reisen gehen und vergessen, die Pinzette mitzunehmen. Kommt dann ein neues Brusthaar, das aber noch zu kurz ist, um ersatzweise die Fingernägel zu benutzen, und realisiert man also, dass die Anwesenheit des Haares in den nächsten Tagen hingenommen werden muss, versaut das einem das ganze verdammte Wochenende am Meer. Also mir jedenfalls. Da ist etwas, das weg gehört, doch man kriegt es nicht zu fassen. Die innere Unruhe steigt. Macht ungenießbar. Ich könnte in solchen Momenten Kriege anzetteln.

 

Es verwundert mich inzwischen, dass es offenbar Männer gibt, die nicht ständig an ihre Brusthaare denken. Was stimmt mit denen nicht? Stört sie nicht, was sie da mit sich herumtragen?

 

Im Internet las ich die Berichte von Leidensgenossen. Plucking addiction ist die Sucht, sich Haare zu zupfen. Seltsam bloß, dass sich manche Menschen auf andere Körperzonen fixieren. Die stören sich an Haaren am Kinn, an den Oberschenkeln oder Augenbrauen. Wieder andere verspüren den Drang, sich Kopfhaare auszureißen, das nennt sich Trichotillomanie. So etwas würde mir nie in den Sinn kommen. Klingt irgendwie total krank.

 

Sebastian Leber

 

 

Einen Handstand lernen

 

Eigentlich dachte ich immer, um einen Handstand zu können, müsste man vor allem durchtrainiert und fit sein. Bauchmuskeln, Rückenmuskeln – ohne ginge das nicht. Stimmt aber gar nicht, wie ich kürzlich auf einer Recherchereise herausfand. Aber der Reihe nach.

 

Vor einem guten Jahr war ich auf der German Kula Celebration, einem Acro-Yoga-Retreat in Thüringen. Vier Tage Acro-Yoga. Acro-Yoga kommt von Acrobatics und hat nicht viel mit klassischem Hatha-Yoga (Herabschauender Hund, Sonnengruss) zu tun. Man macht das zu zweit.

 

Einer ist die „Base“, liegt auf dem Rücken und reckt alle Viere wie ein verstorbenes Insekt in die Luft. Der andere „fliegt“, balanciert also in kunstvollen Figuren auf den Hand- und Fußflächen des anderen – unter anderem eben im Handstand, auch wenn das eher fortgeschritten ist.

 

Um auf den Extremitäten eines anderen Menschen einen Handstand machen zu können, muss man so einen Handstand aber eben erst mal können. Und deshalb – zumindest ist das meine unverifizierte These – üben Acro-Yogis den bei jeder Gelegenheit. Manche machen davon täglich mindestens ein Foto und stellen es auf Instagram. Einige geben Workshops, in denen es einzig und allein darum geht, Handstand zu lernen. Da gibt es nämlich ziemlich viele verschiedenen Techniken.

 

Seit der Kula Celebration bin ich infiziert – und will genau das hinkriegen: Einen Handstand zu machen, einfach so im freien Raum, ohne sofort wieder umzufallen. Man könnte sagen: Einen Handstand zu lernen, ist das derzeit mit Abstand konkreteste Ziel in meinem Leben. Auch wenn man dafür vor allem eines braucht: Geduld. Warum ich das möchte? Gute Frage: Weil es schön aussieht? Weil Menschen „ohhh“ und „ahhh“ machen, wenn man es ihnen zeigt? Weil es gut tut, ein derart konkretes und gleichzeitig derart sinnbefreites Ziel zu haben?

 

Ich gehe also mehrmals pro Woche zum Yoga. Nicht wegen des Handstands, aber auch dort ist er eine von vielen Asanas und wird regelmäßig geübt. Aber das genügt mir nicht. Sehr viel Zeit verbringe ich mit ehrfürchtigem Staunen über Videos von Handstand-in-Perfektion-beherrschenden Frauen auf Instagram. Ich meine, guckt einfach mal „The Southern Yogi“ dabei zu, wie sie in Zeitlupe und absolut ohne Schwung einfach nur durch Gewichtsverlagerung grazil und wunderschön die Beine vom Boden und über den Schwerpunkt ihres eigenen Körpers hebt. Hammer! Naja, und dann übe ich natürlich zu Hause. Jeden Tag ein kleines bisschen. Nicht lang. Fünf Minuten vielleicht. Im Moment noch an der Wand und mit Schwung. Und ich trainiere ab und zu meine Abbs. Obwohl das  gar nicht so wichtig ist.

 

Das weiß ich, seit ich vor einigen Monaten einen Menschen traf, der äußerst unterhaltsam davon zu erzählen wusste, wie er angeblich die amtierende Meisterin im Handstand eines europäischen Landes, an das er sich nicht mehr genau erinnern konnte, in genau dieser Disziplin schlug. Der Gag an der Geschichte: Sie war extrem siegessicher, als er sie herausforderte (wer kann länger im Handstand stehen). Er macht nämlich keinen Sport und sieht auch nicht sportlich aus. Umso bestürzter war sie, als sie gegen ihn verlor.

 

Handstand kann er nämlich trotz massivem Bierbauch ziemlich ausdauernd, wie er uns später bewies. Er hatte das als kleiner Junge gelernt und geübt, wie er sagte. Sein Körper hatte sich gemerkt, wie es sich anfühlen muss, wenn die Hüfte genau so über dem restlichen Knochengerüst balanciert, dass der Schwerpunkt an der richtigen Stelle ist. „Body Memory“ nennt man das. Seit ich diese Geschichte gehört habe, übe ich sehr viel entspannter und vertraue darauf, dass eintritt, was meine Yoga-Lehrer und -Lehrerinnen auch immer wieder sagen: “Through repetition the magic is forced to arise.”

 

Marlene Halser

 

 

Modulare Synthesizer

 

Könnt ihr euch noch an diesen weißen Kasten mit dem kleinen Bildschirm erinnern, auf dem ein grün leuchtender Strich in Wellen umherwackelte, während der Physiklehrer über ein penetrantes Fiepen hinweg irgendwas über Wellenformen erzählte? War das nicht fantastisch? Das Ding heißt Oszillator und ist ein Teil meiner momentanen Obsession: Mein modularer Synthesizer, ein Holzkasten mit Stromanschluss, Modulen und – wohl das wichtigste – lauter niedlichen, bunten Kabeln.

 

Was aussieht wie eine Miniatur-Telefonschaltzentrale, ist ein Instrument. Mein individuelles Super-Allzweck-Instrument – dachte ich zumindest zu Beginn meiner Obsession. Die Module haben jeweils eine eigene Funktion: Das Oszillatormodul fiept, das Gate-Modul bestimmt wann, das Hüllkurvenmodul den Verlauf des Tons... trotz latentem Tech-Nerd-Verdacht eine absolut sinnliche Freude!

 

Und das totale Chaos. Das Ding macht nämlich im Grunde genommen, was es will, hat Launen, ist plötzlich verstimmt, verzerrt, klingt jeden Tag anders, je nach Steckverbindung der Kabel. Es ist also das komplette Gegenteil vom kontrollierten Am-PC-Musikmachen, bei dem jeder Ton gespeichert, verändert oder archiviert werden kann. Alles analog und haptisch und damit superauthentisch – das Manufactum der elektronischen Musik sozusagen.

 

Oder vielleicht doch eher das Craft Beer: Entwickelt werden die Module nämlich von kleinen, ebenso niedlichen Garagenfirmchen auf der ganzen Welt, zum Beispiel diesen drei Tschechen, die ein Modul namens „Grandpa“ entwickelt haben, dass sie im Produktvideo entsprechend mit ihrem Großvater bewerben. Auch das ist natürlich: niedlich.

 

Und gefährlich:  Hat man nämlich einen entsprechend großen Holzkasten, kann man theoretisch unendlich viele Module verbinden, bis man quasi ein ganzes Synthie-Orchester besitzt: Bässe, Drums, Akkordflächen. Mit einem Modul geht erstmal gar nichts, mit jedem etwas mehr. Die Folge: Sucht. Und finanzieller Ruin. Günstig sind die Module nämlich nicht. Der günstigste Fiep-Oszillator kostet schon 160 Euro, und mit dem allein geht ja erstmal gar nichts. Um halbwegs strukturierte Melodien aus dem Kasten zu bekommen, braucht man schon mindestens drei Module. Ich habe gerade mal vier und bin damit von einem für jegliche Art von Tönen geeigneten Allzweck-Instrument noch sehr weit entfernt. Andere User im Modular-Ultranerd-Forum „muffwiggler“ besitzen ganz Modulwände. Und wie es in diesen Foren immer ist, endet jede „Soll ich als nächstes dieses Teil kaufen?“-Frage in einem „Nenee, das ist Schrott. Nimm doch lieber diese beiden hier, kosten halt das Vierfache.“

 

Was mich retten könne? Vielleicht mein Umfeld, das ab und zu an der Tür klingelt. Denn: Genauso endlich wie meine Ersparnisse ist auch die Geduld meiner Nachbarn, die ein nächtliches Dauerfiepen irgendwie doch nicht so niedlich finden.

 

Quentin Lichtblau

 

 

Malereivideos

 

Irgendwo im Internet muss es sein, das perfekte Malerei-Video. Oder der perfekte Malerei-Instagram-Account. Ich werde nicht ruhen, bis ich fündig geworden bin.

 

Mir gefallen nicht nur die Geräusche der Malerei, sondern auch, dabei zuzusehen, wie etwas ganz langsam Form annimmt, wie ein Porträt oder eine Landschaft zum Leben erwacht, nur durch den richtigen Einsatz von Pinselstrichen. Oder wie ein abstraktes Werk die ideale Balance findet. Alles analog, satte Pinselstriche auf der Leinwand, softes Farbenmischen auf der Palette, zartes Klingeln und Plätschern des Pinsels im Terpentinglas.

 

Angefangen hat es vor ein paar Monaten, als ich bei youtube auf „Der Meisterfälscher“ stieß, die 3sat-Serie mit Wolfgang Beltracchi. In jeder Folge malt er eine prominente Person im Stil eines bekannten Künstlers. Jetzt habe ich alle Folgen durch und will mehr. Vor allem will ich noch mehr davon, jemandem beim Malen zuzusehen, am liebsten mit Ölfarben. Sie haben die appetitlichste Konsistenz, die größte Leuchtkraft.

 

Leider sind die meisten Videos grauenhaft. Egal, wie gut der Künstler darin sein Handwerk beherrscht, die Aufmachung ist trashig, die im Hintergrund eingespielte Musik unerträglich, die Kameraführung langweilig bis wackelig – irgendwas ist immer. Ich will nicht Bob-Ross-Kitsch und auch keine seiner tausenden Kopien, ich will keine Manga-malenden Emoji-Teenies, ich will nicht Ingeborg und ihre Meerjungfrauen-Malerei, ich will etwas im Stile des Kinofilms über Gerhard Richter. Clean, professionell, ansprechend, Atelier-Atmosphäre.

 

Wieso gibt es das nicht? Ich dachte, im Internet gibt es alles in jeder Variante, von grauenhaft bis fantastisch. Das Museum of Modern Arts hat eine Serie, die sich meiner Idealvorstellung zumindest annähert. Sie heißt „In the studio“, und ein Mann namens Corey d’Augustine demonstriert darin, wie man im Stile bestimmter Künstler malt. Ideal ist es trotzdem nicht. Er labert zu viel und malt zu schnell und zu wenig. Einige Dokumentationen über Maler oder die Studiobesuche, zum Beispiel des youtube-Channels „Omelette“ beinhalten kurze Szenen, wie ich sie mir einmal ein ganzes, langes, gemächliches Video lang wünschen würde.

 

Ich werde weitersuchen. Jeden Abend, jede Nacht. Vorschläge nehme ich jederzeit gern entgegen.

 

Mercedes Lauenstein

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