louis hofmann jetzt
Britta Pedersen/dpa

Das Mövenpick Hotel in Berlin Kreuzberg, 11:30 Uhr, Mittagszeit. Irgendwo in einem der Zimmer gibt Louis Hofmann seit ein paar Stunden Interviews. Er ist jung, gerade mal 19. Im Kinderfilm „Tom Sawyer“ von Hermine Huntgeburth spielte er seine erste große Rolle. Jetzt wurde er als einer von zehn europäischen Schauspielerinnen und Schauspielern als European Shooting Star auf der Berlinale geehrt. Diese Auszeichnung war auch für Max Riemelt, Moritz Bleibtreu und Daniel Brühl das Sprungbrett für ihre Karriere. 

jetzt: Du wurdest gerade bei der Berlinale als „European Shooting Star“ ausgezeichnet. Ist das notwendig für eine Karriere in Deutschland?

Louis Hofmann: Ich versuche erstmal wertzuschätzen, dass ich gesehen und wahrgenommen werde. Das ist, glaube ich, was sich jeder Schauspieler wünscht: gesehen zu werden mit der eigenen Arbeit. Gleichzeitig konnte ich Schauspieler und Schauspielerinnen aus neun anderen Nationen kennenlernen und erfahre, wie die an den Beruf und an ihre Rollen rangehen. Dieses Multikultigetummel mag ich.

Zusätzlich hast du gerade in den ersten beiden deutschen Serieneigenproduktionen von Netflix („Dark“) und Amazon Prime („You are Wanted“) mitgewirkt. Auf welche Serie kann man sich mehr freuen? Bei "You are Wanted" habe ich nur eine kleine Rolle, bei "Dark" eine eindeutig größere - wir drehen gerade über sechs Monate hinweg. Deswegen ist die Arbeit für Netflix das größere Herzensprojekt für mich. Es geht um zwei Kinder, die verschwinden, eine Kleinstadt und ein bisschen Mystery.

Also - Amazon Prime oder Netflix?

Ich habe beides. Aber besonders mag ich die Netflix Originals wie "Stranger Things" und "The OA". 

"Wir sind eine der letzten Generationen, die noch mit dieser Medienwelt umgehen können"

 

Du bist jetzt 19 - hast du manchmal das Gefühl, dass die Welt dir gehört und dass du alles weißt?

Man sagt ja, dass man nach dem Abitur das größte Allgemeinwissen hat. Aber ich habe eher das Gefühl, ich möchte alles wissen. Mein Wissens- und Erfahrungsdurst ist gerade sehr stark.

 

Wie fühlt es sich an, mit so vielen Preisen überhäuft, nach Hause zu kommen?

Das Schöne ist ja, dass es Zuhause von meinen Freunden und Familie zwar wertgeschätzt wird, es jedoch dann gar nicht mehr so im Vordergrund steht. Trotzdem wollte ich ausziehen, weil es niemanden wirklich glücklich gemacht hat, da ich nach der Schule kontinuierlich angefangen habe zu drehen und dann immer nur so reingeschneit bin. Mittlerweile habe mich gut eingelebt in Berlin, in meiner Wohnung. Ich arbeite richtig und zahle damit meine Miete.

 

Verdienst du jetzt mehr als deine Eltern?

(lacht) Keine Ahnung, wir haben noch nicht verglichen. Neee, man wird ja nicht reich als Schauspieler.

 

Wie erwachsen fühlst du dich im Moment im Vergleich mit ganz normalen Gleichaltrigen, die nicht dein aufregendes Leben führen?

Es ist schon gesetzter als ein Leben von einem anderen 19-Jährigen, der gerade von der Schule runter ist. Ich habe einen Freund, der gerade ne halbe Weltreise macht und zu Fuß unterwegs ist durch Nepal und jetzt Mönch wird. Natürlich ist das ein anderes Leben.

 

Und bekommst du dann Sehnsucht?

Ich war schon mal mit 15 in Australien, na klar würde ich gerne mal länger reisen. Aber ich mag das hier zu gerne, um jetzt ein halbes Jahr ausreißen zu wollen.

 

Wie sieht Erwachsenwerden im Idealfall für dich aus?

Ich fühl mich lustigerweise schon erwachsen. Weil ich kein großes Heimweh mehr verspüre. Erwachsenwerden ist im Idealfall, glaube ich, Verantwortung übernehmen zu können, irgendwann Sicherheit im Leben zu finden als Erwachsener, aber eben nicht dieses Kindliche, das Infantile zu verlieren. Dann bleibt es spannend. Das wünsche ich mir auch für mein Privatleben, dass ich nie so bitterernst erwachsen werde.

 

Wenn du deine Generation in einem Wort beschreiben könntest, welches wäre das?

"Last Generation of analogue technology.“ Oder die Selfie-Generation. Das hab ich irgendwann mal von jemandem gehört, dass wir die Selfie-Generation sind. Weil wir das mit den Selfies entwickelt haben. Aber dann gucke ich die jetzt drei, vier Jahre Jüngeren an und denke: "Nein, die sind die Selfiegeneration." Durch dieses sich ständig selbst auf Social Media präsentieren werden alle extrem egozentrisch. Dadurch wächst aber auch die allgemeine Unsicherheit. Wir sind, glaub ich, eine der letzten Generationen, die vielleicht noch mit dieser Medienwelt umgehen können, ohne sich zu stark verunsichern zu lassen.

 

Die Verunsicherung ist auch in deinem aktuellen Film "Die Mitte der Welt" zwischen dem Hauptdarsteller Phil und seinem Mitschüler Nicolas groß. Phil sucht Liebe und Geborgenheit, Nicolas befriedigt seine Lust und möchte Spaß haben. Ist die Beziehung zwischen den beiden Hauptdarstellern typisch für unsere Generation?

Dass der einige weniger möchte als der andere? Ich hab’ auch letztens mal so einen Artikel gelesen über die Generation Beziehungsunfähig. Also ich glaube ja, dass das eine krasse Ausrede ist, um sich zu schützen. Wir haben eine extreme Angst vorm Verletztwerden. Wenn wir eine Beziehung eingehen, werden wir verletzlich. Und auch Phil gibt sich mit allem hin und ist damit angreifbar. Obwohl es das Größte ist, geliebt zu werden und selber zu lieben.

 

Also ist unser Problem, dass wir ständig auf der Suche sind?

Ja, ich glaube. Und dass wir so endlos viele Möglichkeiten haben. Weswegen sich auch niemand mehr wirklich für einen Beruf mit 18 oder 19 oder 20 entscheidet. Sondern einen Studiengang anfängt, obwohl er vielleicht schon weiß, dass es eigentlich nicht so richtig seins ist. Es macht uns unglücklich, dass wir uns nicht ganz einlassen. Sondern immer wieder mit einem Auge rüber schauen. Es ist fast so wie auf Berlinale Partys oder so. Das sehe ich ganz oft - wenn ich mit Leuten rede, das Auge flitzt immer so nach links und rechts. Weil wir nach Optionen suchen und Konversationen, die uns noch weiterbringen. Das ist schade, aber auch menschlich.

 

Machst du das auch?

Man erwischt sich dabei - manchmal.

 

Nervt dich die Schauspielerei und ihre Welt auch manchmal?

Würde ich mich darüber beschweren, dann sollte ich kein Schauspieler sein. (lacht). 

 

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