Bitte folgen: der Frau, die verreist, ohne vor die Tür zu gehen

Jacqui Kenny hat Agoraphobie und einen Weg gefunden, wie sie trotzdem die Welt sehen kann.

So heißt der Account:

Zu sehen sind da…

... eine Straße in Sonora, Mexiko, Kamele in der Wüste, eine einsame Tankstelle in Arizona, Kinder in der Mongolei. Also Bilder aus aller Welt, die im ersten Moment so wirken, als wolle mal wieder jemand damit angeben, dass er oder sie extrem tolle und ausgefallene Reisen macht. Der Unterschied zu den anderen Instagram-Accounts, die als Urlaubsfotoalben fungieren, ist: Diese Bilder, die wie aus erster Hand wirken, stammen eigentlich alle aus zweiter – nämlich von Google Streetview.

Dem solltest du folgen, wenn…

... du dich gegen die Internet-Alltäglichkeit, die dich umgibt, wehren und mal wieder der Faszination und dem leichten Grusel aussetzen willst, den das Digitale immer noch verströmen kann. Denn dass da die ganze Welt abfotografiert wurde und zufällige Kinder im Plantschbecken, Mopedfahrer oder Bauarbeiter für immer festgehalten und ihr (wenn auch zensiertes) Abbild allen Menschen zugänglich gemacht wurden, das ist immer noch ein bisschen beunruhigend. Andererseits ist es jedes Mal wieder wahnsinnig spannend und erhebend, wenn man sich klar macht, dass man die ganze Welt bereisen kann, ohne jemals das Zimmer zu verlassen. 

Dahinter steckt…

Jacqui Kenny aus Neuseeland. Für die 43-Jährige hat Google Streetview eine viel größere Bedeutung als für die meisten. Seit mehr als 20 Jahren leidet sie an Panikattacken und Agoraphobie, also Angst vor großen Plätzen oder Menschenansammlungen. Dadurch ist ihr natürlich auch das Verreisen nahezu unmöglich. Dann entdeckte sie die Möglichkeit, online die Welt zu erkunden und begann im Mai 2016 damit, Bilder ihrer Streetview-Kurzurlaube auf Instagram zu veröffentlichen.

Besonders toll ist, dass Jacqui ein gutes Auge für schöne Motive zu haben scheint. Sie postet nicht wie wild jeden „Schnappschuss“, den sie bei ihren Reisen macht, sondern Bilder von irritierend identischen Kakteen, Straßenhunden in der Sonne oder einem bunten Kinderspielplatz in der staubigen Steppe, die teils wirklich künstlerisch wirken. Viele von ihnen verbindet übrigens, das darauf etwas zu sehen oder zu erahnen ist, vor dem Jacqui große Angst hat, mit der sie sich hier aber so wunderbar arrangiert: extreme, überwältigende Weite. 

nasch

Wem du sonst noch folgen könntest:

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