Wie es einem als Besitzer eines Headshops in München ergeht

Manfred Gotzlers verkauft in seinem Laden Kifferzubehör. Da stehen schon mal plötzlich LKA-Beamte mit Maschinenpistolen im Shop.
Interview und Fotos von Teresa Fries
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Illustration: Julia Schubert

Über Headshops zu schreiben, ist ein verhältnismäßig bekloppter Eiertanz. Die Läden verkaufen Dinge wie Wasserpfeifen, Bongs, Vaporizer oder sogenannte Grinder. Und wenn man deren Funktion einem Außenstehenden erklären möchte, kommen Sätze heraus wie: Ein Grinder ist eine kleine Schatulle mit eingelassenen Metall- oder Plastikstäben. Man benutzt ihn, um beispielsweise „Kräuter“ zu zermahlen. Dabei ist eigentlich klar, worum es bei alldem geht: ums Kiffen. Mit einem Grinder zermahlt man Cannabis, mit einer Bong raucht man es. Manfred Gotzler eröffnete schon Mitte der Neunziger seinen ersten Headshop in München. Damals wurde er dort regelmäßig kontrolliert. Immerhin das hat heute nachgelassen.

jetzt: Herr Gotzler, Sie sind vor ein paar Wochen in einen größeren Laden gezogen, das Geschäft scheint also zu laufen, oder? Manfred Gotzler: Offensichtlich ja. Ich bin jetzt schon seit mehr als 20 Jahren im Geschäft und wirklich eingebrochen sind die Verkäufe nie – trotz Wirtschaftskrise. 

Es ist unglaublich voll und bunt hier. Wird das wirklich alles gekauft?

Ja. Pfeifen, Bongs, Schischas, Vaporizer, Grinder, das wird alles gekauft. 

Sogar die Bongs in Form einer nackten Frau?

Klar.

Lässt sich bei den Verkäufen denn ein Trend erkennen?

Ja, die Produktpalette und die Verkäufe bei Vaporizern nehmen definitiv zu. Das liegt wohl daran, dass die Leute gesundheitsbewusster werden, gerade wenn sie schon etwas älter sind. Mit einem Vaporizer kann man Kräuter verdampfen und ihre Wirkstoffe inhalieren, ohne die ganzen Schadstoffe, die bei der Verbrennung freigesetzt werden.

Damit das jetzt mal klar gesagt ist: Man bekommt bei Ihnen alles, was man zum Kiffen braucht.

Alles, bis auf das Kraut an sich oder die Samen zum Anpflanzen. 

Was für Leute kaufen bei Ihnen ein?

Junge Erwachsene vor allem und auch einige 40- bis 50-Jährige. Bei den älteren Kunden ist es dann meistens der Herr Doktor oder der Herr Professor, der aus seiner Studienzeit einiges kennt und das jetzt wiederentdeckt. 

Ihr alter Laden war in der Morassistraße, in der Nähe einer Privatschule. War das standorttechnisch von Vorteil?

Davon kann eigentlich keine Rede sein, das hat eigentlich nur zu Ärger mit der Schule und besorgten Eltern geführt. Ich wäre lieber nicht in der Nähe der Schule gewesen. Der Standort war insoweit gut, weil wir in S-Bahn Nähe waren. 

Gibt es unterschiedliche Vorlieben bei verschiedenen Kundengruppen?

Ja, die Jungs wollen immer die großen Bongs haben. Typischer Schwanzvergleich: Wer die Größte hat, ist der Coolste. Die Mädels kaufen meistens was Kleines, Unauffälligeres.

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Illustration: Julia Schubert

Kommen auch Kunden und wollen von Ihnen Gras kaufen oder Tipps zum Eigenanbau haben?

Ab und zu kommen schon Leute, die denken, wir verkaufen Cannabis – entweder ausländische Touristen oder Leute aus Frankfurt oder Berlin. Dort sind die Regeln nicht so streng wie hier. Die glauben uns dann meist gar nicht, dass wir nichts unter der Ladentheke haben. Eine Grow-Abteilung, also ein Sortiment für Menschen, die irgendwas anpflanzen wollen, kommt hier auch bald noch. Die ist noch nicht ganz fertig. Wenn die Kunden Fragen haben, erklären wir ihnen natürlich, wie die Sachen funktionieren: Diese Lampe ist für diese Tomaten am besten, und mit der Erde wächst jene Tomatenpflanze gut. Mehr muss ich da gar nicht sagen.  

 

Wird ihr Laden oft kontrolliert? Und passt die Polizei Kunden draußen ab?

Im Vergleich zu früher wird bei mir fast gar nicht mehr kontrolliert. Aber am Anfang haben sie schon draußen von der Tür gewartet, um die Kunden zu durchsuchen.  

 

Wie fies.

Ja wirklich. Die kamen mit ihren ganzen Polizeischülern und haben die an den kleinen Kiffern üben lassen. Im Gegensatz zu den richtigen Junkies wehren die sich nicht so. Und im Laden haben sie ständig alles Mögliche konfisziert. Ich hab einmal Hanf-Tee ins Sortiment aufgenommen. 14 Tage später stand ein 20-Mann-Sonderkommando vom LKA im Laden – mit Hunden und Maschinenpistolen. Sie sagten, man könne THC aus dem Tee extrahieren ...  

 

... den Wirkstoff im Cannabis.

Genau. Die haben da nicht mehr locker gelassen.

 

Und wie ging die Geschichte aus?

Das ging bis vors Gericht. Die haben mir wirklich mit einer Gefängnisstrafe gedroht. Zwei Jahre auf Bewährung oder mehr stand da plötzlich zur Debatte. Und bei „oder mehr“ gibt es keine Bewährung. Meine Rettung war, dass ich einen Richter hatte, der sagte, er möchte Waffengleichheit. Deshalb ließ er den Bericht eines Gutachters zu, ein Apotheker aus Berlin, der Spezialist war auf dem Gebiet. Der erklärte dann, dass es sich um so geringe Mengen THC handle, dass eine anderweitige Nutzung gar nicht möglich sei. Der Richter hat das Gutachten anerkannt und gesagt, wegen so etwas stecke er keinen Familienvater ins Gefängnis.  

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Illustration: Julia Schubert

Warum haben Sie nicht irgendwann gesagt: „Lasst mich doch alle in Ruhe, ich verkaufe jetzt Handys“?

Ich bin genauso stur, wie die bayerischen Beamten. Als ich anfing, haben noch fünf, sechs Läden in München aufgemacht, aber alle nach und nach wieder geschlossen. Außerdem habe ich einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn – und vielleicht ein kleines Problem mit Autoritäten.  

 

Letzte Frage: Was haben Sie gesagt, als die Schwiegermutter gefragt hat, was Sie beruflich machen?

Pfeifen verkaufen.

 

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