3000 Euro brutto für den Maurergesellen

Rohit, 19, sagt: „Das typische Bild vieler Leute ist, dass Maurer*innen auf der Baustelle rumsitzen und Bier trinken.“
Protokoll von Nina Büchs
jobkolumne maurer cover

Foto: privat Bearbeitung: jetzt

Der Weg

In meiner Familie gibt es einen Dachdecker, einen Betonsanierer, einen Fliesenleger und einen Industriemechaniker. Durch sie bin ich also schon als Kind an handwerkliche Berufe herangeführt worden. Während meiner Schulzeit habe ich dann ein zweiwöchiges Praktikum in einem Maurerbetrieb gemacht und gemerkt, wie viel Spaß mir dieser Beruf macht. Daraufhin habe ich in einem kleinen Betrieb mit rund zehn Maurern eine Ausbildung zum Maurergesellen gemacht. Die Ausbildung fand im Blockunterricht statt. Das bedeutet, dass ich etwa zwei Wochen Theorieunterricht in der Schule hatte und dann wieder zwei Wochen auf der Baustelle gearbeitet habe.

In der Berufsschule habe ich unter anderem gelernt, wie man Baupläne liest, mit Baugeräten und Maschinen umgeht, den Mörtel anmischt und aufträgt und wie man verschiedene Steine oder Materialien zum Maurern verwendet. Auch die sogenannte „überbetriebliche Lehrunterweisung“, die in einem überbetrieblichen Ausbildungszentrum stattfindet, ist im Lehrplan der Berufsschule vorgesehen. Dort habe ich praktische Handwerkskenntnisse, wie Maurern oder Pflastern gelernt, aber auch, wie man beispielsweise Gerüste aufbaut.

Nach drei Jahren habe ich die Ausbildung abgeschlossen und mich nun noch für eine Weiterbildung zur*m Maurer- und Stahlbetonbaumeister*in entschieden. Erst mit dieser Auszeichnung bin ich dann berechtigt, mich als Maurer selbstständig zu machen - das ist auch mein berufliches Ziel. Wer noch höher hinaus will, kann sich sogar bis zum oder zur Vorarbeiter*in, Polier*in oder Kolonnenführer*in hocharbeiten und damit auch Management-Aufgaben auf der Baustelle übernehmen. Ebenso ist ein Bachelorstudium, zum Beispiel im Bereich Bauingenieurswesen, möglich.

Die Frage, die auf Partys immer gestellt wird

Das typische Bild vieler Leute ist, dass Maurer*innen auf der Baustelle rumsitzen und Bier trinken. Wenn ich dann aber von meiner Arbeit erzähle, erkennen einige, dass schon mehr dahintersteckt. Tatsächlich ist der Beruf auch fordernd und man muss als Maurer*in bestimmte Fähigkeiten mitbringen, um das Handwerk gut zu meistern.

Die Fähigkeiten

Ein*e gute*r Maurer*in muss vor allem handwerkliches Geschick mitbringen. Außerdem ist auch Sorgfalt und Genauigkeit ein wichtiges Gebot in diesem Beruf, Wasserwagen und Messgeräten sind extrem wichtig in unserer Arbeit. Ebenso gefragt ist räumliches Vorstellungsvermögen, körperliche Fitness und Teamfähigkeit, da man auf der Baustelle nicht allein, sondern mit seinen Kolleg*innen arbeitet. Auch rechnerische Fähigkeiten sind gefragt, denn wir die Durchführung von Baustoffbedarfsermittlungen oder Flächenberechnungen gehört ebenso zur Tätigkeit dazu.  

Außerdem sollte man gerne draußen arbeiten, denn auch bei Regen wird auf der Baustelle gearbeitet. Vom ersten Dezember bis 31. März beginnt jedoch die „Schlechtwetterzeit“, das bedeutet, dass es in dieser Zeit manchmal zu kalt ist, um auf der Baustelle zu arbeiten und man somit an einigen Tagen mit einem Arbeitsausfall rechnen muss. Um sich in dieser Zeit nicht arbeitslos melden zu müssen, bekommen Maurer das sogenannte Saison-Kurzarbeitergeld, das vom Staat über die Arbeitslosenversicherung finanziert wird und das 60 Prozent des Nettogehalts ausmacht. Für mich persönlich ist das aber nicht schlimm, weil ich in dieser Zeit dann ein bisschen flexibler bin und der Betrag, der mir durch den Arbeitsausfall fehlt, meist auch nicht sonderlich hoch ist. Sorgen um meine spätere Rente mache ich mir deshalb keine.

Das Gehalt

Pro Woche arbeite ich durchschnittlich etwa 42 Stunden, dafür bekomme dann 3000 Euro Brutto im Monat. Für Ostdeutschland, wo ich lebe, ist das schon ein eher überdurchschnittliches Gehalt. Viele Maurer*innen in anderen Betrieben verdienen weniger. Wenn man sich noch in der Ausbildung zur*m Maurergesell*in befindet, kommen im ersten Lehrjahr nur rund 600 Euro Brutto zusammen. Im zweiten Lehrjahr sind es dann etwa 900 und im letzten Jahr etwa 1200 Euro Brutto. Nach Abschluss meines Meisters kann ich dann mit einem Jahresbrutto von etwa 50 000 Euro rechnen, da ich in meiner Firma auch in den Bereichen Vorarbeiter, Meister und Bauleiter zum Einsatz kommen werde. 

Weil die Ausbildungsgebühr für den Meister inklusive der Materialkosten mit insgesamt 9500 Euro ziemlich hoch ist, finanziere ich diese zum Teil mit Bafög. Außerdem gibt es noch die Möglichkeit, eine Begabtenförderung bei der Handwerkskammer zu beantragen, wenn man im sich überregionalen Leistungswettbewerb unter den ersten drei Besten platzieren kann oder die Gesellenprüfung mit 97 von 100 Prozent besteht.

Der Fachkräftemangel

Wie bei vielen anderen Handwerksberufen ist der Fachkräftemangel auch im Baugewerbe deutlich spürbar. Schuld daran ist zum Teil die schlechte Bezahlung aber auch die harte, körperliche Arbeit, die wir täglich auf der Baustelle verrichten. Oft kommt es vor, dass einige Maurern später, mit circa Anfang 50 schon über starke Rückenschmerzen klagen und die Ausübung des Berufes dann umso schwieriger wird. Durch den Fachkräftemangel müssen auch in unserem Betrieb Kund*innen durchschnittlich etwa ein halbes Jahr warten, bis wir ihre Aufträge annehmen und umsetzen können. Wie ich aus eigener Erfahrung weiß, ist das für viele Betrieben ein Problem, da sie die hohe Nachfrage nicht bedienen können und kein Nachwuchs nachrückt, um das Geschäft der Älteren einmal zu übernehmen. Dass das Handwerk auch für viele junge Leute unattraktiv ist, spiegelt sich in meiner Berufsschulklasse wieder. Aus ursprünglich 25 Auszubildenden in ganz Thüringen hat der Großteil die Lehre abgebrochen. Neben mir haben nur drei andere schließlich die Prüfung zur*m Maurergesell*in absolviert.

Die Wettbewerbe

Auch Wettbewerbe sind in der Baubranche durchaus üblich. Nachdem ich bei meiner Gesellenprüfung sehr gute Ergebnisse erzielt habe, bin ich zur Deutschen Meisterschaft der Bauberufe eingeladen worden. Bei diesem Wettbewerb kürt der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) jedes Jahr die besten Nachwuchshandwerker*innen Deutschlands. Innerhalb kürzester Zeit musste ich dann zwei Wände und einen stehenden Rundbogen erstellen. Obwohl ich mich auf den Wettbewerb nicht vorbereitet habe, habe ich schließlich die Goldmedaille gewonnen und wurde zum Deutschen Meister der Maurer gekürt. Inzwischen wurde ich sogar in das Nationalteam aufgenommen, in dem ich auf die Europa- und Weltmeisterschaft vorbereitet werde.

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