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Illustration: Lucia Götz

Daniel, 26, kommt aus der Nähe von Wiesbaden. Nach der Schule wollte er Berufssoldat werden, wie sein Vater, wurde aber ausgemustert. Er lernte Landschaftsgärtner, bewarb sich Jahre später wieder bei der Bundeswehr – und ist nach einem Jahr nun Stabsunteroffizier.

Die Frage, die auf Parties immer gestellt wird 

Ehrlich gesagt versuche ich im Privatleben so wenig wie möglich über die Bundeswehr zu reden. Aber wenn mich jemand fragt, antworte ich natürlich gerne. Die häufigsten Fragen sind die nach dem Schießen und: „Würdest du auch in Krisengebiete gehen?“ Ich würde. Das ist mein Job. In den kommenden vier Jahren wird das aber nicht passieren, so viel steht schon fest. 

Der Weg 

Mein Vater ist seit 40 Jahren bei der Bundeswehr. Dadurch war für mich schon immer klar, dass ich dort auch hin wollte. Nach meinem Schulabschluss wurde ich aber erst einmal nicht genommen, ich hatte gesundheitliche Probleme und musste Medikamente nehmen, wegen denen ich ausgemustert wurde. Dann habe ich eine Ausbildung zum Garten- und Landschaftsbauer gemacht und einige Jahre in dem Beruf gearbeitet. Immer im Bewusstsein, dass ich mich nochmal beim Bund bewerben würde. Das habe ich dann auch getan, es hat geklappt und ich habe mich für elf Jahre verpflichtet.

Danach, musste ich erst mal die ganz normale Grundausbildung absolvieren. Dienstbeginn um 5 Uhr mit Morgensport, ab 7 Uhr dann anfangs theoretische Inhalte wie Rechtsgrundlagen, danach Praxis-Einheiten. Waffenkunde, Schießen, Marschieren – die Basics eben. Manchmal ging das bis spät in die Nacht. Wenn man körperlich fit ist, ist das kein Problem. Nach einer Stunde Marschieren mit 15 Kilo Ausrüstung auf dem Rücken merkst du sowieso keine Schmerzen mehr. Die Ausbilder sagen: Wenn du denkst, du kannst nicht mehr, hast du gerade mal 15 Prozent deiner Leistung abgerufen. Alles Kopfsache, finde ich.

Ich bin jetzt etwas mehr als ein Jahr Soldat und würde man mir einen unbefristeten Vertrag als Berufssoldat anbieten, würde ich sofort zusagen. Das ist aber immer vom jeweiligen Bedarf an Dienstposten abhängig. Ich wollte gerne Feldwebel werden, das hat zwar leider noch nicht geklappt – aber ich war auch schon mit meiner ersten Stellung als Hauptgefreiter zufrieden. Diesen Rang hatte ich automatisch durch meine abgeschlossene Berufsausbildung. Jetzt bin ich sogar Stabsunteroffizier.

Die Wirklichkeit 

Ab dem 25. Lebensjahr darf sich jeder Soldat aussuchen, ob er in der Kaserne oder privat wohnt. Ich habe mich für eine eigene Wohnung entschieden, ich verdiene schließlich genug, um mir ein ordentliches Privatleben zu finanzieren. Und das ist mir auch ganz, ganz wichtig. Ich wohne ein Stück weg vom Stützpunkt. Deswegen stehe ich momentan immer recht früh auf, zwischen 5 und 5:15 Uhr, um mich in aller Ruhe fertig machen zu können. Um kurz vor 7 Uhr muss ich mit der ganzen Kompanie antreten. Dann gibt es ein Briefing, was am Tag so ansteht.

Ich bin in einer Fernmeldeeinheit, im Bereich digitaler Richtfunk und Satelliten-Kommunikation. Wir warten die Antennen-Anlagen und Funktürme und wurden an ihnen als IT-Soldaten ausgebildet, bedienen darf man sie erst ab dem Dienstgrad Feldwebel. Feierabend ist täglich um 16:30 Uhr – was ein riesengroßer Vorteil gegenüber meinem vorherigen Beruf ist, da musste ich oft Überstunden machen, musste halt so lange auf der Baustelle bleiben, bis fertig war, was fertig werden sollte. Neben der Arbeit war da wenig Platz für Freizeit. Nun weiß ich immer, wann ich heimkomme und kann meine Freizeit danach verlässlich planen.

Eine Waffe in der Hand hatte ich zum ersten Mal in der Grundausbildung. Das war schon ein komisches Gefühl, scharfe Schüsse abzufeuern. Aber man gewöhnt sich dran. Jetzt habe ich ein G36-Sturmgewehr als Dienstwaffe, das die meiste Zeit in der Waffenkammer liegt. Ich hole es nur ab, wenn Schießübungen anstehen.

Demnächst wechsele ich nach Ingolstadt, wo ich Ausbilder für die Maschinenfahrzeug-Pioniere werde. Ab April werde ich dann etwa eineinhalb Jahre Lehrgänge absolvieren, ehe ich selbst ausbilden kann. 

Das Geld 

Mein Berufswechsel hat sich nicht nur von den Arbeitsbedingungen her gelohnt, ich bekomme jetzt immer sofort Arzttermine bei Bundeswehr-Ärzten, viele Weiterbildungsmöglichkeiten und werde durch Lehrgänge gefördert. Bei der Bundeswehr verdiene ich auch viel mehr als vorher. Netto bekomme ich momentan etwa 1900 Euro. Je nach Beförderungsgrad steigert sich das in kleinen Schritten. Das finde ich super – in Ingolstadt bin ich dann in einer neuen Besoldungsstufe und werde knapp 2100 Euro verdienen.  

Das Privatleben 

Sobald ich Dienstschluss habe, ziehe ich als allererstes meine Uniform aus – es gibt ja Leute, die privat damit rumlaufen, für mich wäre das nix. Außer beim Military-Sport, den wir in Uniform auf dem Stützpunkt machen. Ich mache eigentlich jeden Tag nach Feierabend erstmal Sport. Spiele Fußball oder mache Kraft- oder Ausdauer-Training. Und ich verbringe viel Zeit mit meiner Freundin. Mit meinen Kameraden eher weniger, das ergibt sich auch durch die räumliche Distanz einfach nicht so.

 

Meine Freunde aus der Heimat sehe ich heute leider weniger, vielleicht alle drei oder vier Monate mal für ein Wochenende zu Hause. Aber das Opfer muss man eben bringen.  

Und was verdienen die anderen so?