Bis zu 4000 Euro brutto für den Gießereimechaniker bei einem Automobilhersteller

Fabian*, 21, erzählt, was die Arbeit am Fließband so monoton macht, warum er jetzt schlechter hört, aber die Plackerei es trotzdem wert ist.
Protokoll von Caroline Bergwinkl
jobkolumne giessereimechaniker cover

Illustration: jetzt

Wie sieht dein Alltag als Gießereimechaniker aus?

Gießereimechaniker ist ein breit gefächerter Beruf. Früher gab es viele Kunst- und Glockengießer, die beispielsweise Kirchenglocken in Handarbeit gegossen haben. Mittlerweile arbeiten die meisten Gießereimechaniker in der Massenproduktion. Ich arbeite in einer Gießerei bei einem bekannten Automobilhersteller. Da wir ein so großes Unternehmen sind, gibt es in unserem Werk verschiedene Gießereien, die jeweils für eine ganz bestimmte Aufgabe zuständig sind.

Wir produzieren täglich mehrere Tausend Gußstücke, die später Bestandteil von Automotoren werden. Unsere Halle ist 50 Quadratmeter groß und hat Platz für zwölf sogenannte Kernschießanlagen. Die einzelnen Anlagen sind mit einem Sicherheitszaun umgeben. Darin befinden sich mehrere Roboter und eine Kernschießmaschine, die circa vier Meter hoch ist. Wenn unser Produkt aus der Maschine kommt, ist es mehrere hundert Grad heiß. Die Roboter entnehmen das Teilstück und legen es auf ein Band, auf dem es schließlich zum Mitarbeiter gelangt, der es auf seine Qualität kontrolliert. Das ist insgesamt eine sehr monotone Aufgabe, weil man die Maschine zuerst richtig einstellen muss und anschließend nur darauf wartet, bis das fertige Bauteil auf das Fließband kommt.

Pro Anlage ist ein Arbeiter zuständig und manchmal machen wir acht Stunden lang nichts anderes. Ich arbeite mittlerweile nicht nur als Kernschießer, sondern auch als Anlagenführer und bin für Wartungen und die Endkontrolle der Bauteile in unserer Halle zuständig. Ich empfinde die Fließband-Arbeit aber auch als eine gute Erfahrung, weil es mir zeigt, wie hart man sein Geld verdienen kann. Jede Woche arbeite ich in einer anderen Schicht, entweder Früh-, Spät-oder Nachtschicht. Bevor ich meine Schicht beginne, ziehe ich in der Umkleide meine Arbeitskleidung an, wir müssen immer feste Schuhe, eine Schutzbrille und Arbeitshandschuhe tragen. 

Durch die Corona-Krise herrscht in den Umkleiden Mundschutzpflicht und auch in der Halle, wenn man keinen großen Abstand zu den Mitarbeitern hat. Generell haben wir durch die Pandemie sehr starke Einbußen, da wir dieses Jahr beispielsweise nicht so viele Autos verkauft haben wie in den Vorjahren. Ich habe das vor allem an den Mitarbeitern gemerkt, viele Leiharbeiter wurden entlassen und einige Hallen vorübergehend geschlossen. 

Ist die Arbeit gefährlich?

Mein Arbeitsplatz ist sehr gefährlich, da wir mit vielen ätzenden Stoffen arbeiten und eigentlich alles giftig ist. Wenn wir beispielsweise mit Sand arbeiten – der für einige Bauteile benötigt wird, um einen Hohlraum im Gussteil zu erzeugen – wird Feinstaub aufgewirbelt und wir müssen zwingend Mundschutz und Masken tragen. Ehrlich gesagt weiß ich selbst nicht so genau, ob die wirklich etwas bringen. Mir wurde aber gesagt, dass in den letzten 30 Jahren kein Mitarbeiter an einer Staublunge erkrankt ist.

Außerdem ist die ständige Hitze eine große Herausforderung in der Gießerei. Es wird zwar schon darauf geachtet, möglichst viel Frischluft in die Halle zu pumpen, aber das ist nur bedingt möglich, da die Außentemperatur die Qualität unserer Bauteile negativ beeinflussen kann. Es gibt keine Klimaanlage und im Sommer kommt es häufiger vor, dass ein Mitarbeiter aufgrund der Hitze zusammenbricht. In der Kernmacherei ist es immer sehr laut und wir tragen alle Gehörschutz. Ich selbst habe das Gefühl, schlechter als andere in meinem Alter zu hören. Das liegt wahrscheinlich daran, weil wir per Kopfhörer Musik hören dürfen und man sehr laut aufdrehen muss, um etwas zu verstehen. Ich höre ungefähr sechs Stunden Musik am Tag, weil mir sonst langweilig werden würde.

Auch die Schichtarbeit ist kräftezehrend und der ständige Wechsel meines Schlaf-Rhythmus geht schon sehr auf Körper und Geist. 

Wie ist dein Verhältnis zu den Kolleg*innen?

In dem Unternehmen fühlt es sich ein bisschen so an wie in einer großen Arbeiterstadt, in der jeder einen kleinen Beitrag zum fertigen Produkt leistet. Meine Kollegen und ich sind ein eingespieltes Team und müssen uns kaum noch absprechen, weil jeder weiß, was er zu tun hat. Es gibt viele ältere Mitarbeiter, die schon sehr lange als Kernschießer arbeiten. Obwohl der Job so monoton ist, würden die meisten nicht damit aufhören, weil sie genau wissen, dass sie woanders niemals so viel Geld verdienen würden.

Insgesamt sind wir in der Kernmacherei circa 60 Mitarbeiter – davon sind nur wenige Frauen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass unsere Arbeit körperlich sehr anstrengend ist. Die Frauen, die bei uns arbeiten, werden aber nicht an die extrem schweren Maschinen gestellt. Wir nehmen Rücksicht auf sie, aber trotzdem arbeiten sie natürlich genauso mit. Grundsätzlich werden bei dem Automobilhersteller Frauen bevorzugt eingestellt, weil die Frauenquote erhöht werden soll, vor allem in den Gießerei-Betrieben. Mir persönlich ist das Geschlecht relativ egal, wichtig ist mir die Kompetenz der Mitarbeiter. 

Was motiviert dich an deinem Job?

Am meisten motiviert mich das Geld. Natürlich könnte ich auch an einer  Supermarktkasse arbeiten und wäre vielleicht nicht so kaputt nach der Arbeit, aber dafür würde ich es stark auf meinen Lohnzettel merken.

Mir macht meine Arbeit in der Gießerei aber auch deshalb Spaß, weil ich sehr viel positives Feedback von meinen Chefs bekomme und sie sehen, dass ich sehr motiviert bin und auch viele Samstage in der Fabrik arbeite. Deshalb sind mir sogar manche Mitarbeiter untergeordnet, die schon viel länger dabei sind als ich.

Wie bist du Gießereimechaniker geworden?

Nach meinem Realschulabschluss hat sich einer meiner besten Freunde für die Ausbildung als Gießereimechaniker bei dem Automobilhersteller beworben. Ich habe mich auch beworben, weil wir es witzig fanden, Arbeitskollegen zu werden. Letztlich haben sie aber nur mich genommen und ihn nicht.

Ich hatte wahrscheinlich bessere Chancen, weil ich bereits ein Praktikum in einer Autowerkstatt gemacht habe. Grundsätzlich braucht man für die Ausbildung auch nur einen Quali und da hat mir die Mittlere Reife sicher einen Vorteil gebracht. Die Ausbildung zum Gießereimechaniker dauert dreieinhalb Jahre, man lernt alle Gießereien des Unternehmen kennen.

Wie viel verdienst du?

Als ich meine Ausbildung angefangen habe, war Gießereimechaniker der drittbest bezahlte Ausbildungsberuf in meinen Bundesland und ich habe ab dem ersten Lehrjahr 950 Euro netto verdient. Als festangestellter Mitarbeiter bekomme ich jeden Monat ein Grundgehalt, welches bei circa 3600 Euro brutto liegt. Pro Nachtschicht-Woche bekomme ich zusätzlich eine Pauschale von 400 Euro gezahlt. Insgesamt gibt es über das Jahr verteilt drei Zusatzzahlungen und zwar Urlaubsgeld, Gewinnbeteiligung und Weihnachtsgeld. Letzten Monat habe ich mit der Zahlung von Urlaubsgeld knapp 6000 Euro brutto verdient.

Mit meinem Gehalt bin ich sehr zufrieden und spare das meiste davon. Ich lebe noch zuhause bei meiner Mutter und gebe ihr jeden Monat Geld für die Haushaltskasse. Ich besitze selbst ein Auto und muss entsprechend Versicherungen und Benzin bezahlen. Wenn ich mir ein Auto unserer Marke kaufe, bekomme ich Vergünstigungen oder auch Leasing-Angebote. Während meiner Ausbildung habe ich ziemlich verschwenderisch gelebt und mir viele teure Dinge gekauft, aber mittlerweile mache ich das nicht mehr.

Welche Frage wird dir auf Partys immer gestellt?

Mein Beruf ist sehr selten und deshalb wissen die meisten gar nicht so genau, was ich eigentlich mache. Einen Industriemechaniker kennt fast jeder, aber bei einem Gießereimechaniker ist das anders und das weckt natürlich Interesse. Oft werde ich auch gefragt, ob es in der Gießerei wirklich so heiß ist. Ja, ist es. 

*Der Name ist geändert, ist der Redaktion aber bekannt. 

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