Arabische Jugend lehnt den IS ab

Und fordert mehr Bürger- und Frauenrechte, wie eine Studie zeigt.
5ee9ff58 a604 4dc2 8cb8 263373d2bd81 amr abdallah dalsh reuters

Eine junge Frau in Ägypten.

Foto: Amr Abdallah Dalsh/Reuters

Der Großteil der arabischen Jugend lehnt den IS ab – jeder zweite Teilnehmer stuft die Terrormiliz dabei als das "größte Hindernis" überhaupt für den Nahen und Mittleren Osten ein. Das ist das Ergebnis der "Arab Youth Survey". Bei der jährlichen Befragung spürt die PR-Firma ASDA’A Burson-Marsteller seit 2008 den Einstellungen junger Menschen in den arabischen Ländern nach. 60 Prozent der fast 200 Millionen Menschen dort sind jünger als 25 Jahre.

An den Langinterviews nahmen im Februar 3500 Jugendliche (zu gleichen Teilen Männer und Frauen) aus 16 Staaten teil, sie alle waren zwischen 18 und 24 Jahre alt.  

Die Interviewer fragten dieses Jahr auch nach Bürgerrechten. Das Ergebnis: Die Mehrheit der Befragten in den 16 Ländern (mehr als 65 Prozent sowohl bei Frauen als auch bei Männern) findet, dass die Politik sich für mehr persönliche Freiheiten und Frauenrechte einsetzen müsse. Auf die Frage, ob mehr für die Gleichstellung der Geschlechter getan werden müsse, antworteten in Saudi-Arabien 90 Prozent mit einem Ja, dicht gefolgt von Oman, dem Jemen, Kuwait, Ägypten und den Vereinigten Arabischen Emiraten. 

Deutlich wurde auch, dass Gewalt und mangelnde Perspektiven die Jugend besorgen: 24 Prozent glauben, dass Jugendliche sich wegen der Arbeitslosigkeit dem IS anschließen. 25 Prozent gaben dagegen an, dass ihnen kein einziger Grund einfalle, sich der Terrororganisation anzuschließen. Vier von fünf jungen Arabern glauben nicht, dass der IS es schaffen wird, einen "Islamischen Staat" zu errichten.

52 Prozent sehen den Islam kritisch und finden, dass die Religion zu wichtig genommen werde. 47 Prozent kritisierten in den Interviews, dass sich das Verhältnis zwischen Sunniten und Schiiten weiter verschlechtert habe – 72 Prozent denken, dass dies der Grund für die Unruhen in den Region sei.

2012 glaubten noch 72 Prozent, dass der Arabische Frühling die Situation in ihrem Land verbessert habe, jetzt sind es nur noch 36 Prozent. Eine knappe Mehrheit (53 Prozent) würde sich heute vorrangig für Stabilität, als für Demokratie in ihrem Land einsetzen.

Falls sie es sich aussuchen könnten, würden 22 Prozent am liebsten in den Vereinigten Arabischen Emiraten leben (vor allem wegen wirtschaflicher Chancen dort), gefolgt von den USA (15 Prozent) und Deutschland (11 Prozent). Die meisten der befragten arabischen Jugendlichen informieren sich durch Fernsehen über das Weltgeschehen (53 Prozent), doch das Internet holt weiter zügig auf (45 Prozent). Die gesamten Ergebnisse der Studie gibt es hier.

fran 

  • teilen
  • schließen